RE: Opfer Ost | 16.04.2019 | 22:14

Der Osten wurde kolonialisiert, wie der Westen in sich schon kolonialisiert war und fortwährend weiterkolonialisiert wird. M.a.W: dort gibts auch viele, denen es dreckig ging und geht. Ich lebe ja seit langem im Ausland: hier wird der Ostkolonialist übrigens als Exot gesehen und gelegentlich mit Fragen bestürmt, was mich immer wieder an eine denn doch positive Seite von Kolonie erinnert - eben nicht die Konotation 'von anderen vereinnahmt', sondern die des, wie genannt, Exotischen, des Außenpostens, der noch Lebenserfahrung aus einer fremden, im diese Falle einer untergegangen Welt mitträgt.

RE: System der Angst | 04.04.2019 | 12:00

Das Überwintern ist derzeit m.E. doppelt und dreifach schwer. Die Verlage klagen ja auch, dass sie bei der Manuskriptflut nicht mehr hinterherkommen. Die Literatursendungen in TV und Radio wie die Printmedien bringen hauptsächlich Rezensionen zu eher bekannten Autoren, dort sitzen auch immer die gleichen Rezensenten/Moderatoren, die dann auch als Juroren bei den einschlägigen Wettbewerben den Ton angeben. Zudem werden etwa in Zeitungen Rezensionen immer seltener und kürzer: werden Rezensenten nicht mehr anständig bezahlt? Und wirkliche Kritik, die auch die Form genügend betrachtet, wird da zur Ausnahme; man beschränkt sich meist aufs billige Nacherzählen von Handlung. Und dann gibts noch die Literaturwettbewerbe, wo meist dümmliche Themenvorgaben und Alters- und Regionalbeschränkungen Teilnahme für Autoren erschweren. Und öffentliche Fördermittel für Autoren sind sehr oft die Bedingung gebunden, bereits ein Buch unter eigenem Namen (Eigenverlag aber ausgeschlossen) publiziert zu haben, was offenbar bereits ein Qualitätsnachweis sein soll. - Dürre so ziemlich allerorten, würde ich sagen. Was vielleicht früher auch kaum anders war. Vom Schreiben zu leben, rückt da - sofern einer nicht grad die Modewellen a la Nazizeit, DDR, Migrantenliteratur und dergl. bedient - nicht nur in die Ferne, sondern dann schaffen es auch immer weniger Autoren überhaupt zur Publikation.

RE: Beruf: Schriftsteller | 05.01.2019 | 11:07

"in einem seiner vielen Gedichten" - ein n zu viel"eingeschränkten Funktion der Aldehyd-Dehydrogenese 2" - richtig wäre "Aldehyd-Dehydrogenase 2"

Der Job des Herrn H. ist halt das Reiten der Provokationswelle und der Zwang zum Aktualismus - und entsprechend berechnend ist ebenfalls, dass diese Texte sprachlich so konsumfreundlich daherkommen.

RE: Der Impresario der Revolte | 23.05.2018 | 20:51

Einfach nur Dinge, die ich nicht wusste oder bezweifelte oder interessant fand. Die Fachbereiche bei P&H sind auch ganz andere als die, von denen ich herkomme; also gabs was aufzuholen. Hab ich oft schriftlich getan, als Lernstrategie, und das auch auf den Seiten selber. Ich bin jetzt selber überrascht, was ich da alles reingeschrieben habe. Bei manchen Bänden besonders viel: so in dem zu Nachahmung und Illusion, und in dem zu Funktionen des Fiktiven. wirkt vermutlich noch einiges nach bei meinen jetzigen Tätigkeiten...

RE: Deutschland bringt bei mir nichts zum Klingen | 23.05.2018 | 12:21

Den 'Patrioten' sind deutsche Kultur und deutscher Wald von Wert allerdings bömische Dörfer. Wäre ihnen Kultur so wichtig, würden sie auch das Atribut 'deutsch' verabschieden, und beim Wald nämliches. Frau Dorn ist eben doch dermaßen mit Abgrenzung beschäftigt, dass eine Abgrenzungskultur draus wird. Der Baum einen Meter vor der deutsch-tschechischen Grenze ist wie der einen Meter hinter ihr - ja was wohl? - ein Baum, zu dessen Sein Nationalitätsangaben garnichts hinzufügen, als eben ein abstraktes Attribut.

RE: Deutschland bringt bei mir nichts zum Klingen | 22.05.2018 | 22:49

Versteh ich nicht, warum das mit 'Nation' und 'Kultur' immer wieder durchgekaut werden muss. Es bleiben Nomina, die extrem heterogene und sich auch permanent wandelnde Zusammenhänge bezeichnen sollen, inklusive vieler unmenschlicher Aspekte. Und deswegen muss die Positivierung scheitern. Schon die 'negative Dialektik' vergessen? Normativ kommt man auch mit der 'deutschen Kultur' nicht weiter, denn die bringt nichts Bedeutendes hervor, sondern Indiuviduen tun das, die vielleicht und extrem diffus u.a. von einem historisch-geografischen Kontext beeinflusst wurden, der auch nicht 'die deutsche Kultur' ist, sondern ein gewisses politisch-kulturelles Mikroklima zu einer gewissen Zeit an einem gewissen Ort, das sich Konkretionsversuchen 'von oben herab' immer wieder entzieht.

RE: Der Impresario der Revolte | 15.05.2018 | 22:01

Taubes ist auch so einer, den keiner mehr kennt - oder liest. Ich hab hier noch paar Bände von "Poetik und Hermeneutik", aus denen viele Klebezettel rausschauen...

RE: Cool down? Rise up! | 25.03.2018 | 22:13

Ich meine, man müsste das erstmal testen, wie es in jeweiligen Situationen praktisch ausssehen kann, sich nicht mehr provozieren zu lassen. Es kann nämlich bei aller 'theoretischen' Überzeugungskraft von Leos Argumenten sein, dass manche Varianten dessen doch nicht so gut funktionieren. Es wird wohl auch um nicht um völlige Abwesenheit oder Stille der Linken gehen können, wenn die AfDler und dergl. mal wieder poltern. Eher um eine souveräne Anwesenheit. Das wäre dann auch eine andere Position als die, welche die Autorin oben zu erkennen meint.

RE: Cool down | 15.03.2018 | 12:45

Der Artikel übergeht m.E., dass es ein "unternehmerisches Verhältnis zur Reizbarkeit" auch bei den Linken (oder den 'Linken') gibt. Die angeblichen Statisten haben durchaus mehr Interessen als 'nur' weltanschauliche' Statements. Da lässt sich so mancher durchaus gern provozieren, weil das nachfolgende Spektakel nebst Betroffenheitsprosa nämlich die eigen Klientel bedient bzw. mehr Teilhabe an der Aufmerksamkeitsökonomie ermöglicht.