Musikwettbewerb will für Frieden werben

Interview. In diesem Jahr veranstaltet der DFG-VK Bonn Rhein Sieg den zweiten „Friedenssongwettbewerb“. Darüber sprach ich mit dem Organisator, Dieter Riebe.
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Frage: Wie seid Ihr darauf gekommen, einen Friedenssongwettbewerb zu veranstalten?

Dieter Riebe: Wir wollten aktiv Friedens- und Antikriegslieder fördern, auch als Gegenmaßnahme zu der im Internet verbreiteten Rechts- und Hassmusik. Dazu haben wir 2009 die Webseite “Musik für Frieden und Gerechtigkeit“ erstellt, die eine Präsentations-Plattform für Friedenslieder sein sollte. Naiv glaubten wir, dass viele Nutzer auf dieser Seite interessante Lieder einstellen, aber die Resonanz war nicht so groß. So suchten wir nach einer Möglichkeit, Musiker zu Beiträgen anzuregen und die Seite zu bewerben. Den letzten Anstoß gab ein Musikwettbewerb der Bundeswehr für Jugendliche. Da wollten wir ein Gegengewicht bilden und so kam es 2012 zum ersten Friedenssongwettbewerb.

Wieso verwendet Ihr das deutsch-englische Zwitterwort „Friedenssong“?

Dieter Riebe: Einige von uns meinten, wir sollten nur deutsche Texte akzeptieren. Aber dann hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass Englisch als Weltsprache auch in der deutschen populären Musik die verbreitetste Sprache ist. Und so macht das Wort „Friedenssong“ deutlich, dass auch englische Beiträge willkommen sind.

Was ist das Resultat des Wettbewerbs und wie werden die Preisträger ermittelt?

Dieter Riebe: Das wichtigste Resultat ist natürlich, dass gute Musikstücke entstehen. Beim ersten Wettbewerb 2012 sind etwa die Hälfte der Lieder aus Anlass des Wettbewerbs entstanden. Als Abschluss des Wettbewerbs wird es ein öffentliches Konzert mit Preisverleihung geben und eine CD mit 15 Liedern wird produziert. Die Preisträger werden durch eine externe Jury ausgewählt, für die wir Persönlichkeiten aus der Kulturbranche gewinnen konnten, wie z.B. Joy Fleming, Stephan Trepte, Gisela Steineckert und andere.

Wie stemmt Ihr den finanziellen und organisatorischen Aufwand?

Dieter Riebe: Nicht nur die Preisgelder von 5.300 Euro, sondern auch die Werbung verursacht erhebliche Kosten. Beispielsweise haben wir Briefe an über 1.800 Musikschulen und Schulen mit Schwerpunkt Musik verschickt. Dazu betrugen die Kosten alleine für das Porto über 1.000 Euro. Zusätzlich müssen natürlich auch noch Plakate und Flyer etc. gedruckt werden. Das finanzieren wir über unsere Mitgliedsbeiträge, private Spenden und weitere Sponsoren. Auch die CD, die wir bei Veranstaltungen oder über unsere Webseite verkaufen, trägt dazu bei. Beim ersten Wettbewerb 2012 haben wir das noch zu zweit organisiert. Jetzt konnten wir das auf vier Köpfe verteilen.

Welche Lehren habt Ihr aus dem ersten Wettbewerb 2012 gezogen?

Dieter Riebe: Damals war das Abschlusskonzert in einer Schule mit freiem Eintritt, aber der Zulauf war mäßig. Da erhoffen wir uns vom etablierten Konzertsaal „Harmonie Bonn“ und professioneller Vermarktung mehr Besucher. Auch den Aufwand für die Jury wollen wir begrenzen, indem wir eine Vorauswahl treffen. 2012 hatten wir 30 Beiträge, eine Zahl, die wir schon jetzt übertroffen haben. Doch werden die meisten Einreichungen erfahrungsgemäß im letzten Monat kommen, und das ist erst im Mai.

Welche externen Unterstützer habt Ihr?

Dieter Riebe: Die Jurymitglieder machen das aus Überzeugung ehrenamtlich und als Schirmherr hat Konstantin Wecker, als unser Wunschkanditat, auf unsere Anfrage gleich zugesagt. Finanziell wird der Deutsche Friedenssong-Wettbewerb 2015 hauptsächlich von den Mitgliedsbeiträgen der DFG-VK bestritten, der Hauptanteil der Kosten trägt unsere Gruppe Bonn-Rhein-Sieg, aber auch die DFG-VK Zentrale und die DFG-VK Köln beteiligen sich. Zusätzlich beteiligt sich die Gewerkschaft Ver.di Bezirk-NRW-Süd, der Landesmusikrat NRW und viele private Sponsoren an der Finanzierung.

Warum dürfen Teilnehmer nicht in der GEMA sein?

Dieter Riebe: Dafür gibt es einen ideellen und einen materiellen Grund. Zum einen wünschen wir uns Friedenslieder, die frei in der Öffentlichkeit gesungen und über Medien verbreitet werden dürfen. Zum anderen betragen die GEMA Gebühren über 100 Euro pro Lied und Jahr, was für eine Webseite mit vielen Liedern für uns nicht finanzierbar wäre. Das schließt übrigens nicht aus, dass Sänger in der GEMA sind, nur Text und Musik müssen GEMA-frei sein. Von dieser notwendigen Einschränkung abgesehen, kann aber jeder mitmachen.

17:02 13.04.2015
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