RE: Einmischen, eingreifen – wer darf was? | 27.09.2018 | 21:20

Danke für diese Bestandsaufnahme der völkerrechtlichen Situation, die man in etablierteren Medien vergeblich sucht. Ergänzend sollte man aber auch noch darauf hinweisen, dass das NATO-Führungspersonal ganz offen zugibt, nicht viel auf das Völkerrecht zu geben. So schrieb Klaus Naumann (1999 Vorsitzender des NATO-Militärausschusses) kurz nach Beendigung des Krieges gegen Jugoslawien:

"Wir haben Ihnen gezeigt, dass sie keine Chance haben, Interventionen der NATO durch ein Veto Russlands zu verhindern. Und ich hoffe, Moskau hat das verstanden." (Truppenpraxis, Wehrausbildung)

Konsequenterweise ist in den Empfehlungen der NATO zur eigenen "strategischen Kommunikation" denn auch keine Rede mehr vom Völkerrecht, sondern es wird empfohlen, Greueltaten des Feindes als Begründung für militärische Angriffe anzugeben:

"Key Principles for NATO Strategic Communications:Emphasize the human rights aspects of the conflict. [...] In Iraq in 2003, the Bush administration made a major strategic mistake in emphasizing the possession of WMDs by the Saddam Hussein regime. [...] If the evidence of Saddam Hussein’s atrocities had been widely publicized the public support for the war would have been much stronger. [...] In all future conflicts NATO should deploy sizable media teams to record and publicize the human rights abuses of the enemy and should bring evidence before the public immediately and continually." (JAPCC Conference 2015)

RE: Widerstand statt Widerspruch | 07.09.2018 | 16:58

@Grenzpunkt 0: "... lesenswerter Artikel [von Ishchenko]"

Na ja, wenn wenig darüber bekannt ist, was besprochen wurde, kann halt jeder was hineininterpretieren. So erfahren wir aus dem Artikel lediglich, was die Wunschvorstellungen von Ishchenko sind.

In seiner heutigen Antwort auf eine Frage con Paul Craig Roberts erwähnt der Saker am Rande, dass es in der "Russi-focused blogospere" (wozu seine Webseite auch gehört) zwei Gruppen gäbe:

1) "On the one hand, mindless cheerleading combined with emphatic denials that there are any problems at all."

2) "On the other hand, defeatist “all is lost” or “Putin sold out” kind of commentary only serving to confuse the matter further."

Der Artikel von Ishchenko fällt in die erste Kategorie.

RE: Autos ohne Benzin und Fahrer - Konsequenzen | 14.08.2018 | 09:13

@gelse: "Dann geht der Tanz von vorne los, während Bayer weiterhin Profit scheffelt."

Da würde ich nicht drauf wetten: es sieht so aus, dass sich Bayer an dem vergifteten Bauer verschluckt (das Risiko war zum Zeitpunkt der Übernahme übrigens allseits bekannt). Andererseits ist die chemische Industrie in D eine der wichtigsten Branchen (viertgrößter Arbeitgeber), so dass der Profit vielleicht auch vom Steuerzahler gerettet wird. Dann hätten Sie doch recht.

Übrigens hat Gaby Weber zu den Hintergründen der Übernahme ganz aktuell einen Film gedreht.

RE: Bunter rauschen | 13.08.2018 | 19:46

denkzone8: "2 bücher pro jahr? [...] wo vor-denkertum ein abo-publikum hat, ists ein klacks."

Von dem Artikel habe ich mich verleiten lassen, das Buch im Urlaub zu Lesen. Und mich geärgert über die verplemperte Zeit mit in Buchdeckel gepresstem Geplauder. Für Talkshows angesichts der Vorliebe für kräftige Adjektive vielleicht passend, aber von einem Buch eines "Vordenkers" hätte ich mehr Substanz erwartet.

Zwei typische Beipiele:

1) auf p. 18 meint er, Trumps verfolge das Ziel eines "perversen Friedens mit Russland". Keine Erläuterung von Zizek, was er mit "pervers" meint. Darüber will ich auch nicht spekulieren. Meine Kritik ist, dass diese Wertung ohne genaure Spezifikation völlig sinnfrei ist. Und auf welcher Basis er die "Ziele" Trumpscher Politik abgeleitet haben will, wird auch nicht klar.

2) auf p. 45 schreibt Zizek: "Im Kapitlismus kann man nicht einfach das schmutzige Badewasser der Finanzspekulation ausschütten und das gesunde Kind der Realwirtschaft behalten, denn das schmutzige Wasser ist im Grunde das Blut des gesunden Kindes." Wieder keine Erläuterung dazu, so dass die im Bild verhaftete Begründung faktenfrei bleibt.

Zufällig hatte ich gerade vorher von Schulmeister "Der Weg zur Prosperität" gelesen, der sich mit Punkt 2) ausführlich und extrem kenntnisreich beschäftigt. Fairerweise muss man sagen, dass hinter Schulmeisters Buch ein Lebenswerk und eigene Forschung steht, aber der Unterschied im Niveau war zu drastisch, als dass ich Zizeks Buch irgend etwas Merkenswertes abgewinnen konnte.

RE: Skandal um ARD-Dopingexperten aktual. | 24.05.2018 | 20:04

denkzone8: "seine in wiki beschriebene vita"

Danke für den Hinweis, den ich peinlicherweise vor meinem letzen Kommentar nicht gesucht hatte. Er hat also in der Tat einen Fall im deutschen Radsport recherchiert. Das war laut wikipedia 2006 und war damit vermutlich sogar der Anlass für den Versuch in 2007, eine Anti-Doping-Kommission einzurichten.

RE: Skandal um ARD-Dopingexperten aktual. | 24.05.2018 | 09:25

denkzone8: "doping-suche nicht irgendwo in spanien, sondern in strenger reihen-folge erst in USA"

Wäre es nicht am naheliegendsten für einen deutschen Journalisten, in Deutschland zu recherchieren? Hat auch den Vorteil, dass für den Journalisten die Glaubwürdigkeit von Informanten leichter einzuschätzen ist.

Interessant wären z.B. die Hintergründe zum Ausbremsen der Anti-Dopingkommission beim Radsport durch den BDR-Präsidenten Rudolf Scharping im Jahr 2007. Hätte aus journalistischer Sicht durchaus Skandalpotential, denn Scharping hat als ehemaliger Verteidigungsminister gute Verbindungen in höchste Führungskreise. Natürlich kann man nicht ausschließen, dass er die möglicherweise auch nutzen kann, um einem öffentlich-rechtlichen Journalisten existenzgefährdende Schwierigkeiten zu bereiten. Wenn das zu riskant erscheinen sollte, dann kennt ein "Dopingexperte" bestimmt auch andere Ansatzpunkte, die einer Recherche wert sind.

RE: Szenarien der Eskalation | 14.05.2018 | 20:40

Jerry: "Aber was dann? Die USA haben keine weitergehenden Möglichkeiten."

Das hängt davon ab, was das Ziel ist. In Afghanistan oder Libyen hat ein Luft/Fernbombardement in Kombination mit lokalen Warlords (als "boots on the ground") gereicht, einen failed State herbeizuführen, den rivalisierende Banden kontrollieren. Mag das im Falle Afghanistans unterhalb des (aus US-Sicht) Wünschenswerten (und auch: Möglichen) gewesen sein, so dürfte das im Falle Libyens und Syriens aus US-Sicht das einzige realistische Nahziel (gewesen) sein und viele der US-Entscheidungsträger werden das der (aus US-Sicht: drohenden) Wiederherstellung der syrischen Staatlichkeit vorziehen.

Bleibt zu hoffen, dass sie abseits ihrer Showauftritte zu der Erkenntnis kommen, dieses dürftige Ziel ist das damit verbundene Eskalationsrisiko nicht wert.

RE: Skandal um ARD-Dopingexperten aktual. | 14.05.2018 | 20:15

Die ARD wird sicher adäquaten Ersatz finden. Vielleicht dürfen wir uns auf eine ähnliche Berichterstattung freuen, wie zur Olympiade 1980? O-Ton damals Klaus Bednarz: "Entartung (sic!) der Spiele in Gigantismus und Perfektionismus" und "nationalistisches pseudoreligiöses Brimborium" (im Video unten Minute 4:31). Wer sich's antun will, kann das auf YouTube nachschauen:

https://www.youtube.com/watch?v=9s5antSNe8g

RE: Eigenes Vorwissen: null | 10.05.2018 | 19:17

denkzone8: "ich würde gern Eure meinung zum simon schaupp-beitrag: "ich tricks dich aus, du system" hören/provozieren..."

Danke für den Hinweis. Bin momentan noch damit beschäftigt, das vom "ehemaligen Nutzer" Twix empfohlene "Weapens of Math Destruction" zu lesen und wollte eigentlich dazu Twix antworten (geht jetzt nicht mehr) oder eine Rezension verfassen. Möchte aber momentan nicht zu viel Zeit hier verkuxen.

RE: Eigenes Vorwissen: null | 10.05.2018 | 19:12

denkzone8: "hold my beer & watch this:"

Und was mache ich mit dem Bier, wenn Dein Account gelöscht wird, weiln Du höfliche aber unbotmäßige Fragen gestellt hast?

Ich verstehe das Löschen von moderaten und sachlichen Beiträgen nebst sämtlichen Kommentaren durch die Redaktion als Empfehlung, nicht zu viel Zeit mit dem Kommentieren zu verbringen.

Ist bedauerlich, weil man hier manche Anregung bekam, aber die kamen bei mir oft von kurz danach gelöschten Accounts. Wieso soll man gegen den Widerstand der Redaktion versuchen, sich hier auszutauschen?