Na Uschi, wie wärs denn mal mit arbeiten?

Arbeit Bundesarbeitsministerin von der Leyen kümmert sich mal wieder um Themen, die sie nichts angehen.
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Die "Süddeutsche" titelt heute: "Von der Leyen heizt Streit über Eurobonds an". vdL könne sich gemeinsame Anleihen in Europa vorstellen.

"Im Spiegel sagte sie, dass sie die Einführung von Eurobonds nicht kategorisch ausschließt. "Wenn es eine vollständige, gemeinsame Fiskalpolitik mit einer wirksamen Schuldenkontrolle gibt, dann sind gemeinsame Anleihen eine Option", sagte die stellvertretende CDU-Vorsitzende. Gleichzeitig schränkte sie aber ein: "Jetzt darüber zu diskutieren, wo es die Rahmenbedingungen noch gar nicht gibt, ist völlig absurd."

So geht Politik heute: eine Diskussion zu entfachen und dann behaupten, es gebe nichts zu diskutieren. Natürlich weiß jeder, der sich nur fünf Minuten mit Politik beschäftigt hat, dass, wenn ein führendes Regierungsmitglied behauptet, es könne sich etwas vorstellen, das nichts anderes bedeutet, dass genau die Vorstellung mit hundertprozentiger Sicherheit Realität wird.
Aber die lachhaften Rückzugsgefechte zur Gesichtswahrung sollen hier gar nicht das Thema sein, sondern die Frage, wieso vdL zu allen möglichen Themen, für die sie nicht zuständig ist, ihren Senf dazugibt. Meine Vermutung: sie hat als Bundesarbeitsministerin nichts zu tun.

UvdL hat nach zweihundert Jahren die soziale Frage endlich gelöst - zumindestens in Deutschland. Das ist ihr historischer Verdienst.
Deutschland geht es gut. Das größte Problem, dass "wir" (heißt: alle außer mir) haben, ist, dass wir im EM-Halbfinale gegen die bankrotten Italiener rausgeflogen sind. Die Arbeitslosigkeit erreicht historische Tiefstände, die Firmen machen Rekordumsätze. Auch den Fachkräftemangel hat Uschi im Griff, da die verarmten, arbeitslosen südeuropäischen Ingenieure gerne zu uns kommen. Ich verstehe zwar nicht, wieso wir uns über griechische Ingenieure freuen sollen, wenn der Grieche an sich doch so stinkfaul ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Soweit alles im grünen Bereich. Es gibt zwar einige linke Kleingeister, die auf geschönte Statistiken und auf die riesige Anzahl schlecht bezahlter Leiharbeiter verweisen. Aber auf keinen Fall wollen wir kleinlich werden und den Verdienst unserer deutschen Powerpolitikerin schmälern, die nicht nur sieben Kinder großgezogen hat sondern ein Studium in der Rekordzeit von etwas weniger als zwanzig Jahren fast beendet hätte .

Nach dem UvdL also alle sozialen Probleme in Deutschland gelöst hat, kann sie sich Themen widmen, die etwas weiter von ihrem Ressort entfernt liegen. Es ging los mit dem Bildungsgutschein für Hartz-IV-Kinder. Da Hartzer traditionell ihre ganze Kohle versaufen und sonst nur RTL 2 gucken, war es Uschi ein Herzensanliegen, deren Kinder etwas Kultur und Bildung zukommen zu lassen, zB den Blockflötenunterricht, den jedes Bürgerkind in der Kindheit genossen hat. Auch hier könnten Kleingeister einwenden, dass es vornehmlich vdLs Aufgabe ist, den SGB2-Beziehern Jobs zu besorgen, damit sie sich die Bildung selber leisten können. Aber geschenkt. Überhaupt pflegt die Multimillionärin Ursula von der Leyen ein sehr entspanntes Verhältnis zur Armut, das dem der französischen Königin Marie-Antoinette nicht unähnlich ist. Wenn der Arme kein Brot hat, soll er eben Kuchen essen. Oder modern: wenn der Hartz-IV-Empfänger am Ende des Monats pleite ist, sollen die Kinder trotzdem Blockflöte lernen.

Ein weiteres Thema, das UvdL ein Herzensanliegen ist, ist eine Frauenquote für Firmenvorstände. Ein exklusives Premiumthema, von dem bestimmt hundert Frauen in Deutschland betroffen sind. Aber Ursula ist eben eine Kümmerin, wie "Welt Online" auf Geheiß von Friede Springer schreiben lässt. Da wendet man sich auch schon mal Randthemen zu.

Ein weiteres Thema, für das vdL brennt, ist die Entgrenzung von Arbeits- und Privatleben durch moderne Kommunikationsmittel und den damit verbundenen Arbeitsstress. Das ist ein Thema, bei dem Ursula von der Leyen aus persönlicher schmerzlicher Erfahrung mitreden kann. Sie selber war auch mal in so einer Tretmühle, als sie drei kleine Kinder zu Hause hatte und ihr Jahr als Assistenzärztin gemacht hat, wie sie in "Günther Jauch" bei Günther Jauch zugab. Auch da ging mir so ein Gedanke durch den Kopf wie: hat die dumme Nuss noch nie etwas von Familienplanung gehört. Wer ist denn so doof und setzt drei Kinder vor Beendigung des Studiums in die Welt. Und wenn man schon so doof ist, sollte man wenigstens öffentlich nicht über Arbeitsstress rumjammern -zumal wenn man stinkreich ist und genausogut zu Hause bleiben könnte. Mit ihrem Arbeitsstress ist sie dann zu einem Professor gegangen, der ihr sagte, sie solle auf ihre work-life-balance achten, wie es im Dummdeutschen heißt.

Das es ein Professor war, der ihr diesen banalen Ratschlag gab, kann UvdL gar nicht genug betonen. Hätte sie den gleichen Ratschlag von einer osteuropäischen Putzfrau gekriegt, hätte sie ihn natürlich ignoriert. Seit diesem Gespräch mit dem Herrn Professor hat es sich UvdL zur kruppeisernen Regel gemacht, dass das Wochenende der Familie gehört - es sei denn, sie kriegt eine Einladung von Günther Jauch in die Sonntagsabendtalkshow, dann natürlich nicht.

Und so sitzt sie dann in den einschlägigen Laberrunden und verweist darauf, dass es glasharte Regeln gibt, die es Arbeitgebern verbieten, ihre Mitarbeiter am Wochenende zu belästigen.

Ärgerlicherweiser halten sich Arbeitgeber aber nicht an diese Regeln und da schaut es etwas blöd aus für vdL. Was will man da machen? Etwa den Arbeitgebern verbieten, am Wochenende Mitarbeiter anzurufen. Das dürfte schwer durchzusetzen sein.

Also kann UvdL überhaupt nichts machen, außer natürlich sich wichtig - und zwar bei Jauch, Plasberg und Co..

16:04 08.07.2012
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Geschrieben von

lebowski

Ein Leben zwischen Faulenzerei und Leiharbeit.
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