Flugverbotszone

Eine Glosse. Nimmt die Wortwahl unserer Wehrkraftverstärker aufs Korn.
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(Gesungene Fassung: https://www.youtube.com/watch?v=OdPYO834_90)

Es gibt Dinge, die man besser nur auf Englisch sagt. "No Fly Area" zum Beispiel. Das ist klar und deutlich: eine Gegend wo nichts fliegt. Dass da doch was fliegt, das ist ja grad das Originelle. Und dann auch noch Bomberstaffeln ausgerechnet derer, die die "No Fly Area" verordnet haben. Merkt man dem Begriff aber nicht an. Und so muss das sein: das ist gutes Marketing. Was man von dem deutschen Wort nun leider nicht behaupten kann: "Flugverbotszone". Ja fällt denn den politischen Experten zum Militärmarketing nichts Bessres ein? Die Wortwahl muss das Volk doch überzeugen und für die Wehrkraft stärkend sein!

Schon das Wort "Verbot", das klingt so negativ und drangsalierend. Und es lädt zu Fragen ein, die man gar nicht hören will: Wer verhängt es? Für wen gilt es? Und was ist mit Feiertagen? Und dann das Wort "Zone", das in Deutschland viel zu vorbelastet ist. Dem kann ein deutscher Diplomat doch niemals zustimmen, auch wenn diese Zone im nicht ganz so nahen Osten liegt. Ja fällt den hoch vergüteten Experten für Militärmarketing nichts Bessres ein? Die Terminologie muss überzeugen und für die Wehrkraft stärkend sein!

Muss man denn hier alles selber machen? Wie wäre es mit "flugfreie Gegend"? Klingt ein bisschen so wie "autofreier Sonntag". Kann man doch die Grünen sicher auch mit überzeugen. Gut, die muss man nicht mehr überzeugen, denn die sind ja lange schon "regierungsfähig". Vielleicht sollte man den Freiheitsaspekt mehr betonen. Geht ja immer irgendwie um Freiheit, also unsre Freiheit zum Geschäftemachen. "Freier Flug für freien Handel" oder so. Ok, da muss man noch dran feilen, aber dafür haben wir ja hoch vergütete Experten.

Und die sind doch sonst nicht auf den Mund gefallen: Hieß das früher "Russlandfeldzug", heißt es heute "Auslandseinsatz", so als ging es auf Montage. Klingt doch mehr nach Brunnen bohren als nach Partisanenkrieg. Oder auch sehr schön: "Verantwortung übernehmen". Auch wenn das ein bisschen sperrig ist, so ist es trotzdem sehr gelungen: zeigt es doch den unverbesserlichen Pazifisten, dass sie nichts als Drückeberger sind. Und das kling so überzeugend aus dem Mund des Bundespfarrers. Um die Schäflein zu vergauckeln braucht es eben schöne Worte. Schöner jedenfalls als "Flugverbotszone"!

Im Jahr 2011 hat der UNO-Sicherheitsrat auf Initiative der französischen Regierung eine "Flugverbotszone" über Libyen verhängt, in der dann die französische, britische und amerikanische Luftwaffe die libyschen Regierungstruppen bombardiert und den libyschen Bürgerkrieg entschieden haben [1]. Die deutsche Regierung hatte sich bei der Abstimmung im Sicherheitsrat aus verschiedenen Gründen enthalten [2].

[1] dpa, Reuters, AFP: "Flugverbotszone über Libyen: Kampfjets fliegen Angriffe auf Gadhafi Truppen." Zeit Online, 19. März 2011

[2] U. Cremer: "Komplexes Gemisch: Die westlichen Mächte und der Libyenkrieg." Wissenschaft & Frieden 4/11, pp. 19-22, 2011

20:21 04.10.2014
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