DAS ENDE DER DEMOKRATIE

ESM Abtimmung Mit der Zustimmung zum ESM geben die Bundestagsabgeordneten gegen unseren Willen die Demokratie ab. Eine kurze Geschichte.
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Das Ende der Demokratie, wir sahen es nicht, weil es gut verpackt kam, in Geschenkpapiper, mit einem Schleifchen versehen. Es wurde uns als Rettung verkauft. Rettung vor uns selbst, vor unseren Schulden. Die Banken wurden als Dreh- und Angelpunkt dargestellt. Wenn sie erstmal gerettet würden, hätten wir nichts mehr zu befürchten, sagte man uns.

Wer war man? Man – das waren die Medien. Die sagten uns alles. Allen voran Spiegel Online, als Schlachtschiff deutschen Qualitätsjournalismus. Irgendwann war dieses Medium aber neu besetzt worden, von Wirtschaftsredakteuren die zeitweise auch als Wirtschaftslobbyisten in Erscheinung getreten waren. Und so machten der Spiegel und andere Medien, die im Besitz sehr reicher Familien waren, uns erst ganz viel Angst, um uns dann zu sagen: Ihr müsst Euer Geld – also das Eurer Staaten – den Banken geben, damit sie Euch retten können, vielleicht.

In Wirklichkeit wollten die Banken niemanden retten. Sie wollten Macht. Und zwar nicht nur in Großbritannien und den USA, wo sie seit jeher die Macht hatten, sondern jetzt auch in Europa. Sie wollten die totale Kontrolle über Europa. Kontrolle hat man, wenn man über die Verteilung der Güter bestimmt. Güter erhält man mit Geld. Kontrolle hat also, wer die Zahlung von Geldern kontrolliert. Früher war das der Staat.

Doch was war mit den Staaten? Die druckten doch schließlich das Geld und die hatten doch auch die Macht. Eine Weile schon, zumindest in Europa. Nicht aber in den USA. Da druckte das Geld seit jeher eine kleine Gruppe privater Banker.

Um dies auch in Europa tun zu können, infiltrierten die machthungrigen Banker und ihre nach Oligarchie dürstenden Helfer in Wirtschaft und Medien die politischen Ebenen. Sie freundeten sich eng mit Abgeordneten, Regierungsmitgliedern, Parteichefs an. Sie ließen sich teilweilse sogar selbst in Ämter wählen.

Das dauerte eine Weile, doch als es soweit war, war ihr politischer Einfluß bereits übermächtig gegenüber dem politischen Einfluß aller anderen Bürger, und waren sie zahlenmäßig noch so unterlegen.

Sie schlugen der Politik vor, eine kleine Europaregierung zu installieren. Als Schutzschild gegen die gemeinen Märkte, die Europa immer wieder angriffen. Aber wer waren denn diese Märkte, die Europa immer wieder angriffen? Die Finanzmärkte. Und wer waren die mächtigsten Akteure auf den Finanzmärkten? Es waren genau jene, deren Zuflüsterer eine kleine Europaregierung installieren wollten. Die Angreifer Europas und die angeblichen Retter waren also die selben.

Der Angriff war eine Täuschung, er versetzte gestandene Bundestagsabgeordnete und Abgeordnete in ganz Europa in Schrecken, machte sie blind und taub, raubte ihnen den Verstand. Die Freunde aus der Finanzwirtschaft lockten und drohten derweil, sie saßen – im Gegensatz zu den Bürgern – immer und überall mit am Tisch. Auffallend viele von ihnen hatten in ihrem Leben schon einmal bei einer Bank gearbeitet, die meisten bei Goldman Sachs.

Warum nahmen die Bürger das alles hin, protestierten nicht, wählten nicht andere Parteien, zerrten die Verantwortlichen nicht aus dem Bundestag?

Die meisten hatten schlicht keine Ahnung, was vor sich ging. Dass sie viel arbeiten mussten, und ihre berechtigten persönlichen Sorgen und Probleme hatten, war verständlich. Aber den Teil ihrer Freizeit, den sie in Freude und Lebenslust und die Pflege ihrer Demokratie hätten investieren sollen, investierten sie allein in Freude und Lebenslust.

Wobei Freude längst zu dem abgestandenen Gefühl verkommen war, sich ein neues Produkt zu kaufen, Lebenslust allein im Essen und Trinken und dem Konsum aufregender Fernsehshows bestand. Diejenigen, denen das nicht reichte, machten Extremsport, surften im Internet nach neuen Produkten, neuen Apps, alten Freunden und Menschenverachtenden Filmchen, und unterhielten sich Tag ein Tag aus sehr schlau über alles mögliche. Nur nicht über Politik. Politik war ihnen langweilig. Politik war unsexy.

Eine dritte Gruppe, gegenüber der ersten und zweiten schon beachtlich kleiner, durchschaute die Vorgänge oder ahnte zumindest, das gerade etwas Unglaubliches passierte. Diese Menschen, resistent gegen die PR und in Sorge um die Freiheit der eigenen Kinder, hatten zwar die Wahrheit auf ihrer Seite, mussten aber immer aufpassen, was sie sagten, weil sie sonst schnell zu Verschwörungtheoretikern erklärt wurden.

Das Wort Verschwörungstheoretiker war aufgrund guter Arbeit der Medien nicht mehr in zwei Teile zu kriegen. Man sprach niemals von Verschwörung, niemals von möglichen Verschwörungen, niemals von Verschwörungspraxis, Verschwörungspraktikern. Dabei war die Menschheitsgeschichte nachweislich voll von Verschwörungen und Verschwörungspraktikern. Fast immer wurden politische Zustände durch Verschwörungen verändert.

Nun tat man in den Medien trotzdem so, als gäbe es sowas nicht. Als sei die Vermutung einer Verschwörung gleichzusetzen mit der Vermutung außerirdischen Lebens. Wer Verschwörungen in Betracht zog, wurde mitleidig angesehen oder gleich zum Psychiater geschickt. Jedenfalls mochte man sich nicht mehr mit ihm treffen.

Das war einer der größten Tricks der kontrollierten Medien. Jedem Freigeist seine geistige Zurechnungsfähigkeit abzusprechen sofern sein freier Geist ihm Erkenntnis verschaffte, die nicht gewünscht war.

Um dabei einen offenen Diskurs vorzutäuschen, benannte man hier und da Pseudozweifler. Diese vermittelten den beunruhigten Bürgern neben dem Schein der Meinungsvielfalt auch das Gefühl, dass es jemanden gäbe, der sich der Sache bereits annähme. Dass es jemanden gäbe, der da schon auf den Tisch haue, dass man sich also entspannen könne.

Natürlich gab es auch Medien, die so etwas nicht taten. Solche, die vorsichtig, aber aufgrund ihrer Integrität vage Zweifel melden konnten, selten mutig voran die Süddeutsche, meistens kleinere Blätter, die von den „Großen“ wahlweise als zu rechts (Junge Freiheit) oder zu linksradikal (Neues Deutschland) gebranntmarkt wurden.

Dies aber war ein deutliches Indiz dafür, dass in der politischen Mitte etwas nicht stimmte. Das nämlich sehr linke und sehr rechte Medien und Freigeister in vielerlei Hinsicht derselben Meinung waren. Das hätte die meisten Bürger stutzig machen müssen.

Doch sie waren so sehr mit ihren Computern und Netzwerken beschäftigt, dass sie nicht einmal den Grund für dieses Alarmsignal hinterfragten. Sie luden sich Apps auf ihre Geräte und feierten Partys und hungerten nach Sex, dem sie nie bekommen würden. Sie vergötterten Steve Jobs, den Erfinder ihrer Computer. Spiegel-Redakteure ließen in Kommentaren durchblicken, dass eine gewiefte Marke zur ihrer Ersatzreligion geworden war. Man nannte sie Jünger. Apple-Jünger.

In dieser Welt also, in dieser Zeit, in der alle dachten, so etwas könne es heute gar nicht mehr geben und für Politik fehle einem ohnehin Lust und Zeit, passierte der größte Putsch der jüngeren Geschichte der Menschheit. Die Übernahme Europas durch britisch-amerikanisch dominierte Finanzoligarchen.

Natürlich hatte es massenhaft Warnungen gegeben. Doch die waren nicht oder nur am Rande über die Medien verbreitet worden. Und sie wurden schon gar nicht täglich wiederholt, mit der Wahrheit wurde also seitens der Medien nicht verfahren wie mit den Lügen. Die Lügen wurden ständig wiederholt. Angst vor den Märkten. Es hilft uns nur noch der Fiskalpakt.

Angst vor den Märkten. Es hilft uns nur der Fiskalpakt.

Angst vor den Märkten. Es hilft uns der ESM. Angst vor den Märkten. Es hilft der ESM.

Sogar etliche tapfere EU-Abgeordnete hatten längst in eindringlichen Appelen gewarnt, dass die Finanzlobby in Europa viel zu stark sei, dass Hedgefondmanager in ganzen Gruppen nach Brüssel kämen und Abgeordnete bedrängten, sogar privat.

Und so ließen sich die Bürger sehenden Auges oder im Wahn, sich als Erwachsene wie Kinder benehmen und für nichts verantwortlich fühlen zu müssen, ihre Demokratie nehmen.

Mit dem ESM geht die Kontrolle über das wichtigste Machtinstrument der Völker an einen seltsam schleierhaften Gouverneursrat, eine Art internationale Firma. Das Machtinstrument ist der Geldhahn. Die Abgeordneten des deutschen Bundestages missachten ihr Volk, sie haben sie von Argumenten verabschiedet, sie agieren wie ferngesteuert.

Es gibt einige, die tapfer waren, wie damals, als es auch eine Diktatur zu verhindern galt. Doch die meisten, die allermeisten haben zugestimmt, UNWIDERRUFLICH auf Anforderung Gelder an den ESM abzugeben und andererseits von der „Güte“ des ESM abhängig zu sein.

Wir – das Volk – haben endlich wieder einen Diktator. Er tarnt sich als Retter. Seine Mitarbeiter sind unantastbar, stehen über dem Recht. Sein Name ist ESM und der Tag wird kommen, an dem wir seine Macht spüren werden.

19:41 01.07.2012
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Geschrieben von

Leif Anderson

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