Auf die Barrikaden! Wenn man nur wüsste wofür

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2009 ist zweifellos ein Jahr der großen Fragen. Der Kollaps des Finanzsystems und die größte Wirtschaftskrise der letzten 80 Jahre hat viele Gewissheiten atomisiert. In einem Strudel aus schlechten Nachrichten gefangen, wird fieberhaft nach einer Therapie zur Stabilisierung der daniederliegenden Wirtschaft gesucht. Aus der Position des beobachtenden Bürgers sind weder die Entwicklungsrichtung der Krise noch eine große Linie hinter den hektischen Rettungsmaßnahmen zu erkennen. Was bleibt ist Unwohlsein, Angst um die Zukunft und Ohnmacht.

Eine unüberhörbare öffentliche Artikulation dieses Unwohlseins steht noch aus. Noch gibt es kaum Demonstrationen gegen die Verantwortlichen der Krise in Wirtschaft und Politik. Auch das Krisenmanagement wird nicht spürbar attackiert. Es erscheint paradox, dass eine der wenigen großen Demonstrationen, die der Mitarbeiter von Schaeffler, sich nicht gegen das unverantwortliche und Arbeitsplatz gefährdende Gebaren der Eigentümer richtete, sondern zur Solidaritätskundgebung mit dem zockenden Arbeitgeber wurde. Die Angst um den Arbeitsplatz lässt den Schurken zum Heilsbringer werden.

Möglich ist das, weil im Jahr der großen Fragen die großen Antworten fehlen. Es fehlt an Orientierung, einem Ziel und einer verbindenden Erzählung, die dem Gefühl auf die Barrikaden gehen zu müssen eine Richtung geben. Die Wut wächst, nur weiß niemand wohin damit. Bleibt zu hoffen, dass die großen und wirkungsmächtigen Antworten, die irgendwann kommen werden demokratische und sozial sind. Im anderen Fall hätte ich Sorge, dass aus der Wirtschaftskrise eine Staatskrise würde, deren Folgen uns schaudern lassen sollte.

17:36 21.02.2009
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Geschrieben von

laob

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