Berlinale Panorama: "Sumé"

Der Stolz der Innuit 1974 liefert eine Rockband den "Soundtrack" für den wieder erwachenden Stolz der Ureinwohner Grönlands, die sich nicht länger als Dänen zweiter Klasse fühlen wollen
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Wege über den Potsdamer Platz:Auf der Leinwand im Sony Center läuft gerade die Aufzeichnung der Pressekonferenz zu Wim Wenders "Everything will be fine". James Franco wirkt wie ein verunsicherter Schüler, der sich bemüht, alles richtig aufzusagen- die Kamera schwenkt zu Wenders, der sieht aus wie ein strenger Lehrer, der abhört.

Im Arsenal gibt es die beste ( und preiswerteste) Verpflegung der Berlinale und auch einen der urigsten Plätze zum Pausieren.

"Sume" läuft nebenan im CineStar. Schön, mal wieder an einem Ort mit richtigen (sehr gemütlichen) Kinosesseln und normal bekleideten Platzanweisern zu sein (nichts gegen den Friedrichstadtpalast). Akkreditiert und fern der Heimat suchen sich die Filmschaffenden einen Platz. Alle wirken bereits ein bißchen müde. Es wird wenig gelacht und getuschelt, aber es ist ja auch schon 17.30 Uhr.

Der Film "Sume"ist eine "Zeitreise" in die 70er Jahre. Rebellionen und Rockmusik prägen das Lebensgefühl der Jugend in vielen Ländern. Grönland gehört zu Dänemark, wer eine Ausbildung machen will, muß nach Dänemark gehen. Dort versuchen viele dann "dänischer" zu sein als die Dänen. Eine Band verändert 1974 das Lebensgefühl einer ganzen Generation von Grönländern. Zu einem unglaublich guten Sound singt sie Texte in grönländisch. Es sind sehr poetische und politische Texte. Und langsam erwacht Stolz auf die eigene Herkunft.

Der Film unterlegt die Lieder von Sume mit traumhaft schönen Lamdschaftsaufnahmen Grönlands, aber vor allem mit privaten Super8 Filmen, die den Filmemachern aus allen Teilen des Landes zugesandt wurden für die Fertigstellung des Films. Dazu kommen Kommentare der Bandmitglieder, Fans und politischer Aktivisten dieser Zeit.

Bei der Ansicht der schönen Gesichter der Innuit kommt mir wieder in den Sinn, wie sehr es Bernd Eichinger bei der Verfilmung von "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" versäumt hat, seinem Film auch nur einen Hauch von Exklusivität zu verleihen (der ihm vielleicht die Chance auf eine Randnotiz in der Filmgeschichte gesichert hätte- wurde er nicht vor kurzem noch als so mutig und innovativ geehrt?).

(Und natürlich fällt mir auf wie wenig ich über die Geschichte Grönlands oder der Innuit weiß.)

Die jungen Filmemacher aus Grönland- es gibt erst seit 6 Jahren eine Filmproduktion in Grönland, erfahren wir im anschließenden Gespräch, bekommen jedenfalls viel Lob aus dem Publikum und laden gut gelaunt zu einer grönländischen Party - am 10.2., ab 20.30 Uhr in der Karl- Marx- Allee 36/ Kosmetiksalon Babette- ein.

Wer die verpaßt, auf jeden Fall die Scheiben (schon die Cover sind toll) von Sume besorgen und den großartigen Film ansehen.

20:24 10.02.2015
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Kulturwissenschaft

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