Arbeitsalltag mit Roboter

Arbeit Künstliche Intelligenz erobert die Berufswelt – was müssen wir künftig wissen, um damit umgehen zu können?
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Er ist klein, glänzend-weiß und hat große schwarze Kulleraugen – die Rede ist vom humanoiden Roboter »Pepper«. Er wurde darauf programmiert, die Gestik und Mimik von Menschen zu erkennen und sich dementsprechend zu verhalten. In ein paar Jahren könnten wir Pepper oder einem seiner androiden Geschwister täglich im Büro begegnen. Denn: »Bis 2030 wird die Hälfte der Arbeitsplätze durch Künstliche Intelligenz und Digitalisierung entweder stark verändert oder ersetzt worden sein«, sagt Frank Richter. In der Kommunikationsagentur Ressourcenmangel leitet er das Fachgebiet Bildungskommunikation. Was diese Umstrukturierung für die Zukunft der Arbeit bedeutet, diskutierte Moderatorin Diana Scholl mit Richter und weiteren Gästen in der Veranstaltungsreihe »young+restless« am 7. Mai im Telefónica Basecamp.

Roboter und KI könnten längst nicht mehr nur rein mechanische, sondern auch geistige Aufgaben übernehmen und hätten sich in Arbeitsbereiche vorgearbeitet, die früher unmöglich erschienen, so Richter. Werden wir, die Roboter-Vorgänger aus Fleisch und Blut, in der Gesellschaft der Zukunft dann also gar nicht mehr gebraucht? Richter gibt Entwarnung: Alles, was einfach zu lehren und zu überprüfen sei, beispielsweise im Rahmen einer Prüfungsklausur, werde in Zukunft automatisiert oder digitalisiert werden. »Was uns von Maschinen unterscheidet – kritisches Denken, Zusammenarbeit, Empathie – wird dagegen weiterhin gebraucht werden.« Eine Schlüsselrolle kommt für Richter der Kreativität zu. Die sei, mit den Worten des Komikers John Cleese, kein Talent, sondern eine Arbeitsweise. Die entscheidende Frage lautet also: Wie lässt sich diese Denk- und Arbeitsweise erlernen?

Hier kommt die Bildung ins Spiel – an ihr liegt es, Menschen die benötigten Denk- und Arbeitsweisen zu vermitteln. Und dies betrifft mitnichten nur die Schulen, sondern gerade auch Unternehmen und die Berufswelt – Stichwort Fortbildung und lebenslanges Lernen. Auch die Zusammenarbeit mithilfe digitalisierter Prozesse und Künstlicher Intelligenz will schließlich gelernt sein.

Dr. Daniel Coloma Andrews ist beim Mobilfunkanbieter Telefónica zuständig für Bildungsfragen und hat drei Thesen in Sachen Unternehmensbildung aufgestellt. Erstens: Unternehmen selbst müssen schneller lernen. Weil sich Kommunikationsprozesse enorm beschleunigt haben, müssten Firmen auf Probleme ihrer Kunden unverzüglich reagieren und diese schneller lösen. Zweitens: Im Privatleben ist das lebenslange Lernen, mit technischen Neuerungen umzugehen, schon längst angekommen. »Meine Schwiegereltern sind lange pensioniert, haben sich aber den Umgang mit dem Smartphone, Whatsapp oder Netflix selbst beigebracht«, erklärt Coloma Andrews. Im Beruf würden solche Lernprozesse dagegen oft als komplizierte Mammutaufgabe angesehen. Coloma Andrews’ dritte These lautet deshalb: Die Haltung zum Lernen im Beruf muss moderner werden.

Dr. Maika Puta ist Organisations- und Arbeitspsychologin. Für sie bedeutet die Arbeitswelt der Zukunft vor allem: die Persönlichkeitsentwicklung rückt im Berufsleben in den Vordergrund. Es werde nicht mehr darum gehen, Aufgaben stumpf abzuarbeiten oder einfach Erfolge zu erzielen. In ihrem Modell der Ich-Entwicklung kommt es dem arbeitenden Menschen vor allem darauf an, an und durch seine Aufgaben zu wachsen, dazu zu lernen und sich flexibel auf unterschiedliche Herausforderungen einstellen zu können. »Der Job ist einfach nur mein Job, diese Vorstellung wird in Zukunft sicher schwierig«, sagt Puta. Allerdings bräuchten sowohl Menschen als auch Unternehmen Zeit, sich an neue Prioritäten zu gewöhnen und Arbeitsweisen dahingehend umzustellen.

Für Frank Richter lassen sich diese Prioritäten mit vier K benennen: »Kreativität, Kritisches Denken, Kommunikation und Kollaboration«. Das Schöne sei, dass man Kreativität nicht erst erlernen müsse, sie sei uns allen angeboren. Allerdings gebe es einen wichtigen Faktor: »In einem autoritären, angstbesetzten Arbeitsklima kann es keine Kreativität geben«. Den Mut dafür könne man nur mit der nötigen Freiheit und Gelassenheit entwickeln. Denn: »Kreativität funktioniert quantitativ – je mehr Ideen ich äußere, desto besser. Die allermeisten werde ich verwerfen, einige sind in Ordnung, und ein paar wenige vielleicht sehr, sehr gut«.

09:50 08.05.2019
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Geschrieben von

Kristina Auer

Kristina Auer ist freie Journalistin in Berlin und schreibt meistens über Lokales. Für die Meko Factory berichtet sie über Veranstaltungen.
Kristina Auer

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