Wirtschaftliche Teilhabe statt Robin-Hood

Arbeitszeit-Splitting. Das heutige Robin-Hood-System führt in die Sackgasse. Der Paradigmenwechsel heißt Arbeitszeit-Splitting: weg vom Umverteilen hin zum Teilen.
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Das Klagen über die soziale Ungerechtigkeit ist allgegenwärtig. Die Diskussion wabert durch Politik und Medien - über die Schere zwischen Arm und Reich, fehlende wirtschaftliche Perspektiven, Angst vor dem Abstieg und über abgehängte Wähler mit Orientierung an Extremisten.

Der Blick auf Deutschland zeigt den Konflikt besonders deutlich: Auf der einen Seite eine prosperierende Wirtschaft, die dem Land Wohlstand beschert, auf der anderen Seite frustrierte Bevölkerungsschichten, die sich vergeblich bemühen, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Die Produktivität der deutschen Wirtschaft hat sich in den letzten 50 Jahren enorm gesteigert. Das Einkommen pro Kopf hat sich in diesem Zeitraum verdreifacht und liegt bei fast 40.000 Euro. Digitalisierung und Automatisierung werden diese Entwicklung weiter beschleunigen. Eigentlich sind wir auf dem Weg ins Schlaraffenland. Dennoch herrscht eine breite Unzufriedenheit.

Antriebsriemen dieser Entwicklung ist die Marktwirtschaft. Die Mechanismen der Marktwirtschaft arbeiten effizient und verschaffen uns den gesamtwirtschaftlichen Wohlstand. Dabei folgt die Wirtschaft stumpf der Nachfrage. Die Kehrseite: Die Marktwirtschaft hat kein soziales Gewissen, keine nachhaltige Zielsetzung und kümmert sich nicht um Verteilungsaufgaben. Ergebnis ist eine ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen.

Um diese Probleme abzufedern, hat die Bundesrepublik das Modell „Robin Hood“ entwickelt: Rentner und Arbeitslose erhalten ihr Einkommen aus dem großen Sozialtopf, in den die Arbeitsplatzabgaben einfließen. Dieses Umverteilen führt in eine Sackgasse. Immer weniger Arbeitnehmer müssen immer mehr Rentner und Arbeitslose finanzieren. Schon heute ist der Sozialtopf größer als die Summe aller Nettoentgelte aus Arbeit.

Die Ideen der Politiker enden bei zwei Varianten: Ankurbeln der Wirtschaft für mehr Arbeit versus noch mehr Umverteilen. Alternativen dazu sind nicht zu finden.

Ein Paradigmenwechsel „Weg vom Umverteilen hin zur wirtschaftlichen Teilhabe“ kann das Problem lösen. Teilhabe muss an den beiden Haupteinkommensquellen der Wirtschaft ansetzen: Arbeitseinkommen und Unternehmensgewinne.

Arbeitseinkommen

Die große Herausforderung ist das Arbeitseinkommen. Gesamtwirtschaftlich benötigen die Unternehmen und Organisationen immer weniger Arbeitskräfte - ein wesentlicher Antreiber ist die Digitalisierung. Die Zahl der Arbeitslosen wird steigen. Daher muss der Paradigmenwechsel ein neues Verteilungsmodell für die Arbeit entwickeln. Wir müssen die Arbeit auf Alle verteilen und nicht Arbeitsplatz-Abgaben umverteilen.

Wenn für alle Arbeitnehmer nur noch eine Dreiviertel-Stelle herausspringt, sollte sich der Arbeitsmarkt dahingehend verändern. Das wird nicht per Ansage des Gesetzgebers funktionieren. Helfen werden aber marktwirschaftliche Instrumente, die den Unternehmen Anreize setzen, neue Arbeitsmodelle zu entwickeln mit mehr Teilzeit.

Ein Lösungsansatz ist das Arbeitszeit-Splitting. Dieses staffelt die Arbeitsplatzabgaben nach persönlichen Zeitzonen je Arbeitnehmer. Wenn die ersten 80 Monatsstunden je Arbeitnehmer weniger Abgaben kosten als die folgenden Stunden, bekommt jede Arbeitskraft einen Angebotsvorteil für seine "Primärstunden". Auf diese Primärstunden werden die Unternehmen abfahren, vorrangig zugreifen. Mit diesem Ansatz ist das Minijobmodell zum Renner geworden - der Vorteil geht jedoch dort bei Mehrstunden verloren. Fällt der Einsparvorteil für die Unternehmen groß genug aus, werden die Unternehmen ihre Arbeitsorganisation anpassen und mehr Teilzeitangebote schaffen. So entsteht eine neue Verteilung der Arbeit. Die Arbeitslosigkeit wird drastisch zurückgehen.

Daneben sind Weiterbildungsprogramme zusammen mit den Unternehmen aufzulegen, damit in den Bereichen mit Fachkräftemangel, das Angebot an Arbeitskräften vergrößert wird.

Unternehmensgewinne

Wesentlich einfacher gestaltet sich die Teilhabe beim Unternehmensgewinn. Norwegen hat ein Modell dafür entwickelt: einen staatlichen Beteiligungsfonds. Dort werden die Überschüsse aus den staatlichen Öleinnahmen in Unternehmensbeteiligungen investiert; Nutznießer sind die Krankenkassen und die Rentner.

Mit dem Arbeitszeit-Splitting werden im Sozialbudget ebenso Überschüsse erzielt. Diese können ähnlich in einen „Nationalen Beteiligungsfonds der Arbeitnehmer“ umgeleitet werden. Dort wird in Beteiligungen an deutschen Unternehmens investiert. Die Gewinne daraus fließen in die Rentenkasse und bessern die Rentenansprüche der Arbeitnehmer auf. So werden auf der Zeitachse immer mehr Rentenanteile über die Gewinnausschüttung finanziert. Auch der Beteiligungsfonds entlastet das Sozialbudget.

Der Paradigmenwechsel mit dem Arbeitszeit-Splitting bringt zwei Vorteile: bessere Verteilung der Arbeit und mehr Teilhabe an Unternehmensgewinnen. Damit gehören die Arbeitnehmer erstmals auch zu den Gewinnern des Wirtschaftswachstums und das Los der Ausgrenzung geht verloren.

Es entsteht jedoch eine neue Verantwortung der Arbeitnehmer für die Wirtschaft ähnlich der politischen Teilhabe der Bürger in der Demokratie.

Mehr zum Arbeitszeit-Splitting unter:
https://www.freitag.de/autoren/kritikaster/arbeitszeit-splitting-bringt-arbeit-fuer-alle

21:24 02.04.2017
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Geschrieben von

kritikaster

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