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Sozial. Sicher. Standhaft. Je nach innen und außen. Und relativ konservativ. :)
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RE: Gustav Schmoller: Verein für Socialpolitik | 31.07.2020 | 20:04

Ich hatte jetzt auch noch mal etwas Zeit gehabt nochmal genauer nachzulesen, wie sich die beiden Autoren Walter Eucken, in seinem Buch "Grundsätze der Wirtschaftspolitik" und Alfred Müller-Armack in seinem Buch "Wirtschaftlenkung und Marktwirtschaft" im Detail zum Außenhandel geäußert haben.

Unterstützend hatte ich mir auch diese Woche noch das Buch "Von Freiheit und Freihandel" von Lüder Gerken gekauft und nach Feierabend schon mal angelesen.

Herr Gerken schrieb 1999, dass der Ordoliberalismus sowohl in der "Original" Version von Herrn Eucken und Co. als auch in der "weiterentwickelten" Version von Herrn Hayek, [die "reicher Mann meets armer Mann" (James M. Buchanan "The Limits of Liberty" Abschnitt "Beyond Pragmatism" S.225) Version des Ordoliberalismus

von den Herren Buchanan/Vanberg kam ja erst später], eher eine national- ökonomische Theorie gewesen sei und das Thema Außenhandel eher nur kurz behandelt wurde ("Von Freiheit und Freihandel" Einleitung - Seite 2).

Außerdem schreibt Herr Gerken in diesem Buch, dass die neoklassische Außenhandelstheorie von der in der Realität zumindest selten anzutreffenden Modellannahme ausginge, dass Zitat (Seite 15) "auf sämtlichen Gütermärkten ... [und] auf sämtlichen Faktormärkten in sämtlichen Ländern ... vollkommene Konkurrenz [herrsche]. Dies [impliziere], dass alle Faktoren stets vollbeschäftigt [seien]". Unter diesen Bedingungen gebe es dann ein "weltweites" Wohlfahrtsopimum bei optimaler Ausnutzung des komparativen Vorteils. Protektionistische Maßnahmen würden daher immer zu einem Wohlfahrtsverlust auch der ausführenden Nation führen. Auf Seite 29 schreibt Herr Gerken dann aber selbst, dass diese Bedingungen "... in der Realität regelmäßig nicht gegeben sind.".

Herr Walter Eucken schrieb in seinem erwähnten Buch tatsächlich nicht sonderlich viel zum Thema Außenhandel. Aber das wenige ist recht deutlich, "III. Das Problem der internationalen Ordnung" Seite 167ff, hier schreibt Herr Eucken, dass sich ein Gleichgewicht im Außenhandel automatisch einstellen würde, wenn man die Lenkung dem Preismechanismus überlässt. Also so falsch war meine für den obigen Beitrag auf die schnelle angezapfte Erinnerung an die Darstellung im Buch dann doch nicht. Herr Eucken wollte im Außenhandel also schon auf einen Automatismus vertrauen. In diesem Falle auf die automatischen Wechselkursanpassungen, bei auf dem Goldstandard basierenden getrennten Währungen.

Freilich schriebt er nicht, ob solch ein Gleichgewicht, wenn es denn auftreten würde, ein für alle akzeptables oder gar nur tolerierbares Ergebnis schaffen würde. Und ob nicht einige Staaten dann z. B. ihren Grundimportbedarf nicht mehr decken könnten oder nach Einführung des "Freihandels" schlechter dastehen würden als vorher.

Herr Müller-Armack schreibt wiederum in seinem erwähnten Buch, z. B. auf der Seite 142 im Abschnitt "12. Außenhandelspolitik", "Die Argumente vom komparativen Kostenvorteil, mit dem die klassische Freihandelstheorie solche Befürchtungen widerlegte, erwiesen sich hier als überlegen". Dies war aber nur auf die befürchtete komplette Chancenlosigkeit von Staaten mit einem wirtschaftstechnischen "Aufholbedürfnis" im Außenhandel mit in diesem Punkt weiterentwickelten Nationen gedacht und nicht komplett allgemein formuliert wie ich es auf die schnelle aus meiner Erinnerung heraus wiedergegeben hatte.

Im weiteren schreibt der, wohl nicht unbedingt als direkt ordoliberal zu bezeichnende, Herr Müller- Armack dann in diesem Abschitt auch, dass die Schutzzollpolitik Bismarcks, Ende des 19. Jahrhunderts und die "Erziehungszoll" Vorschläge von Friedrich List zumindest dem Weltmarkt keinen Schaden zugefügt hätten. Er grenzt also einzelne protektionistische Maßnahmen von Protektionismus ab. Ebenso schreibt er, dass eine sich der Richtung des Markts nicht komplett entgegenstemmende sondern abfedernd wirkende aktive Wirtschaftspolitik durchaus angebracht sein könnte. "Feste Wechselkurse", wie bei Bretton Woods lehnt er aber ab.

Und er geht von getrennten nationalen Währungen aus. Am Ende seines Buches schreibt Herr Müller- Armack, dass er eine "gesteuerten Marktwirtschaft", ohne auf Details einzugehen, als sein Idealkonstrukt ansehen würde.

RE: Gustav Schmoller: Verein für Socialpolitik | 27.07.2020 | 18:55

Oh, bezogen auf meine Äußerungen über den Ordoliberalismus muss ich mich tatsächlich korrigieren. Da liegt es schon 4 Jahre zurück, dass ich die beiden Bücher gelesen habe. Da hätte ich mir tatsächlich besser mal einen Zettelkasten angelegt. :) Ich habe die beiden Bücher gerade nochmal überflogen. So begeistert vom internationalen Freihandel waren die beiden Authoren dann doch nicht, wie ich mittlerweile gedacht hatte. Danke für den Hinweis. Ich lösche den Teil aus meinem Beitrag raus.

RE: Gustav Schmoller: Verein für Socialpolitik | 26.07.2020 | 10:48

Wieso wirr? Ich war bei meiner Recherche über die Lehre von Gustav von Smoller, immerhin einer der Gründer des Vereins für Socialpolitik, auf Aussagen von ihm gestoßen, die deutlich machen, dass er der reinen "Freimarkt- Ideologie", wie sie zum Beispiel von den Manchesterliberalen vertreten wurde, kritisch bis ablehend gegenüberstand. Und auf eines dieser Zitate wollte ich öffentlich aufmerksam machen. Immerhin muss man das erst mal finden und dann auch noch ein "altdeutsches" digitalisiertes Buch lesen. Die Arbeit wollte ich anderen an der Thematik Interessierten ersparen. Und wer mehr über die Historische Schule der Nationalökonomie und den anderen Personen und Lehren die ich angesprochen habe wissen will, kann das ja einfach anderswo, z. B. bei Wikipedia, schon schön aufbereitet, nachlesen. Sogar in Hochdeutsch. :) Also ich fand das Zitat einen, zugegebender Maßen schnell runtergeschriebenen Beitrag wert. Aber das können Sie natürlich gerne anders sehen. Die Freitag Community ermöglichst eben jedem, innerhalb gewisser Grenzen hoffentlich, selbst individuell zu entscheiden welche Beiträge er für angemessen hält und welche er in Ausübung der Presse- und Meinungsfreiheit veröffentlichen will. Und auch in welcher Form und in welchem Maße an Ausarbeitung. Das gilt aber natürlich auch für Kommentare, da soll auch jeder selbst entscheiden, wiederrum in gewissen Grenzen, selbst entscheiden, was er schreiben möchte. So wie Sie das getan haben. Diskurs ist eben wichtig. Und ich finde es besser man schreibt und veröffentlicht auch mal etwas auf die Schnelle, mit dem man nicht mehr warten möchte, anstatt das es einfach ungesagt bleibt. Und dieses Zitat von Herrn Schmoller hat glaube ich sonst, zumindest in letzter Zeit, keiner veröffentlicht, obwohl es, meiner Meinung nach inhaltlich sehr wichtig ist.Für inhaltliche Nachfragen ihrerseits, stehe ich Ihnen übrigens gerne, soweit es meine Zeit zulässt, zur Verfügung.

RE: Traut euch! | 02.07.2020 | 18:37

Unter Neoliberalismus wird man wohl meist die Hyperglobalisierung verstehen. Die lässt Staaten und ihren Wählern wenig Raum "ihr" Wirtschaftssystem "frei" zu wählen. Systeme wirtschaftlicher Freiheit lassen den einzelnen Staaten und der Mehrheit der Individiuen eben nur wenig Gestaltungsfreiheiten vor allem nicht im sozialen Bereich. Wenn man aus dieser Hyperglobalsierung raus möchte, braucht man Verbündete die dies auch wollen. Also einen Verbund von Staaten und nicht- staatlichen Organisationen die nicht nur gegeneinander um möglichst große Anteile am Weltmarkt konkurrieren wollen, und sich dabei in Bezug auf die Höhe der Löhne, vor allem der unteren 40%, die nationale Wohlfahrt und die Nachhaltigkeit immer weiter unterbieten. Sondern, die einen aktiven zwischenstaatlichen Ausgleich, wirtschaftlicher oder finanzieller Art, eine Priorisierung der Wirtschaftstätigkeit hin zur Grundversorgung und hinreichende staatliche Regulierung anstreben. Und solch ein Staatenbund muss dann über genügen bzw. den fairen Anteil an Ressourcen verfügen, damit man nicht von anderen Staaten oder Akteuren abhängig ist, welche nicht teilen und beitragen wollen. Und er sollte auch in der Lage sein sich verteidigen zu können. Und er sollte andere Staaten die nicht Mitglied sind dabei unterstützen, entweder Teil dieses Bundes werden zu können, solange sie ihren angemessenen Beitrag leisten, und nur so lange. Oder er sollte den anderen dabei Helfen einen vergleichbaren Verbund von sozialen, sicheren und standhaften Staaten aufzubauen. Das heißt dann mittel, bis langfristig aber auch, dass man sich als Einzelstaat mit seinem fairen Anteil an den Ressourcen begnügen muss. Dass man seinen Beitrag im Sozialen, Sicheren und Nachhaltigen leisten muss. Also keine Leistungsbilanzüberschüsse anhäufen, sich nicht auf Kosten anderer sanieren, einen angemessenen Beitrag zur gemeinsamen Sicherheit und zur Nachhaltigkeit leisten und zumindest, solange man seinen Grundbedarf decken kann, hin zu anderen umverteilen, die das (aktuell) nicht können. Staaten die diesen Beitrag nicht leisten, obwohl sie es könnten sollte man aus dem gemeinsamen Verbund rausschmeißen und den Handel mit ihnen aktiv hinreichend ausgleichen. Sonst kann man die globale Hyperglobalisierung nie überwinden. Denn die beruht auf dem reinen streben nach einfach nur MEHR ohne zu teilen. Also wenn wir als Deutsche die Hyperglobaliserung/den Neoliberalismus überwinden wollen müssen wir erst mal eine Regierung wählen, die aufhört sich blind "neoliberal", wirtschaftslibertär nach außen zu verhalten und statt dessen solch ein Bündnis anstrebt. Und wenn es zur Zeit keine solche hinreichend "sozialdemokratische" Partei gibt muss man diese eben gründen. Aber vielleicht geht in der SPD ja diebezüglich noch was. Und es gibt dort nicht zu viele Mehrschweinschen, Leichtgläubige, Desinteressierte oder Maulwürfe. Man wird sehen. Aber nicht zulange darauf warten. Ach ja, und soziale Konservative und soziale Progressive müssen zusammen arbeiten. Nur so kommen wir aus der Hyperglobaliserung raus.Wobei die Unterstützung einer Weltmacht dabei recht hilfreich wäre. :)

RE: Vergesst Rot-Rot-Grün | 11.06.2020 | 10:54

Für Deutschland, die EU und den Rest der Welt, wäre es sehr wichtig, wenn die die nächste deutsche Regierung (wieder) "echt" nachhaltig sozial demokratisch handeln würde. Und sozial, in seiner unbegrenzten Form im Gegensatz zum Beispiel zu "national- sozial", heißt nun einmal "nach innen und außen". Dazu braucht man einen außenwirtschaftlichen Werte- gebundenen Gestaltungswillen, welcher zum Ziel eine internationale Ordnung hat, die nicht mehr wie zumindest seit Anfang bis Mitte der 70er Jahren des letzten Jahrhunderts nur auf einem Marktfundamentalistischen freien Wettbewerb innerhalb eines gemeinsamen freien Marktes beruht, sondern den gemeinsamen Markt in eine lebensdienliche, um mal Peter Ulrich (St. Gallen) zu zitieren, normativ demokratisch legitimierte Ordnung einbettet, welche u.a. einen priorisierenden Ausgleich, wirtschaftlicher und/oder finanzieller Art und soziale, ökologische und sicherheitspolitische Regulationen der Markttätigkeit vorsieht. Denn auch Staaten wie Deutschland mit aktuell guten Produktionsbedingungen und auch gut gelegenen Produktionsstandorten, sind mit einer nur "national"- sozial ausgerichteten Außenwirtschaftspolitik spätestens auf mittlerer Sicht nur ein Spielball der internationalen Marktkräfte und zum Anpassen an die Hyperglobaliserung (Dani Rodrik - Harvard) gezwungen. Diese Erkenntnis sollte die Basis für eine gemeinsame RRG- Regierungsarbeit auf Bundesebene darstellen. Diesen Kurs müssten diese drei Parteien einschlagen [oder man bräuchte dafür eine neue Partei.] Und die Mehrheit der Bevölkerung müsste dann ebenfalls davon überzeugt werden, damit eine Mehrheit zu solch einer Politik entstehen kann. Um solch ein Mehrheit muss man kämpfen und nicht bereits über ein Jahr vorher alle Hoffnung darauf zu Grabe tragen.Bei einem RRG- Bündnis ist aber auch immer wichtig zu betonen, dass dabei die Sicherheit und die internationalen Werte- gebundenen verteidigungspolitischen Verpflichtungen nicht zu kurz kommen dürfen. Sozial und Sicher darf kein Gegensatz sein. Sozial nach außen, beinhaltet eben auch die Notwendigkeit für die hinreichende eigne und Werte-Bündnisgetragene militärische Stärke und den Werte- gebundenen militärischen Beistand für andere. Unter angemessener Berücksichtigung der Gefahren für sich selbst. Man sollte es sich da auch nicht zu einfach machen und "Unrecht- Regime" schön und internationale Konflikte und Gefahren klein reden. Aber natürlich ist es besonders inakzeptabel, wenn man Staaten, welche durch internationale Interventionen, aus welcher Intention heraus auch immer, von einer Unrechtregime "befreit wurden", dann einfach den Kräften des Marktfundamentalismus preisgegeben werden. Nach dem Motto: Der Markt wird's schon richten.Fazit: Es gilt nun um eine Mehrheit für eine soziale, sichere, nachhaltige und standhafte -im Sinne von international Werte- gebunden bestehen können -; je nach innen und außen- Politik zu kämpfen, anstatt direkt schon ein Jahr vorher auszugeben und sich nur an Schwarz- Grün als letzten, vielleicht nicht ganz so "schlimmen", Strohhalm festzuhalten zu versuchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies dann aber in einer "neoliberalen", nach der Definition von Peter Ulrich, + "marktkonformer" Umweltschutz Regierungspolitik enden würde ist wohl, auch zurückhaltend formuliert, zumindest kaum von der Hand zu weisen.

RE: Biden oder Trump? Nothing will change | 10.04.2020 | 18:20

Wenn die sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien ihre neue Allianz nur noch "Progressiv" anstatt zumindest "sozial progressiv" oder "solidarisch progressiv" nennen, müssen sie sich hinterher auch nicht wundern, wenn der hinreichende soziale Fortschritt dort nicht mehr das angestrebte Ziel ist sondern höchstens noch einige notwendige soziale Fortschritte und am besten nur das was sich gut mit dem wirtschaftlich libertären Fortschritt verträgt oder gar nützlich ist. Und prüfen, dass es keinen unsozialen oder unsoldarischen Fortschritt gibt und dass man es mit dem sozialen Fortschritt bezogen auf die Sicherheit vor allem in Bezug auf die Geschwindigkeit nicht übertreibt prüft dann auch keiner mehr. Denn wir Konservativen sind ja die bösen. Alle marktradikal , zu national gesinnt, zu militärisch. Hauptsache der aktuelle Zustand bleibt gleich egal welcher. Werte zählen für uns ja nicht. Prüfen ist ja eh schlecht denn ihr sozial Progressiven seit ja auf dem "Mehr Mut"- narrativen Pfad. Hauptsache Fortschritt, ohne zu schauen wem man dabei eigentlich nach läuft ist nicht gut. Wir sozial Konservativen und sozial Progressiven müssen wieder mehr zusammenarbeiten. Das Problem sind zu "Zu"s. Und die unsozialen. Vor allem die "Zu"s dort.Und bezogen auf die Frage: Trump oder Biden ist eben auch das Team ausschlaggebend: Team Trump/Pence oder Team Biden/? ? Welches ist weniger weit weg vom hinreichend sozialen und sicheren und standhaften. Vielleicht schafft Biden ja noch rechtzeitig den persönlichen clever sozialen Durchbruch hin zu einem: #NoToFree bezogen auf den Weltmarkt aber auch auf anderes.