lebowski
06.12.2012 | 21:46 9

Der König ist tot, es lebe der König!

Soziales Bis vor kurzem war Arno Dübel Deutschlands beliebster Hartz-IV-Schnorrer. Seit Dienstag gibt es einen neuen Spitzenarbeitsverweigerer.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied lebowski

Der trat bei "Menschen bei Maischberger" und heißt Ralph Boes. Heute war er der "Bild" direkt eine Titel-Story wert. Über Boes und seine totale Arbeitsverweigerung empören sich "Millionen Deutsche" (O-Ton Bild), also solche, die für einen Hungerlohn die Knochen hinhalten und gerne mal so dreist wären wie Boes, sich aber leider nicht trauen. Boes saß tiefenentspannt im Schneidersitz auf der Couch bei Maischberger und dozierte, er wäre ja gar nicht arbeitsscheu sondern würde Vorträge über das Hartz-Iv Zwangssystem halten. Die könnte man ihm ja bezahlen, genau wie dem Steinbrück. Worauf sich denn doch Empörung breit machte. Richtige Arbeit sei ja nur solche, die Profit abwirft. Aha! Also wenn demnächst mal wieder ein Kind verhungert, nicht wundern, die Mutter könnte sich diese Ansicht zu Herzen genommen haben und lieber von einem Call-Center aus andere Leute belästigen, anstatt sich der Kinderpflege widmen, die bedauerlicherweise kein Gewinn abwirft.

Unbedint erwähnen sollte man noch Gisela Muth. Die Millionärsgattin und Unternehmerin verdient ihre Kohle mit irgendwelchen Makeups, denen sie ungelogen Blattgold und Kaviar beimischt. Für den Fall, dass sie mal arbeitslos würde, wäre sie sich natürlich für keinen Job zu schade. Im Moment gehts aber finanziell einigermaßen und sie hat wichtigere Dinge zu tun. Sie könnte zum Beispiel ihren Schönheitschirurgen verklagen. Der Metzger hat das Gesicht der Dame so verhunzt, dass es nur noch wenige Operationen von dem von Michael Jackson entfernt ist.

Bei einem Talkshow-Ensemble, dass sich der Frage Arbeit oder nicht widmet, darf natürlich die obligatorische Putzfrau nicht fehlen, die sich für einen Hungerlohn den Buckel krummschuftet, aber sich trotzdem kein schöneres Leben vorstellen kann. Die Dame hieß diesmal Heidi Ralfs und war die schärfste Kritikerin von Boes. Mit solchen Damen kann der Kapitalismus überleben! Und das Motto der Sendung "Wer arbeitet, ist der Dumme?" muss man im Hinblick auf Frau Ralfs mit "Ja!" beantworten. Sie wolle nicht mit ihren Steuern Herr Boes finanzieren. Das ist schön gesagt, aber wahrscheinlich ist der Dame gar nicht klar, was sie so alles mit ihren Steuern finanziert. Hier mal ein kleiner Überblick: die meiste Hartz-IV-Kohle geht gar nicht direkt an die Betroffenen sondern an die florierende Hartz-IV-Industrie. Der Staat lässt sich die Illusion, dass Arbeitslosigkeit auf individuellem Versagen beruht und mit etwas Bildung kuriert werden kann, einiges kosten.

Auch Ralfs Arbeitgeber wird, so er gierig und dreist genug ist, üppig alimentiert. Zum einen über den Schuldendienst,des Staates. Jährlich 50 Milliarden an Zinsen zahlt die öffentliche Hand und die gehen in der Regel direkt ans Geldgesindel. Sollte ihr Arbeitgeber nicht genug Kohle haben, wird der Staat über Steuermittel Ralfs Gehalt auf Hartz-IV-Niveau aufstocken. Die dame finanziert also quasi ihre eigene Verelendung. Es gibt noch einige andere unappetitliche Dinge die Frau Ralfs mit ihren Steuermitteln finanziert: Krieg, Waffenexporte an Frauenhasser-Regime usw.. Also: das beste, was man mit Steuerkohle machen kann, ist, Arbeitsverweigerer wie Boes zu finanzieren.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (9)

GEBE 06.12.2012 | 22:40

Die Essenz seiner "Sprüche", d. i. das Aufzeigen der Verfassungswidrigkeit der Hartz IV Systems, ist durchais treffend, Nur sein Entertainment ist abgeschmackt und geradezu kontraproduktiv.

Ich schrieb hier: https://www.freitag.de/autoren/dr-satori/menschen-und-mutanten-bei-maischberger

"

Was ich Herrn Boes ankreide ist, daß er mit seinem Gebaren eine Projektionsfläche schafft, die zur Vermehrung und Bestärkung von Klischees über SGB II-Beziehern beiträgt.


Mit seinem Gebaren trägt er dazu bei, den sehr berechtigten Protest gegen dieses verbrecherische Hartz IV-System der Lächerlichkeit zuzuführen!

Was seriöse Hartz IV- Gegner gegen dieses menschenverachtende System vorne argumentativ solide aufbauen, reißt Boes hinten mit dem Arsch wieder ein durch sein profilneurotisches Gebaren ein!"

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Ehemaliger Nutzer 07.12.2012 | 10:14

Bis vor kurzem war Arno Dübel Deutschlands beliebtester Hartz-IV-Schnorrer. Seit Dienstag gibt es einen neuen Spitzenarbeitsverweigerer. Der trat bei "Menschen bei Maischberger" und heißt Ralph Boes.

Boes, der Name ist Programm. Dübel klingt auch viel zu sehr nach Arbeit, um glaubwürdig zu sein.

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 07.12.2012 | 10:21

Apropos "Schnorrer". Früher, als alles noch besser war, gab es den Schnorrerkönig Poldi Waraschitz. Der ist bei den Parties der Reichen und Schönen aufgetaucht und hat sich dort am Kalten Büffet durchgeschnorrt. Er wurde bekannt, er wurde berühmt und war schließlich so mächtig, daß die Reichen und Schönen nach ihm lechzten.

Wennst du als Playboy eine Party arrangiert hast und der Waraschitz war nicht dabei, dann warst du gesellschaftlich out, geächtet, ein Nichts & Niemand.

Ciao

Wolfram

lebowski 07.12.2012 | 18:52

Ich habe Boes zum ersten Mal bei Maischberger gesehen, kann also nicht viel zu ihm sagen. Aber man muss es ihm ja schon positiv anrechnen, dass er zu seiner Arbeitsverweigerung steht und nicht zu diesen verhärmten, blöden Gestalten gehört, die in solchen Runden kundtun, dass sie jeden Job annehmen würden. Man muss den Kakao nicht trinken, durch dem man gezogen wird.

Auch die Anprangerung von Hartz-IV ist ziemlich witzlos, da das ohnehin kaum noch jemand verteidigt. Wer also gegen Hartz-IV polemisiert, rennt ohnehin überall offene Türen ein.

Viel wichtiger wäre es mal, wenn man jemand diesen lächerlichen Arbeitsfetisch aufs Korn nehmen würde.

Oberham 12.12.2012 | 08:54

Ich hab das jetzt grad gelesen, (Stichwortsuche Maischberger)

Gerstern sah ich mir die Sendung an.

Oben wurd im Prinzip genau meine Empfindung widergegeben.

Ich würde es kurz so ausdrücken:

Es waren sieben Leute zu sehen, fünf erhalten das Geld für ihren Lebensunterhalt direkt vom Staat, vier davon wohl mit dem Faktor drei oder höher über dem, was ihnen zustünde - nun Gewinner.

Wobei keiner dieser vier "arbeitet" - einer führt eine gigantische Entwürdigungsargentur, einer wirkt als Volksverkäufer in Bayern an machtvoller Stelle, eine wirkt als populistisches Feigenblatt in Berlin an weniger machtvoller Stelle - aber trotzdem hübsch ausgetattet und unglaublich privilegiert (wie sie selber zugesteht...), eine lebt nicht von Steuern, sondern von Gebühren und hat sich als systemtreue Moderatorin bewährt und entsprechend die Lohngruppenleiter hochgehangelt (das klassische Prinzip einer erfolgreichen Karriere)

Was bleibt?

Nun, die etwas seltsame Dame, - ich würde sagen, das Endziel unserer privatwirtschafltichen Welt - ja so sieht der Traum vom Millionärdasein aus (geht irgend jemandem ein Lichtlein auf?)

Die Frau, die wohl tatsächlich von unserer Konditionierungssystematik zu einer totalmanipulierten Denkweise verdammt, ständig den Kopf schütteln musste und betroffen zu Boden starrte, angesichts des hemmungslosen, gewissenlosen und volksschmaroztenden Menschen, der direkt rechts neben ihr in verwirrender Körperhaltung saß.

Zuletzt eben jener, der Herr, der sich nicht dazu antreiben läßt, sinnloses zu arbeiten, er nicht im Callcenter seine Eloquenz aufblitzen lassen möchte, der einfach nicht das passende Angebot von der hochmotivierten Arbeitsargentur erhält und somit ständig unbezahlt "arbeitet".

Ich finde Herrn Boes nicht sympatisch, doch ich achte ihn für seinen Mut, ich stimme ihm voll zu, wenn er ausspricht, was keiner auszusprechen wagt, der eine laute Stimme hätte:

"Die Reichen zahlen keine Steuer!"

Ich setze noch eins drauf:

"Die Reichen nehmen nur, sie geben nichts - was logisch ist, wie sonst sollten sie reich sein?"

Wie legte schon Brecht seiner Figur in den Mund:

"Währ ich nicht arm, wärhst du nicht reich!"

Tja - es ist zwar nicht so, dass die arme Frau in der Runde alle anderen mit ihrer Arbeit alleine ernährt, doch sie ist es - die ihr Leben für diese Gewinner aushaucht und abputzt!

Sie hat auch gleich zwei nützliche Nachkommen geworfen, die dort weitermachen dürfen, wo sie aufhört, wenn sie tod umfällt (sie deutete ja an auch mit 80 noch bitte bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber putzen zu dürfen!)

Damit ist sie das klassische Beispiel für die Wahl die der gewöhnliche Mensch auf dieser Welt hat:

Stirb oder lass dich ausbeuten!

Oberham 12.12.2012 | 09:00

Wär .....,, wärst ..... ich hasse Orthographie, auch ein Verlust von Freiheit! (Ja, da sind noch zig andere Fehler - aber man kann es lesen!)

.... und der Freitag lässt einem keine edit-funktion mehr insofern habich bei allen Formalisten ausgeschissen! (Ja - ich würd echt korrekturlesen... - aber erst wenn ich den ganzen Text vor mir habe!