RE: Eigenes Vorwissen: null | 04.05.2018 | 10:30

Twix: "Dazu gibt es ein sehr gutes Buch einer Mathematikerin (Cathy O'Neil) mit dem etwas reißerischen Titel 'Weapons of Math Destruction'."

Danke für den Lesetipp. Ich habe zu dem Buch ein paar Reviews gelesen und den Eindruck bekommen, dass es primär Kritik an Kennzahlen äußert. Dass die sehr häufig falsche Anreize setzen, erläutert auch Colin Crouch in "Die bezifferte Welt". Geht das Buch von Cathy O'Neil darüber hinaus, und beleuchtet insbesondere die Effekte des "collaborative filtering" anhand konkreter Beispiele?

RE: Syrien-Krieg? Aber ohne Deutschland! | 28.04.2018 | 19:25

Grenzpunkt 0: "Der Saker hat eine Zusammenfassung der Ereignisse 'Alas, this is far from over!' mit Ausblick veröffentlicht."

Sehr hörenswert ist dazu auch sein Interview mit "Guns and Butter" vom 22.04.2018, in dem er eine viel nüchternere Einschätzung der russischen militärischen Fähigkeiten vornimmt, als aussie42 es tut.

Übrigens hat mich sien Artikel "Hold my beer and watch this!" zu meinem ersten englischen Lied inspiriert.

RE: Kalkulierter Irrsinn | 26.04.2018 | 08:34

probi: "Das Völkerrecht interessiert die Machtblöcke on solchen Konflikten wenig, und Putin/Assad noch weniger. "

Zunächst ist zu bemerken, dass die russische Intervention in Syrien im Einklang mit dem Völkerrecht ist (von der rechtmäßigen Regierung um Unterstützung gebeten), die militärischen Aktivitäten von US/UK/F/D (im folgenden kurz: EUSA) jedoch nicht. Die EUSA berufen sich auf die "responsibility to protect" (r2p), eine 1999 eingeführte Rechtfertigung für völkerrechtswidrige Angriffskriege. Ziel war ausdrücklich, das Völkerrecht bedeutungslos zu machen, wie es Klaus Naumann, Vorsitzender des NATO-Militärausschusses, 1999 unmissverständlich schrieb:

"Wir haben ihnen [den Russen] gezeigt, dass sie keine Chance haben, Interventionen der NATO durch ein Veto Russlands zu verhindern. Und ich hoffe, Moskau hat das verstanden." (Truppenpraxis, Wehrausbildung 11/99, p. 736).

Dass die Positionen pro/kontra Völkerrecht so verteilt sind, ist den Interessen geschuldet, denn rechtliche Regelungen sind oft der einzige Schutz des Machtlosen vor der Willkür des Starken. Folglich betrachtet der Stärkere (EUSA) das Völkerecht als unangemessene Einschränkung seines Handlungsspielraums.

RE: Kalkulierter Irrsinn | 25.04.2018 | 21:39

gelse: "Nicht nötig: Die Krieger haben immer recht, je unplausibler ihre „Begründungen“ um so rechter haben sie."

Auch wenn Sie das vielleicht ironisch meinen, ist es das nicht! Der Saker wies im (übrigens sehr hörenswerten!) Interview mit "Guns and Butter" (22.04.2018) darauf hin, dass das Vorbringen völlig unplausibler Behauptungen eine Demonstration von Macht und Stärke ist: Macht über die Massenmedien, die als willfährige Verstärker agieren, und von Stärke, die über allem Recht steht. Je unplausibler die Behauptung, umso größer ist die Machtdemonstration.

RE: Die Logik der Eskalation | 26.03.2018 | 22:05

Ein Ausnahme-Artikel, der das Offensichtliche benennt: den unbedingten Willen zur Eskalation in GB und Teilen der EU und die Abwesenheit einer lösungsorientierten Diplomatie.

Zwar war dieser Wille auch schon früher erkennbar, z.B. bei der Verschärfung der Sanktionen unmittelbar nach der Minsker Einigung, aber mittlerweile pflegt "Der Westen" eine diplomatische Sprache gegen die die Emser Depesche ein Liebesbrief war. Besser wird dadurch nichts. Na ja, vielleicht haben die Akteuere eine andere Definition von "besser".

Zitat LH:"Alles andere hieße, um den Historiker Christopher Clark zu bemühen, mit schlafwandlerischer Sicherheit und sehenden Auges einem Abgrund entgegenzugehen"

Als ich dies vor vier Jahren in einem Lied formulierte, war ich noch in dem Glauben, dass dies eine für jeden offensichtliche Erkenntnis ist. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher...

<Spekulationmodus>... und denke mit Unruhe an die Fußball-WM. (Zur Erinnerung: der gewaltsame Regierungswechsel in Kiew wurde während der Winterspiele in Sotschi herbei geführt.)</Spekulationsmous>

RE: Der Gift-Anschlag in GB - kein casus belli! | 24.03.2018 | 19:00

"Die Nato ist ein Zombie. Miserabel ausgeruestet, kaum noch handlungsfaehig. [...]Gut, ich will die Belege fuer die militaerische Impotenz der USA nicht weiter anhaeufen."

Die SIPRI-Zahlen über die Militärausgaben sprechen eine andere Sprache: die NATO hat einen Etat, der den ihres herbeigeredeten Feindes Russland um das 12-fache übersteigt. Und die Intervention in Syrien ist auch nicht billig: so diente der Einsatz der Lenkwaffen (Kalibr) nur der Demonstration, aber ansonsten sind die viel zu teuer für einen regelmäßigen Einsatz. Und Russlands Armee war noch bis vor wenigen Jahren in einem desolaten Zustand. Die Berichte über Ausrüstungsmängel der Bundeswehr dienen m.E. einem durchsichtigen Zweck: Stimmung für einen höheren Militäretat zu machen.

Was die Drohgebärden der NATO gegenüber Russland in letzter Zeit angeht, gebe ich Ihnen aber Recht, dass das nur Säbelrasslen ist mit dem Ziel, dass sich Russland militärisch bedroht fühlt. Ziel ist anscheinend eine Rüstungsspirale, die Russland wirtschaftlich runieren soll wie seinerseits die Sowjetunion (John Hulsmann vom Council on Foreign Relations: "The weary West has forgotten how it won (sic!) the Cold War", 2014).

RE: Der Gift-Anschlag in GB - kein casus belli! | 24.03.2018 | 18:41

"Doch der militaerisch-industrielle Komplex im 'Westen' machen zu gute Geschaefte sehr mit Iran."

Ist das so? Bei der Deutschen Forfait AG haben legale (!) Geschäfte mit dem Iran zu ruinösen Strafaktionen der US-Behörden geführt, so dass sie laut FAZ vom 1.12.2016 "in Richtung Insolvenz trudelte".

Und ich empfehle, die zweite Grafik in diesem SPON-Artikel vom 5.1.2018 zu studieren. Auch wenn's der Spiegel ist und die Branche vielleicht gezielt gewählt ist, um die "gelbe Gefahr" zu beschwören (die Grafik deckt sich kurioserweise nicht mit der ersten Grafik, so dass eine von beiden falsch ist, oder die Beschriftungen nicht stimmen, oder verscheidene Einheiten gewählt wurden), entsteht der Eindruck, dass der Iran die EU als unzuverlässigen Handelspartner betrachtet. Ich kann daran nicht erkennen, warum die EU bei einem "Regime Change" im Wege stehen würde.

RE: Begründungen | 10.03.2018 | 21:27

Interessanterweise trat das Problem nur in RichText-Boxen auf, da aber auch auf anderen Webseiten, z.B. auf friedensmusik.de. Dort und bei den Beiträgen hier im Freitag habe ich immer als Workaround in die "Quelltextansicht" umgestellt und den Text direkt mit HTML-Markup eingegeben. In den Kommentaren hier gibt's die Quelltextansicht aber meines Wissens nicht, so dass das Ctrl/Cmd-V mir da bisher nicht möglich war.

RE: Richtige Antwort auf die falsche Frage | 10.03.2018 | 17:51

Wie kommen Sie darauf, dass der "Bund der Steuerzahler" einen steuerfinanzierten Rundfunkbeitrag gut fände? Der plädiert doch für einen schlanken Staat und die Beschränkung von Steuern auf das Allernötigste (deshalb prangert er ja "Steuerverschwendung" an).

Warum soll Unterhaltung vom ÖR ausgenommen werden? Ist es nicht auch von gesellschaftlichem Wert, wenn es Unterhaltung ohne "Produktplatzierungen" gibt, die dann auch noch (im Idealfall) den Zuschauer über den momentanen Genuss hinaus zum Denken anregt?

RE: Bloß nicht undankbar sein | 10.03.2018 | 17:43

w.endemann: "Kurz: Nicht der Sexismus der Werbung ist das Übel, sondern die Werbung selbst, und das, wofür sie steht"

Und weil bei sexistischer Werbung für jeden offensichtlich ist, dass die Verführung zum Kaufen mit unlauteren Mitteln versucht wird, würde ich es vom didaktischen Standpunkt bedauern, wenn sie verschwindet: das Wesen der Werbung würde dadurch verschleiert.