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Zukunft ?

Zukunft ist ein großes Wort, und die wohl größte aller Frage aller Zeiten

Haben wir eine Zukunft, und wenn ja wie wird Sie aussehen ?

Kulturphilosophisch bewegen wir uns zwischen Mad Max und Star Trek.

Das eine Szenario sieht die Menschheit in einer Endzeit wo man mit brutaler Gewalt ein Krieg in einer wüstenähnlichen Kulisse um die letzten Resourcen kämpft, das andere löst die Menschen von der Mühsal der Arbeit und dem Sachzwang des Geldverdienens durch utopische technische Möglichkeiten.

Und wo stehen wir gesellschaftlich und politisch ?

Die Einen wirken um Mad Max zu verhindern, die Anderen um Star Trek möglich zu machen.

Und so steht die Frage im Raum ob moderne Technik und Zivilisation zum Scheitern der Menschheit führt oder unsere Rettung sein wird. Nur die zahlreich resignierten Zyniker, Misanthropen und die Apokalyptiker verzichten darauf diese Frage zu beantworten.

Diese "nach mir die Sintflut" Haltung ist über die Religion in unserem gesellschaftlichen Bewußtsein tief verankert. Armageddon, Ragnarök, das jüngste Gericht, besonders die abrahamitischen Religionen sind stark geprägt vom Ende der irdischen Existenz der Menschheit als göttliches Finale.

Das bekommt eine besondere Bedeutung wenn wir z.b. über die Überbevölkerung reden. Geburtenkontrolle und globale "Familienplanung" muß und wird auf den erbitterten Widerstand der Frommen stoßen. Da sind Kultur und Religion eng miteinander verknüpft; Kinder sind ein Gottesgeschenk, Ausdruck von Wohlstand und Status. Jeder Eingriff staatlicherseits wird ein Affront gegen alles religiöse sein das sich in die Ethik der Familie einmischt.

Aber an diesem Punkt kommen wir nicht vorbei. Die Frage wieviel Menschen auf diesem Globus leben ist von zentraler Bedeutung für das Leben allgemein und den Wohlstand. Der Club of Rome sieht schon für 2030 den Punkt erreicht wo die Schädigung der Umwelt durch menschliche Einflüße so groß ist, dass sich die Menschheit nicht weiter vermehren kann.

dazu ein Zitat aus Wikipedia :

de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums

Im Jahr 2004 veröffentlichten die Autoren das 30-Jahre-Update. Darin brachten sie die verwendeten Daten auf den neuesten Stand, nahmen leichte Veränderungen an ihrem Computermodell World3 vor und errechneten anhand verschiedener Szenarien mögliche Entwicklungen ausgehend vom Jahr 2002 bis zum Jahr 2100. In den meisten der errechneten Szenarien ergibt sich ein Überschreiten der Wachstumsgrenzen und ein anschließender Kollaps („overshoot and collapse“) bis spätestens 2100. Fortführung des „business as usual“ der letzten 30 Jahre führe zum Kollaps ab dem Jahr 2030.

Auch bei energischem Umsetzen von Umweltschutz- und Effizienzstandards kann diese Tendenz oft nur abgemildert, aber nicht mehr verhindert werden. Erst die Simulation einer überaus ambitionierten Mischung aus Einschränkung des Konsums, Kontrolle des Bevölkerungswachstums, Reduktion des Schadstoffausstoßes und zahlreichen weiteren Maßnahmen ergibt eine nachhaltige Gesellschaft bei knapp 8 Mrd. Menschen.


Die Studie von 2004 geht auch auf die Entwicklung von 1972 bis 2002 ein und beschreibt unter anderem eine Zunahme des sozialen Gefälles (20 % der Erdbevölkerung verfügten über 85 % des globalen BIP), die Bodenqualität (40 % der Ackerflächen würden übernutzt), Überfischung (75 % der Fischbestände seien bereits abgefischt) und (wie bereits 1972) die Erschöpfung fossiler Rohstoffe stehe in wenigen Jahrzehnten bevor. Die Autoren nehmen an, dass die Kapazität der Erde, Rohstoffe zur Verfügung zu stellen und Schadstoffe zu absorbieren (siehe ökologischer Fußabdruck) bereits im Jahr 1980 überschritten worden sei und weiterhin überschritten werde (im Jahr 2004 schon um ca. 20 %).

Der Club of Rome sieht also eine max. Erdbevölkerung von 8 Milliarden Menschen, die bei einer sehr ambitionierten Politik nachhaltig die Resourcen äußerst schonend nutzen können. Und 2030 den Kollaps wenn wir einfach die Probleme ignorieren und weitermachen wie bisher. Das sind gerade mal noch 19 Jahre die uns Zeit bleiben unsere Gesellschaft und Bewußtsein völlig umzukrempeln.

Zugegeben die Dinge sind in Bewegung. Kläranlagen, Windräder, Biogasanlagen und Energieeffizienz und technische Lösungen für viele Umweltprobleme sind Teil unserer Realität. Aber das kann nicht darüber hinweghelfen dass Kopenhagen gescheitert ist, dass der CO2 ausstoß der Menschheit immer noch rapide wächst. Das kann nicht ändern dass unsere Umwelt global massiv geschädigt ist und wird.

Die Gewinnung von Rohstoffen verwandelt ganze Landstriche in Mondlandschaften, Monokulturen verringern unwiederbringlich die Artenvielfalt und erodieren zu unfruchtbaren Wüsten, ein Plastikmüllteppich von der größe Europas treibt im Pazifik, die Meere sind überfischt, die Lanschaften werden zubetoniert und asphaltiert.

Wir müßen also unser Konsumverhalten total neu erfinden, oder nach der großen Party geht das Licht aus. In einer wirtschaftlich und kulturell vernetzten Welt können sich auch die wohlhabenden Nationen der Entwicklung in anderen Ländern nicht entziehen. Angefangen von Flüchtlingsströmen, über instabile politische Verhältnisse in Rohstoffnationen bis hin zu Wirtschaftskrisen ungekannter Dimension.

Aber wie soll man diesen gordischen Knoten lösen ? Sind wir bereit für so viel Blut, Schweiß und Tränen ?

Besonders in Demokratien wird es schwer fallen den Bürgern den notwendigen Verzicht plausibel zu machen, die Last ökonomisch gerecht zu verteilen, und dafür auch noch Mehrheiten zu erreichen. Wer wählt schon freiwillig eine Ökodiktatur ?

Ebenso schwer wird es eine Konstruktion zu finden in der sich politisch, wirtschaftlich und religiös konkurrierende Nationen auf gemeinsame Mindesstandards in der Umweltpolitik einigen können. Und dazu gehört zwingend ein Organ welches die Einhaltung der Verinbarungen kontrolliert und zur Not auch mit Zwang durchsetzt. Solche Eingriffe in die Souveränität sind zur Zeit noch unvorstellbar, der dafür notwendige Wille ist definitiv nicht vorhanden, das zeigt das Scheitern von Kopenhagen. Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach.

Der Sachzwang ist aber nicht zu leugnen; Umweltprobleme machen vor Grenzen nicht halt, daher sind Sie auch nur mit globalen oder kontinentalen Organen zu lösen. Wir müßen also viel dichter zusammenrücken als uns lieb ist, müßen eine Basis für gemeinsames Handeln entwickeln die so ziemlich alles in Frage stellt was uns unterscheidet. Wirtschaft, Religion, Kultur, Sprache und Philosophie.

Und eines ist jetzt schon sicher wie das Amen in der Kirche :

Eine Wirtschaftspolitik die Wachstum braucht um stabil zu sein gerät an ihre Grenzen. Ein Selbstverständnis welches Status über Konsum definiert findet sein unrühmliches Ende. Je länger wir damit warten um so schwerwiegender werden die Konsequenzen sein. Der Überlebenswille der Menschheit wird sich jede Bahn brechen die notwendig ist gegen alles was ihm im Weg steht ...

und nun interessieren mich eure Gedanken und Kommentare zu diesem Thema

laubfrosch

13:13 16.08.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

laubfrosch

früher wollten alle heim ins reich, heute wollen alle reich ins heim hagen rether
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laubfrosch

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