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RE: Goodbye Ossi | 11.07.2011 | 18:34

Günter Grass schreibt:
"Das Auseinanderdriften in eine Klassengesellschaft mit verarmender Mehrheit und sich absondernder reicher Oberschicht, der Schuldenberg, dessen Gipfel mittlerweile von einer Wolke aus Nullen verhüllt ist, die Unfähigkeit und dargestellte Ohnmacht freigewählter Parlamentarier gegenüber der geballten Macht der Interessenverbände und nicht zuletzt der Würgegriff der Banken machen aus meiner Sicht die Notwendigkeit vordringlich, etwas bislang Unaussprechliches zu tun, nämlich die Systemfrage zu stellen.

Keine Angst! Hier soll nicht die Revolution ausgerufen werden. Die fand, was Europa betrifft, zuletzt im zwanzigsten Jahrhundert statt und zwar im Plural mit bekannten Ergebnissen, zu denen als Folge Konterrevolutionen und Völkermord gehörten. Vielmehr geht es darum, aus der gesamten Gesellschaft heraus, wie es mittlerweile viele Bürger tun, fordernd Fragen zu stellen: Ist ein der Demokratie wie zwanghaft vorgeschriebenes kapitalistisches System, in dem sich die Finanzwirtschaft weitgehend von der realen Ökonomie gelöst hat, doch diese wiederholt durch hausgemachte Krisen gefährdet, noch zumutbar? Sollen uns weiterhin die Glaubensartikel Markt, Konsum und Profit als Religionsersatz tauglich sein?

Mir jedenfalls ist sicher, dass das kapitalistische System, befördert durch den Neoliberalismus und alternativlos, wie es sich darstellt, zu einer Kapitalvernichtungsmaschinerie verkommen ist und fern der einst erfolgreichen Sozialen Marktwirtschaft nur noch sich selbst genügt: ein Moloch, asozial und von keinem Gesetz wirksam gezügelt.

So stellt sich anschließend die Frage: Hat die von uns gewählte Staatsform, also die parlamentarische Demokratie, noch den Willen und auch die Kraft, diesen auf sie übergreifenden Zerfall abzuwenden? Oder wird weiterhin jeder Reformversuch, die Banken und deren Umgang mit Kapital unter Kontrolle zu bringen, – was heißen soll, sie gemeinnützig zu verpflichten – mit dem bislang gängigen Hinweis ‘so etwas ist, wenn überhaupt, nur global zu lösen’, in den Bereich der Unverbindlichkeit abgeschoben?"
le-bohemien.net/2011/07/09/die-steine-des-sisyphos/

Frage mich jetzt: Hatten nicht bedeutende Soziologen wie Ulrich Beck Begriffe wie Klassengeselllschaft als unbrauchbar weil nicht zutreffend entsorgt? Es gibt noch wesentlich bekanntere Linke die den Klassenkampf als Schnee von Gestern ablehnen.

TRETET IN DIE LINKE EIN UND KÄMPFT!

RE: Goodbye Ossi | 11.07.2011 | 15:59

Grass stellt die Systemfrage !

Na da bin ich aber mal gespannt.