Ein langes und schönes Leben

Der russ. Beitrag im Wettbewerb kann auch mit einem herausragenden Hauptdarsteller punkten. Und wie man es erwarten konnte, ist die Geschichte sehr traurig.
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Nach den ruhigen Bildern seiner zwei vorausgegangenen Berlinalefilme ("Koktebel" erzählt eine langsame Reise durch ländliche Gegenden, der zweite -wem fällt der Name ein?-spielt in der "Landschaft" einer postsozialistischen Plattenbausiedlung) erzählt der russische Filmregisseur Boris Chlebnikov erneut eine Geschichte über die Suche nach der eigenen Person und den Versuch, diese unbeschadet durch die Ereignisse zu bringen.

Nun ist er zwar wieder zur urspünglichen Landschaft zurückgekehrt, doch lassen die Geschehnisse keine langsamen Einstellungen mehr zu. Immer nah am Hauptdarsteller steigert sich mit dessen Verunsicherung auch die "Nervosität" der Kamera.

Das erzeugt auch für den Zuschauer Spannung, man muß schnell lesen und auch schnell gucken. Zu verworren sind die Feinheiten der Geschäftgebahren, um die es hier geht. Aber das Wesentliche wird klar. Sascha, die Hauptfigur leitet einen landwirtschaftlichen Betrieb, der schlecht und recht läuft. Die Parteibonzen bieten einen guten Deal für das Land, Sascha ist einverstanden und träumt mit seiner Freundin bereits von einer Wohnung in der Stadt. Doch dann geschieht etwas: "seine" Bauern wollen keinen Deal, sie wollen arbeiten!

Und Sascha fühlt sich verantwortlich, auch geschmeichelt, von dem Vertrauen, das sie in ihn setzen- berauscht geradezu von der Idee der Gemeinschaft. So beginnt er eine Revolte- eine Chance haben sie nicht, es gibt keineVerträge, die ihm das Land richtig zusichern, auch hat er die Verzichtserklärung schon unterschrieben, doch für ihn gibt es jetzt kein zurück mehr.

Bald wird die "Einheit" bröckeln, die ersten stehlen sich davon (unter anderem einer der großen Wortführer), seine Freundin hat ihn schon verlassen, die Bonzen drohen mit der Miliz. Wie manisch stürzt sich Sascha in neue Projekte, baut in einem zerfallenen Stall wie ein Besessener einen Hühnerkäfig. Schon bitten ihn die übriggebliebenen Bauern, aufzugeben, um seinetwillen, aber Sascha hört nicht mehr zu.

Zum Schluß wird er drei Menschen umgebracht haben und erst da bekommt der Zuschauer zum ersten mal eine Totale.

Und jetzt wird es richtig traurig: wer den Film noch sehen und sich überraschen lassen will, sollte nicht weiterlesen

als Sascha,der Mörder in seinem Haus ankommt, sitzt dort seine Freundin.

In ihrer unschuldigen Liebeserklärung offenbart sich erst die ganze Tragik der Geschichte- die beiden legen sich ins Bett, der Fluß fließt in in wunderschönen Bildern am Haus vorbei in die weite Landschaft...

17:21 10.02.2013
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Geschrieben von

Kulturwissenschaft

Immer wenn es regnet, freue ich mich. Aber wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. Karl Valentin
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