RE: Der kranke Mann Europas | 01.01.2020 | 14:27

Schließe mich @Mühlenkämper an: danke für die durch die Lektüre vergnüglich verschwendete Zeit ;-) Und auch danke für den Link zu dem lustigen Liedlein, zu dem ich aber kritisch anmerken möchte, dass das Wort "geläutert" (dreimal langgezogen wiederholt!) wohl nicht zum kindlichen Wortschatz gehört.

Und dafür muss sich der Chefredakteur entschuldigen und das Lied wird gelöscht? Da treibt die Political Correctness (PC) schon merkwürdige Blüten. Wobei es nicht ohne Ironie ist, dass PC in diesem Fall gerade von Kreisen eingefordert wird, die sie sonst ablehnen.

RE: 18.400 laufende Glyphosat-Verfahren | 01.08.2019 | 11:17

Gute Idee, zusammen mit einer Karikatur die Hintergründe in einem Blogtext zu hinterlegen. Sonst versteht schon nach ein paar Jahren keiner mehr die Karikatur.

Kleine Korrektur zum Text: die Klagen wurden nicht "urplötzlich" zugelassen, sondern es gab sie schon vor der Übernahme und -wenn ich mich recht erinnere- wurde das auch hier in der FC schon diskutiert. Hier kann man sich durch die Unterlagen eines 2016 begonnenen Prozesses wühlen: US District Court CA "In re: Roundup Products Liability Litigation (MDL No. 2741)".

Wenn diese Problematik schon damals von den Hobby-Bloggern der FC diskutiert wurde, dann kann man davon ausgehen, dass sie den Profis bei Bayer und Blackrock erst recht (und viel detaillierter) bekannt war.

Ein ähnliches Problem steht übrigens bald mit den Fracking-Unternehmen an. Vielleicht findet sich ja in diesem Fall dann ein chinesischer Inverstor, der Interesse hat, die Schadensersatzforderungen zu übernehmen ;-)

RE: Das Phänomen Greta Thunberg | 05.03.2019 | 19:43

@Stiller: "Wenn die Menschen schließlich merken, was sie anrichten, ist es höchstwahrscheinlich schon zu spät."

Hier ist eine surreale Fotomontage von Erik Johansson, die das Dilemma visualisiert: Demand & Supply (2017)

"Die Erde ist in so vieler Hinsicht bedroht, dass es mir schwerfällt, optimistisch zu sein."

Die Frage, was denn überhaupt ein praktikabler Weg sien kann, "die Notbremse zu ziehen", haben Randers & Maxtom in "Ein Prozent ist genug" (oekom, 2016) versucht zu beantworten. Die selbstgesetzten Randebdingungen sind interessant: es sollten Maßnahmen sein, die im Interesse der Bevölkerungsmehrheit (gerade auch in den Industrienationen) sind. Ob es in (Post-)Demokratien überhaupt möglich ist, eine Politik durchzusetzen, die im Interesse der Mehrheit ist, ist unklar, aber ich teile die Auffassung von Randers & Maxtom, dass das nicht ausgeschlossen ist.

RE: Warum verbreitet sich Esperanto? | 05.03.2019 | 16:41

@LuWunsch-Rolshoven: "aktuale mia retumilo ne donas sonon"

Eble, ke la sonaplikaĵo de JuTubo estas malaktivigita sur via komputilo: ĉu vi provis premi sur la laŭtil-signo sub la video?

"Kontaktu min."

Mi skribos malpublike per retletero.

RE: Warum verbreitet sich Esperanto? | 03.03.2019 | 21:36

Der Beitrag ist zwar schon zwei Jahre alt und ich weiß nicht, ob Sie noch hier aktiv sind, aber ich kommentiere trotzdem mal, weil ich den Artikel erst jetzt gesehen habe.

Auch wenn sich der Vorkommentator denkzone8 darüber lustig macht, dass Esperanto keine mit "Sitten, Gebräuchen & Essen" verknüpfte Regionalsprache ist, habe ich aus genau diesem Grund letztes Jahr Esperanto gelernt: als neutrale Sprache mit internationalem Anspruch, die ich für Liedtexte verwenden kann. Zwar verwendet heute jeder Englisch, der sich an ein internationales Publikum richtet, aber Englisch ist so eng mit der angelsächsischen Pop-Kultur verbunden, dass es öfters unangemessen wirkt.

Weil ich in der Schule mal Latein gelernt hatte, war das die erste naheliegende Wahl. Zwar wurde Latein als "Weltsprache" (na ja, war nur Europa) in der Antike auf ebenso imperiale Weise durchgesetzt wie im 20. Jh. Englisch, aber später war Latein über 1000 Jahre lang tatsächlich eine neutrale Lingua franca, d.h. nirgendwo Muttersprache und zugleich Mittel der internationalen Kommunikation. Auch wenn ich meine Experimente mit Latein nach wie vor für gelungen halte (hier ist ein YT-Video als Beispiel), habe ich das aus mehreren Gründen nicht weiterverfolgt (kompliziert, elitär, keine allgemein akzeptierte Aussprache für neulateinische Texte, ...).

Dann hat mich jemand auf Esperanto aufmerksam gemacht, und ich hätte mir gewünscht, das wäre schon dreißig Jahre früher gewesen und die Sprache wäre statt Latein in der Schule angeboten worden: absolut regelmäßige Grammatik, logischer Aufbau, und erinnert klanglich an Italienisch. Ein Nachteil beim Dichten sind allerdings die fehlenden Synonyme (die aber wiederum die Vokabellerner freut) und die ausnahmslose Betonung auf der vorletzten Silbe, was die Anpassung an ein Versmaß schwierig macht. Letzteres ist übrigens auch Zamenhof aufgefallen, weshalb er in der Dichtung die o-Elision einführte, die mir aber eher wie eine Notlösung erscheint. Ich würde mich zwar immer noch als "komencanto" bezeichnen, aber hier ist ein YT-Video mit einem Beispiellied: "Fiŝoj en la dezerto".

Se vi volas, benvolu respondi en Ensperanto: mi bezonas praktikadon.

RE: Blackout oder nur böse Absicht? | 06.01.2019 | 08:24

Vielleicht unterschätzen Sie die westdeutschen Leser. Als in der BRD sozialisierter Leser habe ich über die DDR aus dem Buch zwar nicht mehr erfahren als ich durch Axel Springer (pardon, es muss natürlich heißen: "DDR") und Gerhard Löwenthal schon wusste. Aber fairerweise muss ich sagen, dass das Buch auch nicht diese Erwartung weckte. Denn schon der Titel stellt klar, dass das Buch die Klischees der letztendlichen Sieger der Geschichte bedienen möchte.

Und für einen Autor ist das m.E. ein legitimes Geschäftsmodell, das durch den Erfolg (einhelliges Feuilleton-Lob, Literaturpreis) gerechtfertigt ist. Man kann vom Autor m.E. nicht erwarten, dass er diesen kalkulierbaren Erfolg mutwillig hätte gefährden sollen.

RE: Leningrader Nächte | 25.11.2018 | 19:51

Lethe: "Wissozskis Musik lümmelt sich als Gesamteinspielung auf (immer noch gern gespielten) CDs rum"

Gibt's die CD's noch irgendwo mit deutschen oder englsichen Übersetzungen der Texte?

RE: Wandel durch Abschreckung | 18.10.2018 | 18:04

>>1. Wäre Europa ohne Hilfe der Nato/USA auch nur einen Tag in der Lage, sich gegen einen Angriff von außen zu wehren?<<

Selbstverständlich. Allerdings sollte man dann die Armeen von Interventionsarmeen zu Verteidigungsarmeen umbauen. Vermeintlich meint Ihre Frage aber, ob Europa sich gegen einen Angriff *der USA* verteidigen könnte, die der einzige militärische Akteur sind, der dazu überhaupt in der Lage wäre (für einen erfolgreichen Angriff braucht man eine *erhebliche* militärische Überlegenheit). Das Stellen dieser Frage zeigt, dass man beim Loslösen aus der Rolle des "Force Mulltipliers der USA" (Wolfgang Ischinger) behutsam vorgehen müsste.

>>Historiker werden dann vom verschwundenen Goldenen Zeitalter der Pax americana im 20. und 21. Jahrhundert sprechen<<

An dem Mythos des "wohlwollenden Hegomons USA" stricken derzeit so manche (auch in der SWP), aber vom "Goldenen Zeitalter der Pax americana" wird wohl kaum jemand in Lateinamerika sprechen wollen, wo die USA mit offenen und verdeckten Interventionen in "ihrem Hinterhof" wüteten. Aus deutscher Sicht mag die Rolle des Mitläufers in einer Beutegemeinschaft durchaus komfortabel gewesen sein, aber deshalb ist eine Welt ohne globalen Hegomen nicht automatisch schlechter.

RE: Wandel durch Abschreckung | 18.10.2018 | 17:49

gelse: >>Das habe ich damals anders wahrgenommen: Der Angriff kam den OPCW-Inspektoren zuvor.<<

Damit das demnächst in anderer Reihenfolge geschehen kann, sind schon entsprechende Vorbereitungen getroffen. Zum einen sind im Juni 2018 die Regeln der OPCW geändert worden, so dass sie auch vermeintliche Täter benennen kann [1].

Zum anderen sitzt mit John Bolten ein Spezialist für die Enflussnahme auf das OPCW in der US-Administration: in 2002 drohte er (Quelle: [2]) dem damaligen OPCW-Direktor Bustani "You have 24 hours to leave the organization, and if you don’t comply with this decision by Washington, we have ways to retaliate against you. We know where your kids live. You have two sons in New York."

[1] Zeit-Online (27.06.2018): OPCW darf Verantwortliche von Chemiewaffenangriffen nennen

[2] The Intercept (29.03.2018): “We Know Where Your Kids Live”: How John Bolton Once Threatened an International Official

RE: 1998: Werber an die Macht | 27.09.2018 | 21:44

reziplikativ: "Heute muss man wohl klein beigeben und attestieren, der schreckliche Kohl in ewiger Dauerschleife wäre das kleinere Übel gewesen. Der Kanzlerdarsteller Schröder hat seine Wähler betrogen, den Sozialstaat desavouiert und entsolidarisiert, soziale Zwietracht ins Land getragen, die bist heute zerstörerisch und fatal wirkt, die Reichen sehr viel Reicher gemacht, die Armen ärmer."

Bittere Ironie der Geschichte: die jahrelang mit dem Ticket fahren, das kleinere Übel zu sein, stellen sich als das größere Übel heraus.