Kommentare von Kultur_Blog_

Kultur_Blog_ 21.02.2017 | 13:19

In diese Themenreihe passt noch ein Film aus der Perspektive Deutsches Kino: "Die beste aller Welten"

Ich habe den Film noch nicht gesehen, aber bei Ihrem Festivalbericht musste ich an diese Programmheft-Beschreibung denken:

"Der siebenjährige Adrian wächst in Salzburg auf. Seine junge Mutter Helga und ihr Freund sind heroinabhängig, der leibliche Vater starb bereits vor seiner Geburt. Helga liebt ihren Sohn über alles. Sie ist zerrissen zwischen ihrem Vorsatz, die bestmögliche Mutter für ihren Sohn zu sein, und dem Zwang, ihrer inneren Leere mit Drogenkonsum zu begegnen. In dieser Welt ist Existenznot der Normalzustand. Das wenige zur Verfügung stehende Geld wird für Heroin ausgeben, und obwohl Adrians Mutter immer wieder versucht, von den Drogen loszukommen, verliert sie den Kampf regelmäßig. Für den kleinen Adrian ist auch das alles Alltag. Seine Welt ist voller Abenteuer und Erlebnisse, er genießt eine glückliche Kindheit. Dass dieses Glück kein harmloses Idyll ist, versteht sich von selbst. Als Helga sich der Sucht stellt und eine Entziehungskur macht, bedeutet das auch, dass sie das Sorgerecht für ihren Sohn, zumindest vorläufig, an das Jugendamt abtritt. Eine große Liebe vor einer noch viel größeren Prüfung."

Kultur_Blog_ 14.01.2017 | 11:55

„La La Land“ ist der perfekte Film, um knapp zwei Stunden vor der düsteren Weltlage zu fliehen. Wer zwischen Trumps Eskapaden und Terrormeldungen Balsam für die strapazierte Seele sucht, ist beim neuen Film von Damien Chazelle richtig. Dass der Film so perfekt in die Zeit passt, war wohl auch der Grund dafür, dass er in der Nacht zum Montag mit einem neuen Rekord von gleich 7 Golden Globes überhäuft wurde.

Die Handlung von „La La Land“ ist eine recht seichte Romanze, die sich dementsprechend zäh dahinschleppt. Der Klassiker „Boy meets Girl“ wird mal wieder variiert. An das Vorgängerwerk „Whiplash“ reicht „La La Land“ nicht heran, in einer kurzen Nebenrolle darf J.K. Simmons an seinen damaligen Auftritt als sadistischer Schlagzeug-Lehrer erinnern. Ansonsten bleibt von dem Film außer der süßlich-sentimentalen Dauerschleife vor allem die gut choreographierte Eröffnungssequenz aus dem morgendlichen Berufsverkehr-Stau von L.A. in Erinnerung, auch wenn die Begeisterung der FAZ etwas übertrieben ist, die von einer „grandiosen, überbordenden Musicalnummer“ schwärmte.

Einige Rezensenten fanden den Film „herzzerreißend“ (wie Susanne Ostwald in der NZZ), ich stimme Daniel Kothenschultes Kritik in der Frankfurter Rundschau zu, der die „Vinylplatten-Retro-Sentimentalität“ und seine Rückwärtsgewandtheit bemängelte.

Komplette Kritik ist hier zu lesen

Kultur_Blog_ 04.10.2016 | 01:52

"Das Spiel beginnt!“ rufen die beiden Mädchen Emilia Nietiedt (im Programmheft als „DAS LEBENSLICHT“ aufgeführt) und Lotta Rosa Hegenscheidt („DER SCHUTZENGEL“) in regelmäßigen Abständen.

Ach wenn es doch nur tatsächlich beginnen würde! Stattdessen schleppt sich der Abend 90 Minuten lang dahin. Für Achim Freyers „Abschlussball – Ein Lamento in Bildern“ haben sich viele bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler zu einer langen Trauerprozession aus Toten und Halbtoten versammelt.

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Kultur_Blog_ 30.09.2016 | 11:41

Im Gegensatz zu ihren beiden männlichen Regie-Kollegen Matthias Hartmann (Kritik zur Uraufführung am Wiener Burgtheater) und Jan Philipp Gloger (Kritik zur deutschsprachigen Erstaufführung am Badischen Staatstheater Karlsruhe) fokussiert sich Katie Mitchell ganz auf den feministischen Kern von Elfriede Jelineks „Schatten (Eurydike sagt)“.

In ihrer auf nur 75 Minuten gekürzten Fassung hat sie die vielen assoziativen Verästelungen des Jelinek-Texts gekappt. Von Mitchell wurde Jelinek außerdem zwei ihrer Markenzeichen beraubt: der Abend an der Schaubühne verzichtet erstens auf ihre langen Wut-Tiraden, stattdessen spricht Stephanie Eidt den Text der Eurydike als langen inneren Monolog. Sie sitzt am Bühnenrand in einer abgeschlossenen Kabine, wie sie sonst Dolmetscherinnen oder Synchronsprecher nutzen, und trägt ihn mit dem sanften Parlando vor, mit dem sie zuletzt auch die „Borgen“-Hauptfigur Birgitta Nyborg verkörperte. Als ihr Alter Ego agiert Jule Böwe auf der Bühne über weite Strecken fast wortlos und zum Objekt degradiert, erst gegen Ende findet sie eine eigene Sprache.

Die zweite ungewöhnliche Setzung des Abends ist, dass Mitchell auf den bissigen Humor von Jelinek verzichtet, mit dem die österreichische Literaturnobelpreisträgerin die Casting-Shows, das Schönheitsdiktat der Modebranche und die Popkultur aufs Korn nimmt. Hartmann und Gloger nutzten diese Nebenstränge für lustige Kabarett-Einlagen und interessante Tempi-Wechsel.

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Kultur_Blog_ 30.09.2016 | 11:26

Dem Film ist zugute zu halten, dass er nah an der Wahrheit bleibt, wie ein Faktencheck von SPON ergab. Der Plot wird jedoch leider so schleppend erzählt, dass er gerade bei einem Mainstream-Publikum nicht gut ankommen dürfte. Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt spielt Edward Snowden zwar täuschend echt, bleibt aber insgesamt erstaunlich blass.

Highlights des Films sind ein paar Aha-Momente, in denen der Whistleblower nach und nach merkt, wie gravierend das Ausmaß der Überwachung ist, so z.B. als ihm ein Kollege (glänzend gespielt von Ben Schnetzer) vorführt, wie leicht unsere Privatsphäre durch die Webcam ausspioniert werden kann.

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Kultur_Blog_ 30.09.2016 | 11:24

Die breite Öffentlichkeit hat sich anscheinend daran gewöhnt, dass unsere Daten von diversen Kraken (Facebook und Co. ebenso wie die Geheimdienste) gierig aufgesaugt werden und der sympathische, blasse Mann, der die Weltöffentlichkeit im Sommer 2013 aufzurütteln versuchte, irgendwo in Putins Reich an einem geheimen Ort lebt.

Deshalb entschied Oliver Stone, ein großes Biopic mit Promi-Besetzung fürs Mainstream-Kino zu drehen. Vor kurzem 70 Jahre alt geworden und kein bisschen leise, nicht nur im Zweifel, sondern dezidiert links: Mit dieser Haltung drehte Stone auch seinen „Snowden“-Film: genüsslich reibt er der konservativeren Hälfte der extrem polarisierten US-Gesellschaft unter die Nase, wie einer der ihren, der seinem Land als Soldat und Geheimdienstmitarbeiter diente und den Protesten gegen George W. Bushs völkerrechtswidrigen Irak-Krieg skeptisch gegenüberstand, in ihren Augen zum „Hochverräter“ und „Gottseibeiuns“ werden konnte.

Noch empfehlenswerter ist die Dokumentation "Citizenfour" von Laura Poitras (2014).

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Kultur_Blog_ 30.09.2016 | 01:33

Ja, es gibt sie durchaus, die kleinen Perlen, die an diesem Abend für Glücksmomente sorgen. Danke, dass wir erleben durften, wie Sophie Rois ihre Mitspieler zu einem Chorgesang von Händels „Lascia ch’io pianga“ dirgiert oder wie sie ganz in Schwarz und mit Sonnenbrille ein italienisches Chanson singt. Danke, dass wir die große Fassbinder-Diva Irm Hermann mal wieder erleben durften, wie sie über die Bühne schreitet und angewidert-spöttisch die Glückskekse-Sprüche vorliest, die wir aus dem China-Restaurant um die Ecke kennen.

Diese Momente sind aber rar. Ansonsten schlurft der Abend über weite Strecken so dahin wie die vom Abschiedsschmerz gebeugten Gestalten auf der Bühne.

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Kultur_Blog_ 30.09.2016 | 01:31

Leider steht sich Mitchell mit ihrem Inszenierungs-Stil zum Teil selbst im Weg: die Technik ist so störanfällig, dass sich der Beginn der Premiere wegen eines Netzwerk-Fehlers fast eine halbe Stunde verzögert. Außerdem sind die Kamerafrauen und -männer im Dauerstress. Hektisch laufen sie hin und her, um die Schauspielerinnen und Schauspieler ins rechte Licht zu rücken. Damit unterlaufen sie die melancholische Grundstimmung.

Auch wenn Katie Mitchells „Schatten (Eurydike sagt)“ nicht in allen Punkten gelingt, ist ihr Versuch einer dezidiert feministischen Lesart nach den beiden bunteren, vielfältigeren Inszenierungen ihrer Kollegen ein bemerkenswerter Ansatz.

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Kultur_Blog_ 19.09.2016 | 17:37

Ich fand diesen Abend nicht überzeugend.

Die collagenhafte Textüberschreibung (Jelinek plusStephens) geht zu Lasten klarer Konturen. Immer wieder blitzen Apercus, Wortspiele und feine Beobachtungen Elfriede Jelineks auf, bevor die nächste Party-Welle darüber hinwegschwappt. Ein Leitmotiv dieses Abends ist die Inkontinenz der Figuren, die ihre Körperflüssigkeiten nicht bei sich behalten kann. Die Spielerinnen und Spieler übergeben sich oder erleichtern sich mitten auf der Bühne, ene von ihnen hat eine minutenlange Pinkelszene an der Bühnenrampe und der Abend endet auch mit den „Pissepfützen“.

Auffällig ist vor allem die Ratlosigkeit der Figuren, die den ganzen Abend prägt. Die Phänomene, die hier beschrieben und durch den Assoziationsmixer gewirbelt werden, sind vielleicht noch zu frisch und überfordernd. Falk Richter hat allerdings schon vor einem Jahr mit „Fear“ an der Schaubühne einen genauer beobachtenden Abend produziert. „Wut/Rage“ springt zu konfus durch das allgemeine Unbehagen: mal zur AfD, dann zu den Islamisten, zwischendurch immer wieder in die Club-Szene.

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Kultur_Blog_ 15.09.2016 | 14:41

Mein Fazit ist positiver:

Nach knapp zwei Stunden endet „Denial“ mit einer etwas esoterisch anmutenden Schluss-Szene. Bis dahin erlebte das Gorki-Publikum einen durchaus sehenswerten Saison-Auftakt, der trotz einiger Brüche die Balance zwischen befreiend-komischen und berührend-nachdenklichen Momenten hielt.

Die Kunst der Gorki-Hausregisseurin Yael Ronen ist es aber, dass sie es erstaunlich oft schafft, in ihren Stückentwicklungen zu bedrückenden Themen wie dem Balkan-Krieg („Common Ground“) oder der Dauerkrise im Nahen Osten („The Situation“) auch heitere Momente und treffsichere kabarettistische Pointen einzubauen, ohne dass es zu peinlich oder aufgesetzt wirkt.

Dies ist natürlich vor allem auch ihren exzellenten Schauspielern zu verdanken.

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Kultur_Blog_ 14.09.2016 | 11:28

„Empire“ nimmt viele Themen aus den beiden ersten Teile von Milo Raus-Trilogie wieder („Civil Wars“, Kritik hier und „Dark Ages“, Kritik hier) auf. Die Grundstimmung des neuen Abends ist noch düsterer, da die Schauspieler diesmal direkt aus der Hölle des syrischen Bürgerkriegs berichten.

Wer nur eines der drei Stücke sehen kann oder will, sollte sich für das mittlere Werk „Dark Ages“ entscheiden, da es Milo Rau in dieser Zusammenarbeit mit dem Münchner Residenztheater am besten gelungen ist, die verschiedenen Erzählstränge zu einem beeindruckenden Ganzen zu verweben.

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