Lars Hartmann

Grenzgänge zwischen Philosophie und Kunst
Lars Hartmann
RE: Eine eigene Erzählung | 11.01.2017 | 09:02

@ Sascha: Ihre Einwände, insbesondere zum Begriff der Macht, sind berechtigt. In diesem Sinne fehlt mir bei den beiden Autoren zudem der in Theorie fundierte Ausgriff auf Macht, insbesondere von der linken Seite her wie bspw. bei Foucault. Allerdings weisen die Autoren – zu recht wie ich meine –, darauf hin, daß man in Fragen der Veränderung mit alten Klassenkampfkonzepten nicht weiterkommt. Im Westen wird es in absehbarer Zeit keine Aufstände einer geschlossen operierenden Arbeiterklasse geben.

Zentrale Differenz bleibt in diesen Konzepten in der Tat die Frage eines revolutionären oder eines evolutionären Weges. Wobei ich gegenwärtig und bei den Spaltungsprozessen innerhalb der BRD-Linken sowie in den Diskussionen um kleinklein keine revolutionäre Strategie ausmachen kann. Vor einigen Tagen twitterte Alexander Morlang: „während sich die linken im bedingungslosen kleinkrieg befinden, sind bei amazon über 230.000 Menschen ohne gewerkschaft. merkste was?“ Das bringt die Probleme ganz gut auf den Punkt.

@ Gelse
Der Interessengegensatz der verschiedenen Gruppen ist immer dann gegeben, wenn sie, wie es im kapitalistischen Prinzip der Konkurrenz vorgesehen ist, sich um eine Ressource streiten. Im Falle der weniger qualifizierten einheimischen Arbeiter in der BRD und der Migranten konkurrieren beide um Arbeit. Und wenn dann Journalisten – wie es etwa Ulf Poschardt macht – freundlich die Willkommenskultur zelebrieren und im selben Atemzug schreiben, nun sei es aber an der Zeit, die rigiden Arbeitsmarktgesetze der BRD zu „liberalisieren“, nach US-Vorbild, und wenn bereits wieder der Mindestlohn zur Disposition steht, dann ist etwas faul. Nicht nur im Staate Dänemark. Man achte einmal darauf, wer plötzlich alles für sein Mitleid gelobt wird, der sich ansonsten etwa in der Frage zu Griechenland als wenig mitleidig erwies. (Stichwort Medikamente für Krebspatienten etc.)

Zu dieser Konkurenzsituation kann man auch bei Marx im „Kapital“ nachlesen, etwa in dem Kapitel „Progressive Produktion einer relativen Übervölkerung oder industriellen Reservearmee“. Natürlich ist allen Gruppen dennoch ihre Klassenlage gemeinsam, wenn sie gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen.

RE: Castorf forever | 17.11.2016 | 12:00

Das mag juristisch zunächst heikel erscheinen. Aber wie bei jedem Vertrag gibt es Möglichkeiten, Verträge wieder aufzuheben. Solche Dokumente heißen Aufhebungsverträge. Es spielt (glücklicherweise) der neue Kultursenator Klaus Lederer mit dem Gedanken. Für Berlin wäre es ein Gewinn.

Und ich kann nur hoffen, dass in die Sache neuer Schwung kommt. Soll Dercron doch das Schillertheater übernehmen, wenn die Staatsoper wieder an ihrem angestammten Ort ist. Es werden sich Möglichkeiten finden lassen.

Vor allem aber wäre es gut, wenn dieses Thema wieder in die Öffentlichkeit gelangt. Nach den unendlichen Trump-Debatten. Und zwar jetzt. Im Juni, wenn dann das große Abschiedsklagen ansetzt, ist es nämlich zu spät, und es sind alle Lieder gesungen.