Balance für Seele, Körper und Geist

Gesundheit Mit Schaudern denkt ­Christine E. an die Zeit vor gut zwei Jahren zurück, als ihr bislang völlig normaler Blutdruck plötzlich...
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Spitzen von 200/100 erreichte. „Ich war in Panik“, erzählt sie. „Umso mehr, als der Blutdruck sich auch durch Medikamente – ich habe zur schlimmsten Zeit vier verschiedene gebraucht – nicht dauerhaft stabilisieren ließ.“ Zweimal musste der Notarzt kommen, zweimal wurde sie mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht.

Die Blutdruckkrise führt die 55-Jährige im Nachhinein auf anhaltenden Stress zurück: „Die Kombination aus einem aufwendigen Job, der Renovierung eines Hauses und dem Haushalt mit den Kindern, dazu mein großer Ehrgeiz und Perfektionismus: All das hat mich völlig überfordert.“ Inzwischen hat sie ihr Leben umgekrempelt: Den Job und das Stadtleben hat sie aufgegeben und sich am Land eine neue Existenz aufgebaut. Der Blutdruck? „Ein paar Monate später – da war ich schon ‚Landratte‘ und auf Kur – konnte ich endlich die Medikamente reduzieren“, erzählt Eksler. „Ungefähr ein Jahr nach der Krise war ich wieder völlig medikamentenfrei.“ Und das, obwohl ihr die ÄrztInnen diesbezüglich keine Hoffnung machten: „Einmal Bluthochdruckpatientin, immer Bluthochdruckpatientin“, hieß es. Ein Leben unter Hochdruck, das sich schließlich in Bluthochdruck manifestiert: Für den Arzt, Psychologen und Psychotherapeuten und Universitätsprofessor Christian Schubert zeigt dies anschaulich, „wie eng Körper, Geist und Seele zusammenspielen“.

Schubert, der sich auf das Wechselspiel von Psyche, Nerven- und Immunsystem spezialisiert hat, präzisiert: „In diesem Fall wirkte die Psyche insbesondere auf das vegetative Nervensystem.“ Aufgrund von Stress schüttet der Körper mehr von dem Stressbotenstoff Adrenalin aus – der Blutdruck steigt über das normale Maß an. Das Beispiel Christine Eksler zeige aber außerdem, dass „die hoffnungsarme Einschätzung der Ärztinnen und Ärzte klar widerlegt wurde, indem sie ihr Leben in eine heilsame Richtung veränderte“, sagt Schubert. Er leitet das Labor für Psychoneuroimmunologie (PNI) an der Medizinischen Universität Innsbruck. Die PNI ist ein Teilbereich der psychosomatischen Medizin und basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz. ForscherInnen konnten mittlerweile in vielen Studien nachweisen, dass seelische Belastungen im Körper krank machende Prozesse auslösen: Dauerstress stört die Balance von Psyche, Nerven- und Immunsystem, sodass sich langfristig der Immunschutz vermindert und sich Entzündungen entwickeln. Das könne sogar zu Krankheiten wie Krebs oder Autoimmunerkrankungen führen.

19:19 10.09.2018
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Geschrieben von

Laura Matthiesen

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