be Böse?

Mogwai Die U-Bahn und die Musik
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Ein Berliner U-Bahnfahrer muß nicht unbedingt wissen, daß am Gendarmenmarkt sich das Konzerthaus und die Hochschule der Musik befinden.

Er muß vielleicht auch nicht die Freundlichkeitsoffensive des Berliner Senats kennen. Dennoch befremdete es sehr als am letzten Donnerstag am U-Bahnhof Stadtmitte eine unfreundliche Stimme über den Lautsprecher bellte:"Die Herren mit den Instrumenten können gleich wieder aussteigen".

Es war der Fahrer der , der sich am folgenden Bahnhof auch noch die Zeit nahm einen Kontrollgang an "seinem" Zug (so schien es in dem Augenblick jedenfalls) Zug vorzunehmen. Mehr als böse Blicke gab es dann nicht- vermutlich weil besagte Herren von ihren Instrumenten keinen Gebrauch machten, aber was sollte diese Anmaßung? Und heißt es demnächst dann: "Sie! mit dem großen Rucksack" oder "Sie! mit dem langen Bart müssen gar nicht erst einsteigen" ?

(Eine Antwort der BVG wird -hoffentlich-nachgeliefert)

Am Abend hofften wird dann sehr, daß die Musiker von Mogwai, die wir im Tempodrom zusammen mit einigen anderen älteren und durchaus auch jüngeren Menschen (darunter viele Bartträger) erwarteten, nicht den Fehler begangen hätten, mit ihren Instrumenten die U-Bahn zu besteigen. Hatten sie nicht- und es wurde ein grandioses Konzert:

Sehr konzentriert spielten die (teilweise ebenfalls bärtigen) Musiker auf ,

ihre Bühnenpräsenz ist ebenso wie ihre Musik eine Mischung aus Distanz und ironischer Annäherung, das Spiel mit der (musikalischen) Ekstase verbindend mit cooler Attitüde -

ebenso das Publikum (Tilda Swinton und Tom Hiddleston aus dem neuen Jarmusch-Film hätte ich mir mit ihren Sonnenbrillen auch gut im Publikum vorstellen können - allerdings waren wenig Paare anwesend, was schade ist, man kann bei der Musik nämlich auch sehr gut küssen)

Schön ist auch das Rauchverbot bei Konzerten, dadurch kommt wieder etwas Schulhofatmosphäre auf, wenn vor einem in der hohlen Hand heimlich die Zigarette oder der Joint gehalten wird.

Nach anderthalb Stunden und einer geradezu gigantischen Steigerung bei der zweiten Zugabe gingen dann alle leicht bedröhnt, aber wohl sehr zufrieden nachhause.

P.S. Mein Gehör wird heute langsam wieder etwas besser.

16:05 07.02.2014
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Geschrieben von

Kulturwissenschaft

Immer wenn es regnet, freue ich mich. Aber wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. Karl Valentin
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