Berlinale Wettbewerb: "Aferim"

Komm auf mein Pferd So etwas wie Lothar Lambert in der Walachei: Eine Laienspielgruppe übt ein politisches Lehrstück in Jim- Jarmusch- Bildern.
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Die Walachei scheint eine wenn auch karge, so doch schöne Landschaft zu sein. Bevölkert wird sie allerdings von brutalen und gemeinen Menschen. So die Erkenntnis, die ich aus dem schwarz-weiß gedrehten rumänischen Wettbewerbsbeitrag "Aferim" gewonnen habe. Der Film spielt allerdings im Jahre 1835, doch sollen wir- so war es zu lesen im Programmheft- einen Bogen zur Gegenwart ziehen.

Nun wo der Regisseur sich und seinen Film verortet, erklärt er wohl in der Mitte des Films. Auf einem Jahrmarkt spielt ein Kasperletheater sehr zum Gefallen der Anwesenden ähnlich gewalttätige Szenen wie der Film sie zeigt. Die Zeiten sind rau, die Menschen meist ungebildet, dumm und brutal. Um seiner Aussage Wirkung zu verleihen, läßt der Regisseur seine Protagonisten vor sehr imposanten, schön fotografierten Schwarz-Weiß-Aufnahmen der eindrucksvollen Landschaft Rassismen, Sexismen und andere Schlechtigkeiten im Akkord aufsagen.

Die dramaturgische Überraschung ist dabei ob die stets auf hübschen Pferden reitenden Helden dabei von rechts nach links oder von links nach rechts durchs Bild reiten. (Ab und zu schaut auch mal einer in die Kamera, wahrscheinlich um das Parabelhafte zu betonen) Gelegentlich wird sich ein bißchen geprügelt.

Ein Film für den Wettbewerb? Es könnte sein, dass Menschen, die schon immer wußten, dass alle Menschen Vorurteile hegen, sich bestätigt fühlen - aber möglich wäre auch, dass sich einfach ein gängiges Bild über das rückständige Osteuropa manifestiert zeigt.

13:15 19.02.2015
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Kulturwissenschaft

Immer wenn es regnet, freue ich mich. Aber wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. Karl Valentin
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