RE: Autos ohne Benzin und Fahrer - Konsequenzen | 24.06.2017 | 15:43

Schachspieler erkennet man ja daran, dass sie nicht "Pferd" sagen ;-)

Ein wunderschönes Beispiel mit gleich zwei vergifteten Springern ist die Partie Grünfeld - Carlos Torre (Baden-Baden, 1925). Klick Dich durch bis 11. ... Se5: und analysiere die Stellung.

Bei Springern (engl. Knight) ist die Bezeichnung "vergiftet" aber weniger üblich. Aber es gibt sogar Gambits, bei denen man statt eines Bauern einen Springer opfert, wobei sowohl das Allgaier-Gambit (im Königsgambit) als auch das Cochrane-Gambit (in der Russischen Eröffnung) nicht ausreichende Kompensation bieten, aber das wilde Muizo-Gambit nach meinem Kenntnisstand als korrekt gilt (im Sinne von: Kompensation reicht aus).

RE: Autos ohne Benzin und Fahrer - Konsequenzen | 24.06.2017 | 10:45

BayerMonsanto kaufen.

Würde ich von abraten: Monsanto scheint ein vergifteter Bauer zu sein, wenn ich mir dieses Schach-Wortspiel erlauben darf. Das zuständige US-Gericht hat sogar für Journalisten eine eigene Webseite eingerichtet, damit der Fall auch medial ausführlich behandelt wird.

RE: Prävention ist eine Allmachtsphantasie | 05.06.2017 | 14:29

Also müssen auf diesen Plattformen auch Meinungen möglich sein, die nicht ins Verlagsbild passen

Da muss man m.E. deutlich unterschieden zwischen redaktionellen Verlagsangeboten (ZON, SPON), die ein Leser auch mit den Verlagen identifiziert, und sozialen Medien (Facebook, YouTube), bei denen klar ist, dass die Nutzer die Inhalte erstellt haben und diese vertreten. Einige der Kommentatoren hier und auch der vom Artikel kommentierte Print-Artikel versuchen diese Grenze zu verwischen.

Es steht natürlich jedem frei, ein redaktionelles Angebot selbst zu erstellen (das ist mittleweile nur noch mit geringen Kosten verbunden), aber selbst wenn man das auf sehr hohem sprachlichen und inhaltlichen Niveau macht wie z.B. Uli Gellermann von der "Rationalgalerie", ist die Reichweite sehr überschaubar*). Da haben soziale Medien bereits eingebaute Mechanismen, die eine größere Reichweite zumindest theoretisch möglich machen.

Ich hatte einmal die zugegeben naive Vorstellung, dass private Internetplattformen dazu ein gewisses Gegengewicht sein könnten, indem sie Meinungen veröffentlichen, die im Rundfunk oder Fernsehen keine Chance auf Veröffentlichung haben.

Im Bereich der Massenmedien ist dies wohl sehr unwahrscheinlich, denn da gibt es Einflussfaktoren, wie sie Herman & Chomski in "Manufacturing Consent" (1988) modellhaft beschrieben und empirisch untersucht haben.

*) U. Gellermann hat bei Kommentaren eine Vorabprüfung, lässt aber auch erstaunlich gehässige Kommentare durch.

RE: Wie man sich politisch in die Tasche luegt. | 05.06.2017 | 14:05

Nur soll man in Deutschland nicht argumentieren, die SPD sei doch das "kleinere" Uebel im Vergleich zur CDU.

Ein Stück weit war die SPD sogar das größere Übel: als Oppositionspartei hätte sie heftigst gegen die Agenda-Politik protestiert. Dadurch, dass sie als Regierungspartei eine noch radikalere neoliberale Politik durchzog als sie die vorherige Regierung vertrat (der ein "Reformstau" unterstellt wurde), gab es kaum Widerstand. Ich vermute, dass solche Überlegungen mit dazu geführt haben, dass "wirschaftsnahe" Kreise Schröder damals unterstützt haben, was für den Wahlausgang wohl nicht unbedeutend war.

Einfluss haben die kleinen Parteien null.

Natürlich können sie keine Gestze verabschieden bzw. keine Gesetze verhindern. Aber sie können bestimmten Aspekten Öffentlichkeit verschaffen, die die riesengroße Koalition (CDU/SPD/FDP) verschweigen möchte.

Wenn z.B. die Linke nicht im Bundestag wäre, wer würde sich gegen Aufrüstung zu Wort melden (auch wenn darüber dann nur Nischenmedien berichten, ist es doch eine Form von Öffentlichkeit). Und ein anderes Beispiel: schon im Jahr 2013 hat der entomologische Verein Krefeld eine Studie publiziert über den Rückgang der Biomasse an Fluginsekten um ca. 75% zwischen 1989 und 2013. Aufmerksamkeit erlangte sie drei Jahre später (!) dadurch, dass sie durch den Umwetausschuss des Bundestages mediale Öffentlichkeit bekam. (Die FAZ titelte damals "Der Trend geht zur sauberen Frontscheibe" (17.04.2016). Na ja, so kann man's auch sehen...)

RE: Prävention ist eine Allmachtsphantasie | 04.06.2017 | 11:25

Dass ich in tausenden von Beiträgen in allen möglichen Foren noch nie auch nur einen einzigen Beitrag verfasst habe, der gegen die Gesetze verstoßen hätte. Und gleichwohl fielen bei SPON hunderte meiner Beiträge der Zensur zum Opfer.

Wenn hunderte Beiträge zensiert wurden und es insgesamt einige tausend Beiträge waren, dann erlaubt diese Menge vermutlich statistisch signifikante Aussagen über das Zensurverhalten bei SPON. Haben Sie die Beiträge noch? Das wäre ein großer Datenschatz und vielleicht können wir uns mal (offline) darüber unterhalten.

RE: Prävention ist eine Allmachtsphantasie | 04.06.2017 | 11:17

Es geht einfach drum, dass Facebook pleite wäre, wenn es seinen Job so machen würde, wie es z.B. alle Zeitungen machen müssen (und wie es gesetzlich vorgeschrieben ist).

Es ist schon so, dass Facebook genau das schon macht: "sich eine Armada von Kontrolleuren halten", wie die SZ hier schreibt: "Internetzensur - Wer die Blutlachen bei Facebook aussortiert".

Was Spon macht, ist nicht Zensur, nochmal zur Erinnerung. Die räumen einfach das raus, was die Persönlichkeitsrechte etc anderer verletzt.

Um diese Behauptung zu verifizieren, müsste man Zugang zu den Texten haben, die von den SPON-Kontrolleuren aussortiert werden. Ich gehe mal davon aus, dass da auch Hasskommentare bei sind, traue aber der qualifizierten Selbsteinschätzung von Balsamico, dass seine gesperrten Beiträge zu 100% legal waren.

RE: Prävention ist eine Allmachtsphantasie | 03.06.2017 | 17:14

Hm, das alles bezieht sich ja nicht nur auf Facebook, sondern ebenso auf die "Freitag-Community". Ist eine Vorzensur vom Freitag überhaupt wirtschaftlich zu stemmen, oder würde das zur Einstellung dieses Angebots führen?

Da wir fast alle Teil des Social Media-Betriebs sind, braucht es andere, neue Lösungen.

Das "Netzwerkdurchsetzungsgesetz" ist der Versuch einer solchen "neuen Lösung" nach dem Vorbild des DMCA. Die Idee ist, dass die Nutzer sich gegenseitig beim Betreiber melden, wenn Inhalte missfallen, und wenn der Inhalt "offensichtlich rechtswidrig" ist, muss er innerhalb von 24h gelöscht werden, wenn er nicht offenischtlich rechtswidrig ist, innerhalb von 7 Tagen. Die Auswirkungen dieser "Lösung" kann sich jeder selbst ausmalen und die wird vermutlich auch genau so beabsichtigt sien.

RE: Im Rubikon sammelt sich die kritische Masse | 22.04.2017 | 15:01

"Gegenöffentlichkeit" ist vielleicht etwas hochgegriffen, denn ein Massenmedium wird's wohl nicht werden (dazu fehlt eine finanzstarke Marketingmaschinerie im Hintergrund).

Trotzdem sind solche Plattformen sehr wichtig, weil bestimmte Positionen, die einem parteiübergreifenden Konsens widersprechen, in den Konzernmedien weitgehend ausgeblendet werden. Sogar das bloße Widersprechen gegenüber dem von der Regierung verbreiteten "Narrativ" (im Sinne einer einseitigen Interpretation von Vorgängen) kann schon zu einer Ächtungskampagne führen, wie es derzeit bzgl. Michael Lüders passiert.

Da muss es Portale geben, die überhaupt noch Interviews mit solchen "Unberührbaren" führen.

RE: Evangelische Militärseelsorge | 18.04.2017 | 20:41

Ist in diesem Thread etwas off-topic (wenn auch nicht ganz), aber ich antworte mal hier, um im anderen Thread keinen weiteren Stein des Anstoßes zu bieten (bei missfallen, bitte einklappen).

Ich denke der Anspruch der sich dieser Nomination zugehörig fühlenden Christen darf ihrer Kirche gegenüber heute durchaus größer sein, denn in einer Welt, in der die Lebensbedingungen die Menschen krank macht, die Umwelt zerstört wird und Millionen Menschen auf der Flucht sind, weil es den gegenwärtigen Mächten in den Kram passt (globale Vorgänge), dann kann und sollte der Papst aus seiner Verantwortung heraus zur Feder greifen und deutliche Worte sprechen.

Ja, das sehe ich auch so, und der Papst tat es ja in "Laudato Si" auch recht deutlich. Und die Befreiungstheologie in Lateinamerika ging da noch viel weiter mit ihrer "Option für die Armen", die wiederum das heftige Missfallen des europäischen Papstes Johannes-Paul II erregte.

Eine Kirche (anders als eine "Sekte") versteht sich allerdings nicht als Wahlgemeinschaft Auserwählter, sondern man gehört ihr qua Geburt an. Und die Mehrheit in der katholischen Kirche ist recht konservativ gerade im Hinblick auf die Bewahrung von Strukturen (Militär, Wirtschaftsweise), die vom urchristlichen Standpunkt gesehen problematisch sind.

In D kommt die in diesem Thread diskutierte Staatsnähe hinzu, was die Kritik an fundamentalen Widersprüchen nicht gerade erleichtert. Und dabei würde ich die Gefahr nicht unterschätzen, dass eine "Politisierung der Religion" in eine bedenkliche Richtung gehen kann, wie man sie m.E. in den USA sieht, wo auf dem Geld steht "In God we trust", Politiker öffentlich beten und die Republikaner im Bible Belt darüber diskutieren, welcher ihrer Kandidaten der von Gott Gesandte ist (habe ich in einem Forum gelesen, kann ich jetzt leider keine Quelle zu benennen).

RE: Der Ungläubige | 18.04.2017 | 16:58

Was geht in einem Menschen vor...

Weil ich von Flame-Wars nichts halte (die ohnehin in der Regel nur aus Missverständnissen entstehen), möchte ich sachlich darauf antworten.

Die katholische Sexualmoral kann man m.E. sehr wohl als restriktiv (also: "beschränkend") bezeichnen, zumindest im Vergleich zu sonst hierzulande üblichen Vorstellungen. Und das Zölibat der Priester und Ordensleute würde ich deshalb auch als eine "Selbstbeschränkung" bezeichnen. Dem Wort "mittelalterlich" würde ich im Zusammenhan mit "Moral" oder "Vorstellungen" unterstellen, anders gemeint zu sein als in Kombination mit "Skulptur": im ersten Fall nämlich als rückständig und tendenziell abwertend, im zweiten Fall historisch-kulturgeschichtlich und neutral.

Trotzdem halte ich "mittelalterlich" oder "modern" für eine völlig ungeeignete Bewertungskategorien in diesem Zusammenhang. Klar, das kann man auch anders sehen...

Halten Sie Religion und Politik für einen Gegensatz?

Natürlich kann Religion starken Einfluss auf politisches Handeln haben. Ein extremes Beispiel sind vielleicht die "ernsten Bibelforscher", die gerade nicht politisch sein wollten, aber mit ihrer konsequenten Ablehnung des Tötens es trotzdem waren und im dritten Reich sich (meines Wissens als einzige Religionsgemeinschaft) dem Wehrdienst verweigerten.

Aber das ergibt sich (aus Sicht des Papstes ebenso wie aus Sicht der "ernsten Bibelforscher") nicht aus politischen Überlegungen und Bewertungen.

Um aber einem persönlich werdenden Flame-War vorzubeugen, klinke ich mich jetzt sicherheitshalber aus dieser Diskussion aus...