68. Berlinale Generation: "Supa Modo"

Vom fliegen und sterben Immer wenn ich in einem Generationen Film sitze, denke ich, dass es um unser Schulsystem doch gar nicht so schlecht bestellt sein kann...
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aufmerksame LehrerInnen in liebevollem Kontakt und respektvoller Kommunikation mit ihren aufgeregten, überaus interessierten Schülern...

An diesem Morgen sahen wir das erfreuliche Ergebnis deutscher Entwicklungshilfe, das ist natürlich falsch formuliert (obwohl es wohl auch finanzielle Unterstützung durch die GIZ gab), aber wir erfuhren im anschließenden Gespräch von dem Engagement des von Marie Steinmann-Tykwer und ihrem Mann gegründeten "one fine day" und das die dazu gehörende Filmfirma one fine day films den Film mitfinanziert hat.

https://www.onefineday.org/

Der Regisseur des Films Likarion Wainaina konnte bei der Berlinale nicht dabei sein (bevor sich die gerechte Empörung darüber richtig Luft machen konnte, stellte die Produzentin des Films fest, dass es sich nicht um einen Fehler der deutschen Botschaft handelt sondern ... sie nannte es "kulturelle Mißverständnisse") wurde dafür aber von seinem reizenden Star vertreten. Die 11jährige Stycie Waweru, die im Film die Hauptrolle spielt, beantwortete mit sichtlicher Freude und unwiderstehlichem Charme die Fragen des Publikums- und diese gab es wieder reichlich.

Die Geschichte des Films ist sehr traurig, die kleine Jo ist unheilbar krank, ihr bleiben nur noch einige Wochen. Ihre Mutter möchte sie zuhause und im Bett versorgt wissen, doch ihre große Schwester wünscht sich für sie noch Freude, Spannung und Abenteuer, so wie Jo sie in den Actionfilmen, die der fahrende Kinovorführer zeigt, bewundert. Sie inszeniert mit Hilfe des gesamten Dorfes für Jo Situationen, in denen diese ihre eigenen "Superkräfte" einsetzen kann, um zum Beispiel Räuber und Diebe in die Flucht zu schlagen... Doch als sich Jo einem echten Auto in den Weg stellt und ihre Mutter von den Aktionen erfährt, scheint Schluß damit zu sein. Zum Glück kann Jo ihrer Umwelt klar machen, dass es etwas gibt, dass sie sich sehnlich wünscht und nun beginnt das ganze Dorf, ihr diesen Wunsch zu erfüllen - Sie drehen einen Film, mit Jo als Hauptdarstellerin und sie spielt- natürlich- eine Superheldin.

Die Kinder ertrugen die Tragik und auch den Tod der Heldin mit ziemlicher Fassung (während ich bei einigen Erwachsenen durchaus gezückte und verschämt zum Einsatz kommende Taschentücher erblickte. Vermutlich hatten sie sich, so wie ich, sehr mit der Mutter- großartig gespielt von Marrianne Nungo- identifiziert) und stellten danach wieder viele interessierte Fragen, allen hatte der Film sehr gut gefallen - eine Hommage an die Macht der Phantasie und des kollektiven Zusammenseins...

... und ich kann nur hoffen, dass sie mit diesem schönen Erlebnis und den daraus resultierenden Erfahrungen ganz bei sich bleiben durften- ohne dazugehörige (weil im Rahmenlehrplan geforderte) Projektwochen, schriftliche Auswertung und PowerPointPräsentationen.

12:19 21.02.2018
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Kulturwissenschaft

Immer wenn es regnet, freue ich mich. Aber wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. Karl Valentin
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