RE: Kritik der Nachhaltigkeit | 29.10.2017 | 20:30

GJ: "Es ist bisher nach jedem solchen Sterben eine Expansion der Artenvielfalt eingetreten."

In groben Überblick mag das stimmen, aber ob das tröstlich ist, dass man darauf dann in Milliönchen Jahre warten muss?

dass es nicht das erste ist und bisher nach jedem solchen Sterben eine Expansion der Artenvielfalt eingetreten ist, die zu einer stärkeren Ausdifferenzierung und Höherentwicklung geführt hat

RE: Kritik der Nachhaltigkeit | 29.10.2017 | 19:38

Wenn ich Ihren Text richtig verstehe, dann plädieren Sie dafür, erst dann über "Sustainable Living" nachzudenken, wenn die Folgen durch ressourcenintensives Wirtschaften unübersehbar und offensichtlich desaströs und auch für die Privilegierten nachteilig sind. Es dürfte Sie vielleicht erfreuen, dass kein Geringerer als Jorgen Randers genau dieses Verhalten als Basis seiner Prognose "2052" zugrunde gelegt hat (es reicht, den "illustrated summary" unter www.2052.info/presentations zu lesen, denn das Buch hat ziemlich viele Wiederholungen).

Nicht, dass das das klügste Verhalten ist, aber es ist das wahrscheinlichste. Ob das in der zweiten Hälfte des 21. Jh. zu einem Runaway des Klimawandels führt, ist unklar, weil die prognostizierte Erwärmung sich gerade im Grenzbereich des Umkippens befindet. Leider ist die Grundannahme der Prognose der schwächste Punkt: eine baldige Sättigung der Bevölkerungshöhe durch das Sinken der Fertilität als Folge der Urbanisierung. Wenn diese Annahme nicht stimmt, wachsen sich Ressourcenverbrauch und Erwärmung (allerdings vermutlich nur etwas) rascher.

Zwei Anmerkungen: 1) Für das "sechste Massensterben" gibt es klare empirische Belege (bekömmlich aufbereitete Lektüre: Elizabeth Colbert: "Das sechste Sterben", Suhrkamp 2015).2) Dass es keineswegs immer "irgendwie gut geht" zeigt das Beispiel der Osterinsel.

RE: Deutschland braucht ein Kernwaffen-Verbot! | 15.10.2017 | 20:56

Zunächst mal ist keineswegs klar, dass das "Gleichgewicht des Schreckens" tatsächlich den Umschlag in den heißen Krieg verhindert hat. Es gibt, im Gegenteil, sogar starke Hinweise darauf, dass das nur durch Zufall und unverschämtes Glück so kam: "Um Haaresbreite" (Telepolis, 11/2015, auch MSM berichteten darüber).

Ferner ist die Behauptung der USA/NATO, die nukleare "Abschreckung" würde die Sicherheit erhöhen ziemlich unverfroren. Streben doch die USA ausdrücklich die Erstschlagsfähigkeit an mit einer Kombination von Raketenabwehrschirm und zielgenaueren "modernisierten" Atomwaffen. Dazu hieß es in "Foreign Affairs" (März/April 2006, p. 52, zitiert nach J. Wagner: "NATO Aufmarsch gegen Russland" edition berolina, 2016): "Die Art von Raketenabwehr, die von den USA wahrscheinlich zum Einsatz gebracht werden wird, wäre primär in einem offensiven Kontext sinnvoll – nicht in einem defensiven – als Ergänzung einer amerikanischen Erstschlagfähigkeit, nicht als Schutzschild an sich. Wenn die Vereinigten Staaten einen Nuklearangriff gegen Russland (oder China) führten, bliebe dem angegriffenen Land nur ein kleines Arsenal übrig – wenn überhaupt. Dann wäre sogar ein relativ bescheidenes oder wenig wirksames Raketenabwehrsystem zur Verteidigung gegen Vergeltungsschläge ausreichend."

Und genau deshalb ist es im Überlebensinteresse Deutschlands, ein Kernwaffenverbot zu fordern. Dass hierzulande transatlantische Treue als wertvolleres Gut gilt, ist natülich wieder eine andere Geschichte...

RE: Keine Wahl | 22.09.2017 | 09:07

Ich möchte noch auf zwei andere Aspekte hinweisen:

1) Es ist im deutschen Wahlrecht nicht möglich, sich zu enthalten. Enthaltungen werden anteilig auf das Wahlergebnis verteilt, d.h. praktisch, dass eine Enthaltung bei den derzeitigen Stimmenverhältnissen überwiegend eine Stimme für die CDU/CSU ist. Die einzige Möglichkeit, so etwas wie eine Enthaltung zu simulieren, bestünde darin, eine Partei zu wählen, von der man nicht erwartet, dass sie die 5% Hürde überspringt.

2) Wenn Sie an einer kontrovers diskutierten "Willensbildung" interessiert sind, dann sollten Sie ein Interesse daran haben, dass die Opposition möglichst stark ist und Stimmen enthält, die vom riesengroßkoalitionären Konsens abweichen. Und dazu muss nicht jede Oppositionspartei in allen Punkten eine festgelegte Meinung haben.

Na ja, ist jetzt eh zu spät: aus der Schweiz hätten Sie ja per Briefwahl abstimmen müssen.

RE: Keine Wahl | 19.09.2017 | 07:17

Den Eindruck zu erwecken, dass schon alles gelaufen sei und dass Wahlen sowieso nichts ändern, ist Wahltaktik der CDU, die diejenigen demobilisieren möchte, die sich eine Veränderung wünschen. Wie Ihr Beitrag zeigt, ist das anscheinend erfolgreich. Ziel erreicht.

Viele der wichtigen Themen sind ausgespart

Dass die BpB so tut, als dürfe über entscheidende Fragen bei der Wahl gar nicht abgestimmt werden, heißt nicht, dass das wirklich so ist. Es gibt z.B. mit der Linken sehr wohl eine Partei, die die Verdoppelung des Militäretats ebenso wie die konfrontative Außenpolitik und den "Münchener Konsens" ablehnt. Natürlich wird sie nicht in die Regierung kommen, weil sie wegen genau dieser Punkte bei den anderen Parteien und den Qualitätsmedien als "nicht regierungsfähig" gilt. Aber: sie kann im Bundestag diese Themen einbringen und dann können sie in der öffentlichen Debatte nicht komplett ausgeblendet werden.

RE: Es geht um was! | 02.09.2017 | 19:41

Übrigens hatte "campact" dieselbe Idee und diese Themen identifiziert:

https://www.campact.de/aufbruch-2017/bundestagswahl/kompass/

Scheint sich um eine Art außerparlamentarische Hilfstruppe der Grünen zu handeln.

Wie Sie finde ich, dass z.B. die von der Bundesregierung anvisierte Verdoppelung des Rüstungsetats unbedingt in den Whalkampf gehört, aber die Wahlplakate erwecken den EIndruck, als dürften wir nicht darüber abstimmen (außer der Linken scheint die anderen Parteien das Thema nicht zu interessieren bzw. als zu wichtig zu gelten, um darüber zu diskutieren...).

RE: Chris und Diane | 16.08.2017 | 20:27

Erst dachte ich, jetzt ist der Jeschke durch eine Software ersetzt worden, aber dann sah ich ein, dass das nicht sein kann, denn schon Anfang der 90er Jahre konnten die entsprechenden Programme immerhin grammatikalisch korrekte und Rechtschreibfehlerfreie Sätze generieren.

Geben Sie mal Spaßeshalber im Emacs "Esc-x doctor" ein, um mit einer solschen Software aus den 80er Jahren zu kommunizieren.

RE: Schutz der Würde, auch auf Facebook | 03.07.2017 | 08:26

Der Begriff "Hassrede" wird zwar von den Befürwortern des Gesetzes angeführt, findet sich aber im Gesetzestext nicht (gibt es auch als juristischen Begriff nicht). Da gibt es in §1,3 eine Liste der im Sinne dieses Gesetzes als "rechtswidrig" zu verstehenden Inhalte. Darunter findet sich auch "Beleidigung", ein Tatbestand der auch von Gerichten in verschiedenen Instanzen widersprüchlich bewertet wird *).

Das Gesetz unterschiedet zwischen "offensichtlich rechtswidrig" (innerhab von 24h zu löschen) und "rechtswidrig" (innerhalb von 7 Tagen zu löschen). Wenn ein Tatbestand nicht offensichtlich rechtswidrig ist, sondern nur der Beschwerdende meint, er wäre es, dann geht der Betreiber ein erhebliches Risiko ein, wenn er nicht löscht.

Das hätte man auch anders regeln können, z.B. indem dem Beschuldigten eine Verfahren zur Rechtfertigung eingeräumt würde. Das ist nicht vorgesehen und deshalb wird dieses Gesetz weit übers Ziel hinausschießen.

*) Ein interessanter historischer Gerichtsprozess ist die Beleidigungsklage gegen ein (abgeschwächtes) Tucholski-Zitat, das nach dem NetzDG gelöscht werden müsste, weil es laut Bundesverfassungsgericht von 1995 zwar je nach Kontext eine Beleidigung sein kann, aber aufgrund derMeinungsfreiheit zulässig ist. Das Tucholsky-Zitat darf man hier wohl nicht mehr widergeben, aber ein Verweis auf Infos zum Gerichtsprozess sollte erlaubt sei.

RE: 5x Magischer Realismus | 02.07.2017 | 15:18

Ansonsten halte ich das Format für ausbaufähig. Falls das resonanztechnisch nicht ganz in die Tonne getreten wird

Bin wie Gozilla für's Fortsetzen und freue mich auf weitere kommentierte Musikempfehlungen.

RE: 1.418 Kerzen - so viele Tage wie der Krieg | 27.06.2017 | 20:05

aber warum sollte man es über den 1.september 1939 stellen?

"Darüber stellen" ist problematisch (wass soll da die Messgröße sein?), aber der Überfall auf Polen und auf die Sowjetunion waren qualitativ andere Kategorien. Der Überfall auf die Sowjetunion war nicht nur Machtkalkül sondern von vornehrein angelegt als rassenideologischer Vernichtungskrieg der u.a. auch das Verhungern eines erheblichen Teils der Bevölkerung einplante. Basis war der 1940 von Himmler in Auftrag gegebene "Generalplan Ost".

Als Lektüre empfehle ich das kleine und kürze Büchlein C. Hartmann: "Unternehmen Barbarossa", das vielfältige Aspekte der historischen Erkenntnisse darüber knapp und leicht lesbar zusammenfasst.