Berlinale: Krugovi

"Krugovie"/ Circles Und noch einmal alle 10 Punkte nach Osteuropa! Die exjugoslawische Koproduktion zeigt einmal mehr die bildgewaltige Stärke des osteuropäischen Kinos
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und durch seine Platzierung im Forum die Halbwertzeit, der Konflikte und ihre Verarbeitungen unterliegen- der Balkankrieg ist "Schnee von gestern" (die Berliner Zeitung sprach genervt von "Filmen wie diesen").

Wer sich dennoch auf den Film des Regisseurs Srdan Golubovic´einläßt, erlebt ein hochemotionales, bildgewaltiges Drama um Schuld und Vergebung. Interessanterweise ist er von den osteuropäischen Filmen trotz (oder gerade?) wegen der Schwere seines Themas am Ende der hoffnungsvollste.

Die Geschichte nimmt sich eine wahre Begebenheit zum Anlaß. Während des Krieges 1993 versucht in Trebinje (Bosnien) ein junger serbischer Soldat einen muslimischen Zivilisten zu schützen. Diese Tat ist der Stein, der ins Wasser geworfen wird und jetzt Kreise (so der Titel) wirft. Wir sehen einige der Beteiligten 12 Jahre später. Da ist die Freundin des jungen Soldaten, die mit ihrem Sohn (wir wissen noch nicht wovor) flieht. Der muslimische Kioskbesitzer, dem damals die Hilfe galt, versucht jetzt die Frau und das Kind zu beschützen. Er lebt mittlerweile mit zwei reizenden Töchtern und seiner deutschen Frau in Halle/Neustadt, die Intervention des serbischen Soldaten war für ihn die Chance zum Überleben. Dennoch wirkt er oft wie eine Hülle.

In Trebinje restauriert der gramgebeugte Vater des Soldaten eine kleine Kirche. Dieses Bild der Kirchenruine in der weiten hügeligen Landschaft wird eine zentrale Metapher in dem Film: in dem Maße wie diese kleine Kirche wieder hergestellt wird, wächst auch die Möglichkeit der Vergebung.

Eines Tages steht ihm ein junger Mann gegenüber, der bei ihm arbeiten will. Doch als er seinen Namen nennt, wird er abgewiesen. In ein Belgrader Krankenhaus wird währenddessen ein Unfallopfer eingeliefert. Der Arzt, wir erkennen ihn wieder als den Freund des Soldaten, kennt auch das Unfallopfer gut- es ist einer der Soldaten, die den Muslim massakrierten, der Schlimmste von den dreien. Er soll ihn operieren und ihm so das Leben retten.

Das alles erzählt der Film in langen Einstellungen und großartigen Bildern von hoher Erzählkraft. So sind diese Geschichten die kleinen Kreise und Wellen, die der Stein ausgelöst hat, bilden wieder neue Kreise und streben doch alle gemeinsam einer Art Erlösung zu.

Es ist wieder einmal das große Verdienst der Schauspieler, das sie diese, eher metaphorisch angelegten Figuren mit Leben füllen, ihre ganze Verzweiflung, ihr Ringen mit der Schuld, mit der Suche nach Erlösung so glaubhaft gestalten, daß ein großes emotionaler Sog entsteht, der mit der ikonographierten Metaebene korrespondiert. Durch diese Korrespondenz kommt es zu einer Distanz, die die Vergebung nicht als kitschige Peplik (wie z.B. in amerikanischen Filmen) sondern als Wunsch beziehungsweise Möglichkeit sichtbar macht-

Am Ende:

Es leuchtet ein klein wenig Hoffnung - und doch bringt das Schlußbild des ermordeten serbischen Soldaten die Gewißheit noch einmal zurück, daß es ein sehr schwaches Leuchten ist.

15:11 14.02.2013
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Geschrieben von

Kulturwissenschaft

Was die Sieger übersehen haben, its daß es bei der Gedankenfreiheit vor allem um den Kampf gegen die Dummheit geht, aber da es bei den Siegern derart viele Dumme gibt...
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