Laser

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RE: "Geil, jung, dünn, top frisiert" | 29.12.2010 | 12:06

Hallo an alle,

ich muss mich jetzt auch mal zu Wort melden (ok, zugegeben, ich habe mich beim Freitag wegen dieses Artikels überhaupt erst angemeldet).

Die Diskussion klingt ja ganz spannend, was ich aber vermisse, ist eine ernsthafe Herangehensweise an die Behauptungen, die hier aufgestellt wurden. Liebe nur noch ein Projekt? Alles nur noch Individualisierung? Die langfristige Liebe wird abgelöst? Oder (nach Ullrich Beck): die Familie als Zombiekategorie?
Und dazu folgendes Zitat gleich zu Anfang:
"Über die Ursachen dieser Entwicklung zerbrechen sich ja Heerscharen von Soziologen ihre Köpfe."

Dazu sage ich: Ja, viele zerbrechen sich den Kopf darüber. Viele, weil sie diese Behauptungen spannend finden und irgendwie begründen wollen, andere weil sie diese These schwachsinnig oder zumindest überzogen finden. Schaut man sich die (deutsche) Gesellschaft im historischen Verlauf mal genauer an, hat sich in der Beziehungswelt nahezu nichts verändert. Es gibt immer noch den gleichen Anteil an Kernfamilien (d.h. Vater, Mutter, Kind) und die verschiedenen anderen Beziehungsformen, die sich auf diese Familienform beziehen (Alleinerziehende z.B.). Wer das prüfen will: siehe Microzensus.

Ich plädiere dafür, dass man sich diese ganzen Trends, die auf den ersten Blick natürlich verlockend und spannend klingen, mal genauer anzugucken. Es liest sich fabelhaft, wenn man hört, dass jetzt alles individualisiert ist. Da fällt ja jeder drauf rein; wer mag schon das immer gleich bleibende? Diese Sehnsucht nach Veränderung greifen nämlich vor allem die Medien auf und beziehen sich dann noch auf einige Thesen von einigen Soziologen, die natürllich schnell Gehör finden und weiter publizieren wollen. Da setzt ein Kreislauf ein, der ein großes Problem der Wissenschaftswelt darstellt: das Sammeln von Referenzen.

Ich sage nicht, dass Menschen viele Phasen im Leben haben, in denen sie alleine drauflosfeiern. Die Mehrheit hingegen landet früher oder später beim gleichenFamilienmodell, wie es auch bei den Eltern der Fall war bzw. ist. Individualisierung ist ein populäres Phänomen, was gerne überschätzt wird. Das lässt sich natürlich gerne bestreiten, aber habt ihr euch schon mal gefragt (Achtung: billiges Beispiel), warum alle "Geil, jung, dünn, top frisierten" Frauen dann doch Sex and the City gucken? Eine Serie, die den Weg von verschiedenen Frauen nachzeichnet, die alle auf eine klassische Familie zustreben und da ihr Glück finden. Nicht in den Partys zwischendurch - die fetzen natürlich auch -, aber es endet in der Beziehung auf Dauer, nicht im Projekt.

Viele Grüße,
ein Student, der immer wieder von tollen Hypothesen überrumpelt wurde