L.Berit

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RE: Wirklich Ernst machen? Ingo Schulze, die Intellektuellen und die Krise | 16.01.2012 | 20:21

"An der praktischen Umsetzung mangelt es nicht. Protestbewegungen wie S21, Attac, Piraten, Occupy etc. sind ja bereits aktiv. Auch in Griechenland und Spanien fehlt es nicht an Widerstand. Dieser führt aber meist ins Nichts, da eine gemeinsame Vision fehlt."

Erstens gehen sie in der Annahme fehl, dass die von ihnen genannten Bewegungen in sich keine gemeinsame Vision hätten. Natürlich hat(te) S21 eine andere Vision als zB. Occupy, dennoch haben beide eine Vision.

"Der wirkliche Mangel liegt doch darin das keine alternative Ideologie (Theorie) zu der aktuell herrschenden in Reichweite liegt."

Braucht es das denn, um etwas zu verändern? Muss denn immer alles theoretische Untermauert sein, um in ihren Augen eine Legitimation zu haben?

MMn liegt das Problem nicht so sehr in einer magelnden Theorie, sondern vielmehr darin begründet, dass sich immer noch zu wenige diesen Protesten anschließen.

RE: Wirklich Ernst machen? Ingo Schulze, die Intellektuellen und die Krise | 16.01.2012 | 15:15

Die "Untätigkeit" der intellektuellen Elite in Deutschland wird in Schulzes Artikel völlig zurecht moniert, auch wenn Schulze selbst aus seiner eigenen Resignation nicht heraus kommt. Rückwirkend müssen Schulzes Thesen deshalb wie Luftblasen wirken, weil es ihm offensichtlich lediglich darum ging, "Luft rauszulassen", wenn er abschließend schreibt:

"ich würde noch gern erzählen, dass es darauf ankommt, sich selbst wieder ernst zu nehmen und Gleichgesinnte zu finden, weil man eine andere Sprache nicht allein sprechen kann. Und davon, dass ich wieder Lust bekam, den Mund aufzumachen."

Damit verschwinden all seine klugen Thesen im Reich der Konjunktive, also im Reich der uneigentlichen Rede, woraus sich unweigerlich folgende Frage stellt: was können wir Schulze eigentlich abnehmen und hat er das alles überhaupt ernst gemeint?!

Dabei ist der Schritt von der Resignation zur Agitation ganz leicht, man muss halt nur mal was machen (was einigen Intellektuellen vielleicht nicht intellektuell genug ist). Hätte Schulze seine Thesen z.B. auf einer Occupy- oder Attac Prostkundgebung laut durch ein Mikrophon gerufen, dann hätte er seinen Thesen einen agitatorischen Rahmen gegeben und hätte sich alleine schon aufgrund dieses Rahmens aus seiner Resignation befreit.

Schlaue Thesen in Zeitungen schreiben, reicht halt nicht aus, aber immerhin ist sich Schulze dessen bewußt. Und Einsicht ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

RE: Neuer Verdacht im Präsidentenkrimi | 14.01.2012 | 17:52

@Christian,

"aber auch nicht für Symptom-Kurrierei (Wulff muss weg und alles wäre gelöst?), sondern für klare Aufklärung des Anfangs-Verdachts."

ich fürchte Sie haben meinen beitrag mißverstanden.
Wir brauchen mMn eine Diskussion über die politische Kulur in Deutschland und darüber, ob wir Vorteilsnahme im Amt durch Politiker tolerieren wollen. Die Mediendebatte überlagert eine solche Diskussion bzw. verhindert diese hier in der Com auf eine wie ich finde unsägliche Weise.

RE: Der Wulff und die bösen Medien | 14.01.2012 | 17:24

@ll

Obwohl sich bereits viele Experten zu den einzelnen Vorwürfen betreff Wulff geäußert haben, dürften sich wohl alle darin sein, dass in der Causa rund um die Kreditvergabe ein staker Anfangsverdacht vorliegt. Trotz dieses Anfangsverdachts hat die Staatsanwalt Hannover bisher kein Ermittlungsverfahren gegen Wulff eingeleitet, wohl aber gegen dessen früheren Sprecher Glesaeker, und zwar wegen eines vergleichsweise "harmloseren" Vergehens, nämlich diverser Gratisurlaube bei "Geschäftsfreunden".

Weiter hat Wulff sein Versprechen gegenüber der Bevölkerung, in dieser Sache Transparenz herzustellen, nicht eingehalten. In diesem Verhalten der Intransparenz liegt mMn übrigens die gravierendste Verletzung der Würde des Amtes, weil es die Würde der Bürger verletzt.

Ich möchte mich bei meinen Überlegungen auf´zwei Kommentare von Tom Strohschneider beziehen, weil diese mE die Ambivalenz der "Linken" im Umgang mit dieser Affäre am besten zu Ausdruck bringen:

Wenn Wulff das System ist (siehe hierzu den Kommentar von "Die Würde und andere Konjunktive"), müsste man dann nicht Wulff als Repäsentanten dieses Systems bekämpfen, wenn man das System verändern will?
Wie kann man einerseits sagen "Wulff ist Teil des Systems", sich andererseits aber schützend vor stellen und ihn zum Opfer einer Medienkampagne machen? Sorry, aber ich finde das schon etwas schizophren.

Wenn Tom Strohschneider in seinem neuesten Artikel "Jenseits des Schlosses" konstatiert, angesichts der viel größeren Probleme (Armut, Finanzkrise) könne man die Causa Wulff getrost ad acta legen (und mit dieser Argumentation liegt TS ja auf der Linie der Com), dann frage ich mich, ob jemand überhaupt mal darüber nachgedacht hat, dass viele eben dieser Probleme ihre Ursache in der Korrumpierbarkeit der Politik haben (Stichwort "Lobbying")? - Oder hat sich Frau Merkel bei der Eurorettung etwa nicht durch die Finanz- und Versicherungswirtschaft korrumpieren lassen?!

Indem man diesen Fall klein redet, rekurriert man gleichzeitig aufs große Ganze, nur: irgendwo muss man ja mal anfangen.

Aber nein, man hat ja schön längst den "Klassenfeind" ausfindig gemacht: Friede Springer.
Nun muss die Bildzeitung für alles herhalten und sei es noch so irrational. Ergo drängt sich mir folgender Verdacht auf: es geht gar nicht um das System und dessen Veränderung, sondern um so etwas wie einen "Klassenkampf" (damit korrenspondiert die eigenartige Vorstellung der Com von denen "da oben", von denen häufig recht kryptisch die Rede ist und ich frage mich dann immer, wer eigentlich damit gemeint ist?!) oder vielleicht ganz schlicht: einfach nur um den Kampf gegen Springer.

Haben die Linken in ihrer ideologischen Verbohrtheit jetzt etwa jeden Sinn für Gerechtigkeit verloren?!

Sorry, aber angesichts der Tatsache, dass uns mit der Causa Wulff die Pathologie des Systems sozusagen figurativ entgegenspringt, kann ich diese "schizophrene" Einstellung der "Linken" echt nicht nachvollziehen.

Nun denn, viel Spass noch beim Medienbashing!

RE: Neuer Verdacht im Präsidentenkrimi | 14.01.2012 | 15:40

@Christian

einig dürften sich doch wohl alle darin sein, dass in der Causa Wulff rund um die Kreditvergabe ein staker Anfangsverdacht vorliegt. Trotz dieses Anfangsverdachts hat die Staatsanwalt Hannover bisher kein Ermittlungsverfahren gegen Wulff eingeleitet, wohl aber gegen dessen früheren Sprecher Glesaeker, und zwar wegen eines vergleichsweise wesentlich "kleineren" Vergehens, nämlich Gratisurlauben bei "Geschäftsfreunden".
Weiters hat Wulff auch gegenüber der Bevölkerung sein Versprechen, in dieser Sache Transparenz herzustellen, nicht gehalten.

Wenn Wulff das System ist (siehe hierzu den Kommentar von Tom Strohschneider "Die Würde und andere Konjunktive"), müsste man dann nicht Wulff als Repäsentanten dieses Systems bekämpfen, wenn man das System verändern will?
Wie kann man einerseits sagen "Wulff ist Teil Systems", sich andererseits aber schützend vor Wulff stellen? Sorry, aber ich finde das schon etwas schizophren.

Wenn Tom Strohschneider in seinem neuesten Artikel "Jenseits des Schlosses" konstatiert, angesichts der viel größeren Probleme (Armut, Finanzkrise) könne man die Causa Wulff getrost ad acta legen (und mit dieser Argumentation liegt TS ja auf der Linie der Com), dann frage ich mich, ob jemand überhaupt mal darüber nachgedacht hat, dass viele eben dieser Probleme ihre Ursache in der Korrumpierbarkeit der Politik haben (Stichwort "Lobbying"). Oder hat sich Frau Merkel bei der Eurorettung etwa nicht durch die Banken- und Versicherungswirtschaft korrumpieren lassen?!

Aber nein, man hat ja schön längst den "Klassenfeind" ausfindig gemacht: Friede Springer und ihre Meute (Bild und co) müssen für alles herhalten und wenn es noch so irrational ist. Ergo: es geht gar nicht um das System und dessen Veränderung, sondern um so etwas wie einen "Klassenkampf" (damit korrenspondiert die eigenartige Vorstellung der Com von denen "da oben", von denen häufig recht kryptisch die Rede ist und ich frage mich dann immer, wer eigentlich damit gemeint ist?!) oder vielleicht ganz schlicht: einfach nur um den Kampf gegen Springer.

Haben die Linken in ihrer ideologischen Verbohrtheit jetzt etwa jeden Sinn für Gerechtigkeit verloren?!

Sorry, aber angesichts der Tatsache, dass uns mit der Causa Wulff die Pathologie des Systems sozusagen figurativ entgegenspringt, kann ich diese "schizophrene" Einstellung der "Linken" echt nicht nachvollziehen.

Nun denn, viel Spass noch beim Medienbashing!

RE: Neuer Verdacht im Präsidentenkrimi | 14.01.2012 | 15:09

@Christian

einig dürften sich wohl alle darin sein, dass in der Causa Wulff rund um die Kreditvergabe ein staker Anfangsverdacht vorliegt. Trotz dieses Anfangsverdachts hat die Staatsanwalt Hannover bisher kein Ermittlungsverfahren gegen Wulff eingeleitet, wohl aber gegen dessen früheren Sprecher Glesaeker, und zwar wegen eines vergleichsweise wesentlich "kleineren" Vergehens, nämlich Gratisurlauben bei "Geschäftsfreunden".
Weiters hat Wulff auch gegenüber der Bevölkerung sein Versprechen, in dieser Sache Transparenz herzustellen, nicht gehalten.

Wenn Wulff das System ist (siehe hierzu den Kommentar von Tom Strohschneider "Die Würde und andere Konjunktive"), müsste man dann nicht Wulff als Repäsentanten dieses Systems bekämpfen, wenn man das System verändern will?
Wie kann man einerseits sagen "Wulff ist Teil Systems", sich andererseits aber schützend vor Wulff stellen? Sorry, aber ich finde das schon etwas schizophren.

Wenn Tom Strohschneider in seinem neuesten Artikel "Jenseits des Schlosses" konstatiert, angesichts der viel größeren Probleme (Armut, Finanzkrise) könne man die Causa Wulff getrost ad acta legen (und mit dieser Argumentation liegt TS ja auf der Linie der Com), dann frage ich mich, ob jemand überhaupt mal darüber nachgedacht hat, dass viele eben dieser Probleme ihre Ursache in der Korrumpierbarkeit der Politik haben (Stichwort "Lobbying"). Oder hat sich Frau Merkel bei der Eurorettung etwa nicht durch die Banken- und Versicherungswirtschaft korrumpieren lassen?!

Aber nein, man hat ja schön längst den "Klassenfeind" ausfindig gemacht: Friede Springer und ihre Meute (Bild und co) müssen für alles herhalten und wenn es noch so irrational ist. Ergo: es geht der linken Öffentlichkeit gar nicht um das System und dessen Veränderung, sondern um den "Klassenkampf" (damit korrenspondiert die eigenartige Vorstellung der Com von denen "da oben", von denen sehr häufig recht kryptisch die Rede ist und ich frage mich dann immer, wer eigentlich damit gemeint ist?) oder vielleicht ganz schlicht: einfach nur um den Kampf gegen Springer.

Haben die Linken in ihrer ideologischen Verbohrtheit jetzt etwa jeden Sinn für Gerechtigkeit verloren?!

Sorry, aber angesichts der Tatsache, dass uns mit der Causa Wulff die Pathologie des Systems sozusagen figurativ entgegenspringt, kann ich diese Untätigkeit der Linken echt nicht nachvollziehen, mehr noch, ich finde diese sogar ziemlich peinlich.

Nun denn, viel Spass noch beim Medienbashing!

RE: Neuer Verdacht im Präsidentenkrimi | 14.01.2012 | 11:01

Rennomierte Rechtswissenschaftler sehen in der Annahme des Kredits durch Wulff die Grenze zur Strafbarkeit eindeutig erreicht:

www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809037,00.html

RE: Jenseits des Schlosses | 14.01.2012 | 10:56

"Stattdessen glotzt weiter alles auf einen früheren Osnabrücker Ratsherr (...)"

Ja, und das ist auch gut so. Ein, zwei Fragen wären da nämlich noch offen.