LarsG

Älterer Herr mit schmunzelndem Gesicht
Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Ich erinnere mich | 05.12.2011 | 01:00

Glauben Sie, wir haben ganz andere Probleme? Fahren Sie mal nach Bayern oder Österreich, am besten aufs Land, und reden Sie über die Verquickung der katholischen Kirchen-Firma mit der Gesamtgesellschaft (Kindergärten, Krankenhäuser, Friedhof, Religionsunterricht etc.) und spekulieren über eine Säkularisierung. Dann sehen Sie recht schnell, wie weit wir von solchen Problemen entfernt sind.-

Weiterhin handelt es sich bei dem obigen Text auch um so etwas wie eine Perspektivaufweitung im Sinne der Aufklärung, einen Weltspiegel, einen Beitrag aus der Geschichte des 20. Jh., einen Baustein zum Wissen über die Welt und die Menschen in dieser Welt.

Ich fürchte, Ihr Kommentar sollte aber hauptsächlich die gefühlte Höherstellung der christianisierten Europäer gegenüber den muslimischen Gehirngewaschenen festigen. Schade.

RE: Troll oder Sexismus? | 05.12.2011 | 00:32

Google bei mir (ohne Cookies und ohne tarcker):
"Frau" ergibt größtenteils ganz unproblematische Bilder, einmal ein "Dirndl"-Bild mit großem, verdeckten Busen und einmal ein Bikinibild, sonst Porträts von Frauen, die im Titel mit "Frau XY" bezeichnet werden.
"Frauen" zeigt die erwähnten räkelnden Damen.
"Mann" zeigt mehrere Bilder von Leuten, die Herr bzw. Frau Mann heißen,
jedoch "Männer" zeigt genauso laszive Räkler wie bei den Frauen-Treffern.
-
Ich habe das Gefühl, das in diesem Fall das Internet noch einen Unterschied zur offline-Realität aufweist. Es ist vielleicht wegen der Anonymität offener sexualisiert. Der "Google-Beweis" erscheint mir nicht schlüssig.
-
Ansonsten kann ich Ihre Argumentation und Ihre Beobachtungen zum Thema Sexismus nachvollziehen und bestätigen.
Für mich ist das ein Machtsicherungsmechanismus: Männer schützen sich vor Konkurrenz, und indem sie Männerbündnisse schließen (offen oder unausgesprochen), so haben sie die Hälfte der Konkurrenz schon ausgeschaltet. Dann blebt mehr Energie für den inner-männlichen Kampf, der dann mittels Parteien, Studentenbünden etc. wieder erst einmal als Gruppe geführt wird und später/weiter "oben" immer individueller wird.

Das Benecke-Argument kann ich auch nur bestätigen: Es sind fast stets die Unattraktiven und sozial Inkompatiblen, die über Frauen extrem beleidigend sprechen. "Vom Verschmähten zum Schmäher." Eine andere Form sind die extrem Attraktiven, die sehr viele weiblichen Avancen bekamen und daher eine gewisse Geringschätzung entwickeln. Die letztgenannten Männer kommentieren allerdings nicht hasstriefend im Internet, sondern flirten gerade an der Bar.

RE: Die Freitag-Site | 25.11.2011 | 01:38

Ganz neu? Hier:
Guido Westerwelle sagt: "Ich habe noch immer die Hoffnung, dass die Revolution gelingen kann."
Tolle Schlagzeile! Leider sagt er das in der FTD, also meint er es nicht mit Lenin et al. und nicht für unser schönes Ländle, denn es geht um Ägypten und die Einwirkungen der deutschen Außenpolitik auf den Militärrat.
"Das ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, denn wir haben ein strategisches Interesse an einer demokratischen Stabilisierung unserer südlichen Nachbarschaft. "
Ein Schelm, der Böses dabei denkt: "Geschäft", "Strategisches Interesse", hmm, das klingt nach besserer Welt. Warum nur klingelt mein "Achtung"-Glöckchen?
goedzak, erklär es mir.

RE: Deeskalation ist auch keine Lösung­ | 25.11.2011 | 01:29

Es gibt die Unterstellung, in diesem Film eine Art Polanskis Rache an den psychosozialen Zuständen in den USA vorzufinden, die ihn ungerechterweise ins ausländische Exil getrieben hätten. -
Unzählige Künstlerkollegen Polanskis stellen sich hinter ihn, wenn es um die nun schon 34 Jahre alte Straftat geht, mit damals 44 Jahren ein 13-jähriges Mädchen erst mit Rauschmitteln versorgt und dann vergewaltigt zu haben. Man entschuldigt das offenbar, imaginiert eine Verschwörung oder ein Trauma oder was weiß ich.
Wie und Warum? Bin ich der Einzige, der einen erwachsenen Täter und ein unreifes Opfer sieht?
Ich bitte um Entschuldigung, hier die hehre Kunst zu stören, aber das Problem beschäftigt mich schon ein paar Jahre lang.

RE: Die Freitag-Site | 25.11.2011 | 01:12

Das heißt, es geht allen hier so? Ich habe schon geglaubt, die Site und ich wären irgendwie inkompatibel...
Aber das kann doch nicht der Ernst sein. Design ist doch nicht nur Grafik, das ist doch auch Funktionalität/Zweckorientierung, und die kriegt hier keinen Preis.

RE: Die Mathematik der Manipulation | 25.11.2011 | 01:01

Ich wundere mich über den harten Gegenwind, der Ihren Vorschlägen ins Auge pustet. Wie oben erwähnt ist das ein Modell, was bei Partnerschaften und Genossenschaften so ungefähr Anwendung findet. Ich kenne nicht wenig Absolventen von sog. freien Berufen, die genau so ins Berufsleben starten, gemeinsam sich in ein Studio/Büro/Atelier setzen, Kopierer, Kaffemaschine und Besprechungstisch gemeinsam anschaffen und bei einem Neuzugang/Austritt die Investition ausgleichen. Wenn man eine Werkzeugmaschinenfabrik besitzt, geht das nicht mehr so leicht, aber auch dort wird es so etwas wie eine Jahresbilanz geben, die Abschreibungen, Neuanschaffungen, Auftragslage etc. erfasst und bewertet und somit bei 1500 Mitarbeitern auch ein 1/1500 errechnen kann. -
Begreif ich was nicht?

RE: Die Mathematik der Manipulation | 25.11.2011 | 00:52

Da kann man Genossenschaften u.ä. fragen, die müssen diese Fragen immer lösen. Oder auch WGs.
Das geht schon alles, wenn man will.
Die Fragen gehen ja auch weiter: Muss ein neuer Mitarbeiter sich "einkaufen". Was wäre schlimm daran, wenn ein Unternehmer den Mitarbeitern "gleich gestellt" wird? etc.-
Das Konstrukt wirkt ein wenig fixiert auf das gegenwärtige Eigentumsprinzip bei industriellen Branchen mit hohem Anteil gebundenem Kapital. In Branchen, die ihr Kapital fast ausschließlich aus Wissen und Können schöpfen und kaum festes Kapital binden (z.B. Designstudios, Architekturbüros, Internetbuden), besteht immer wieder die Gefahr von "Putschen", indem die gesamte Belegschaft gemeinsam (allerdings ohne die unliebsamen/unproduktiven/kontraproduktiven EignerInnen) eine Konkurrenzfirma gründet und neben dem Stammkapital (ihren Hirnen) manche wichtigen Kunden mitnimmt. Dagegen hilft nur eine paranoide Informationspolitik der Geschäftsführung, allerbeste soziale Einbettung der GF in die Kundenschicht und eine unzerstörbare gläserne Decke zwischen Chefs und Fußvolk.
Die Formulierung von fro hat etwas Anrührendes, aber letztlich ist es so wie eine Partnerschaft, wenn die Investitionen dem ursprünglichen Unternehmer auch nach und nach ausgeglichen werden.

RE: Guttenbergs Rückkehr. Und dann? | 25.11.2011 | 00:01

Das ist ein guter Verpackungstrick. Seht Euch in Österreich die ÖVP an, die kann das gut, und auch die FPÖ macht das so. Für die Wähler macht man auf Hardliner gegen Sozialschmarotzer, Südostausländer, Bremser-Gewerkschaften und Kiffer-Liberale, dagegen promotet man Werte wie ehrliche Arbeit und Heimatliebe. In der Rhetorik ab und an EU-kritisch bis -feindlich (in D wär das dann US-kritisch), im tatsächlichen Verhalten (SWIFT, EU-Richtlinien etc.) aber loyal. Für die Förderlobby weicht man die Sozialstandards auf und ersetzt den Solidarstaat rhetorisch durch die Volksgemeinschaft, wettert gegen Islamisten (die ja auch die USA bedrohen und Israel), kämpft gegen Überfremdung durch Muslime (die ja eine grundlegend andere Kultur als wir und auch die US-Amerikaner haben).
Man sieht, man muss nur schön innenpolitische Rhetorik und tatsächliche Taten ein bisschen auseinanderdriften lassen, das fällt vielen nicht auf. Dazu kann man das Freund-Feind-Schema selbst definieren und besetzen, dann kommen die antiamerikanischen Ressentiments nicht so schnell durch, wenn der Muselmane genauso herhalten kann.
Ich trau den Kommunikationsprofis namens PolitikerInnen viele schlaue Sachen zu. Nur nicht unterschätzen, das nützt ihnen mehr als sie ernstzunehmen.

RE: Raus aus dem Untergrund | 18.11.2011 | 01:12

Ursprünglich wollte ich hier im Freitag nicht mehr kommentieren, da immer unendliche, themenferne Verläufe angezettelt werden. - Ich versuche nur, Frau Hensels Erinnerungen etwas anekdotisch die meinen hinzuzufügen. Wir sind ungefähr gleich alt.
1992, Eisenhüttenstadt: Ich traf mich täglich mit einigen Gleichaltrigen aus mir heute nicht mehr ganz klaren Gründen auf einem Wohnhof an einer Parkbank. Ein paar Gymnasiasten mit Akademiker-Eltern wie ich, ein paar Gesamt- und Realschüler, ein paar Lehrlinge. Mehr Jungs als Mädchen. Zeitgleich wurde das Erst-Aufnahmeheim für Asylbewerber im allg. Trend des "Asylantenheim-Belagerns" von meist sich selbst als "rechts" sehenden Jugendlichen umlagert, es gab provokante Auseinandersetzungen mit der Polizei, "Ausländer raus"-Rufe etc. Ein paar der Cliquen-Kumpel waren wohl auch öfter mal dort, sie prahlten mit Geschichten. Ich sah mir die Sache eines Abends in einer Gruppe von ungefähr 5 Leuten auch von Ferne an und hatte ein glühendes Gesicht, aus diffuser Aufregung. Ich bin nur 1x dort hingegangen. Die Clique war übrigens nicht besonders hermetisch, es kamen manchmal Bekannte hinzu, manche kamen nur sporadisch. Ein paar dieser Jungs grüßten sich tagsüber öffentlich mit dem Hitler-Gruß, sangen Nazi-Abwandlungen von Popliedern, erzählten eklige Juden"witze", die andern lachten, grinsten oder sahen nicht weiter hin. Aus dieser Gruppe stahlen manche offenbar aus Sportsgeist immer mal Autos, am leichtesten ging das wohl mit dem Opel Kadett. Kampfsport, Türsteherjobs etc. waren auch Teil der Sache. Niemand kam auf die Idee, wegen der Autos oder der Nazisachen sich an die Polizei zu wenden, die ungefähr 100 m weiter ihre Zentrale hatte. Gleichzeitig hatte man mit Markenkleidung, Mädchen und Coolness eh schon genug Probleme. - Ich habe das Nazithema beiläufig erwähnt, denn so war dmeine allg. Empfindung. - 2 Jahre später war ich meilenweit weg von jenen Leuten, flüchtete vor prügelwütigen rechten Hooligans, diskutierte mit Freunden über die gefährliche Naziszene der Stadt, versuchte, die Gefahrenorte zu meiden. - Ich glaube auch, dass Frau Hensel nicht so unrecht hat, dass man halt drumrum gekommen ist, nur einer glücklichen Fügung wegen nicht doch an irgendeinem Scheiß mitgewirkt hat. - Meine Eltern haben übrigens immer eine klare Haltung gehabt: Es gibt keine Menschen zweiter Klasse. Wer dort künstlich Unterscheidungen trifft, ist dumm. Für mich war das Elternhaus in dieser Frage sicher der wichtigste Richtungsweiser. -
Was das mit Ost und West zu tun haben könnte? Die Gesellschaft war noch stark gemischt, die Einheitsschule gerade erst aufgelöst, die alten Hierarchien aber komplett zerstört, ohne neue Autoritäten etabliert zu haben. Alles war immer noch im Nachhall der Wende/Revolution: Unangemeldete Demonstrationen '91 gegen Irakkrieg Nr. 1, Plünderung eines Supermarkts zu Silvester, und eben auch mit Baseballschlägern Widerliches rufend durch die Stadt marodieren. -
Ich glaube nicht an die einfachen sozialpsychologischen Klischees von Töpfchenzwang usw. -
Ich glaube aber wohl, dass die Erfahrung, ungestraft sich über Andere erheben zu können, ausländerfeindliche Reden zu schwingen ohne Sanktionen und gar ungestrafte Verfolgungen, Körperverletzungen und Mordversuche an Ausländern, Behinderten, Obdachlosen etc. die Akteure zu sehr bestärkt hat in ihrem Tun. Als Nazi kann ich mich in mehrfacher Hinsicht als Systemopfer gerieren und gleichzeitig kann ich meine Machtlust halbgeduldet an Schwachen ausleben. Eigentlich eine befriedigende Konstruktion, wenn man sonst nicht viel erwartet...

RE: Ich kauf jetzt auch bei Lidl ein | 25.09.2010 | 22:25

Ich möchte hiermit goedzak unterstützen helfen: Es gibt wirklich Menschen in unseren Städten, die im Supermarkt einkaufen MÜSSEN, weil sonst das Geld nicht reicht. Auch wenn man das nicht glauben mag. Ich kann mich auch noch an ein paar sehr magere Jahre bei mir als Student erinnern und mit ein bisschen Anstrengung erinnere ich mich noch an eine Zeit, als meine (alleinerziehende) Mutter auch rechnend am Abend am Küchentisch saß.
In solchen Situationen kann man offenbar nichts anderes machen als "den Sklavenhalter fördern". Alles andere (siehe Apfelbaum-Episode weiter oben) ist dann doch eher Gedankenspiel ohne Rückgriff auf die Tatsachen.