Schöne Berlinale

Preisträger und andere Es war dieses Jahr nicht nur eine ausnehmend gut aussehende Jury sondern sie traf auch durchaus kluge Entscheidungen
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Besonders freut mich der Bär für den Hauptdarsteller des tunesischen Wettbewerbsbeitrag "Inhebbek Hedi"- Der Film erzählt von der Melancholie nach der Veränderung, der Furcht vor dem Neuen, dem Zweifel... All das verkörperte der Schauspieler einfühlsam in seiner Darstellungen eines leisen, aber nicht leisetreterischen jungen Mannes. Ein schöner Film, der mich sehr berührt hat...

Von mir natürlich ebenfalls sehr begrüßt, der Bär für Danis Tanovic...

Nicht gesehen habe ich leider den silberprämierten französischen Beitrag und den mit dem Drehbuchpreis ausgezeichneten polnischen - hoffentlich kann man das bald nachholen...

Und sonst:

"Soy Nero" hat mir nur bedingt gefallen. Zu viele Längen und zu bemühte Gleichnisse auf Gewalt und Rassismus- dennoch eine interessante Geschichte um einen jungen Mexikaner, der nur durch einen Kriegseinsatz, die Chance auf eine Greencard bekommt...

Das Wunder meiner Berlinale war der Film "La helada negra" : ein Nachmittag im Cinestar, weil gerade nichts anderes zu tun war- und dann überraschte mich ein Film in schönen, einfachen Bildern. Erzählt wird die Geschichte von einem dunkel gelockten Mädchen, das in eine ländliche Gegend mit einfach lebenden, auffallend blonden, Argentiniern kommt und dort aufgrund einiger "wundersamer" Vorkommnisse bald wie eine Heilige verehrt wird. Die Geschichte bewegt sich in diesen einfachen und doch schönen Bildern, ich saß die ganze Zeit im Kino und dachte immer- ich verstehe nicht worum es geht- und dann ging ich am Ende seltsam beseelt aus dem Kino...

Und noch ein sehr schönes Erlebnis, unter dem Motto: Wenn man traurig ist, dass es vorbei ist

Der Film: "A magical substance flows into me..." Die magische Substanz, die diesen Film durchfloß, war die Musik des Gebietes Palästina- Ausgehend von einer Radiosendung des deutschen Musikethnologen Robert Lachmann aus den 1930 er Jahren ließ sich die junge Künstlerin Jumana Mann inspirieren und machte sich auf die Suche nach dieser Musik- Sie findet sie an vielen Orten, in staubigen Beduinenzelten, in einfachen Küchen, wo beim Kochen mitreißend- zauberhaft gesungen wird, und an heiligen Orten.

Ebenfalls in ganz einfachen Bildern, (angereichert durch historische Kommentare des Vaters der Filmemacherin) erzählt, entwickelte diese traditionsreiche kunstvoll dargebrachte Musik einen faszinierenden traumwandlerischen Sog, aus dem man ungern erwacht...

14:26 22.02.2016
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Geschrieben von

Kulturwissenschaft

Immer wenn es regnet, freue ich mich. Aber wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. Karl Valentin
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