Berlinale: Resümee/ Osteuropa, du Goldenes!

Ein Bär für den sehr sehr guten, aber eben nicht den besten Film. "Child´s Pose" aus Rumänien wird zu recht geehrt- dennoch halte ich den bosnischen Beitrag
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

"An Episode in the Life of an Iron Picker" für den ästhetisch interessanteren Film.

Dennoch: ein sehr guter Wettbewerb und ein tolles Festival, vor allem dank der vielen herausragenden Filme aus Osteuropa.

Interessant in der Besprechung des Festivals finde ich vor allem zwei Dinge:

1. die Betonung auf dem "Postsozialismus", den man ja ebenso als Neokapitalismus bezeichnen könnte, nur wäre dann ein wenig das Exotische genommen

2. das Erstaunen und Verorten über die geschilderten Zustände in eben jene postsozialistischen Gesellschaften, so als wäre diese Ökonomisierung des Lebens bei uns nicht bereits gängiges Prinzip.

Ich bin mir sehr sicher, daß man in einem deutschen Krankenhaus ohne Versichertenkarte ebenso wenig operiert wird- neu für den Altbundesbürger dürfte am bosnischen Film "An Episode in the Life of an Iron Picker" höchstens die Demut gewesen sein, mit der man sich dann in ein solches Schicksal ergibt (aber auch das würde ich inzwischen schon bezweifeln). Auch kann ich mir leider sehr gut vorstellen, daß der Schneid, mit dem die Mutter in "Child´s Pose" an die Lösung des Problems geht, bei vielen Versicherungen als mustergültig beschrieben werden würde. (Auf sehr großer Ebene muß man sich nur die gesamteuropäischen Umgangsformen ansehen- die sogenannten Hilfen für Griechenland z.B. sind nie mit einer ökonomiefremden, gar rein moralischen Begründung verhandelt worden. Argumentiert wurde und wird ausschließlich ökonomisch.)

Postsozialistisch ist an den Filmen wahrscheinlich noch die ästhetische Wucht, mit der sie entstanden sind und die sich vielleicht aus einer neueren Wut und einem altmodischen Verständnis von der Bedeutung der Kunst speist.

11:36 19.02.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kulturwissenschaft

Immer wenn es regnet, freue ich mich. Aber wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. Karl Valentin
Schreiber 0 Leser 1
Kulturwissenschaft

Kommentare 1