Lemmansky

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RE: Zu welchem Zweck betreiben wir Journalismus? | 15.07.2012 | 18:13

Der Freitag hat ein gigantisches Potential eine Marktlücke zu füllen. Die Menschen ächzen nach einer Zeitung, die erkannt hat, dass wir längst nicht mehr in einer funktionierenden Demokratie leben und unsere Eliten in guter Zusammenarbeit mit der CDU und den Medien das stolze und fleißige Volk der Deutschen für dumm verkaufen und es stätig weiter Richtung Abgrund führen. Eine Zeitung die mit Härte, unverblümt und von hervorragender Qualität aufklärt, wäre ein Segen für Linke, Bürgerlicher und jeden anderen, der endlich Wahrheit und Aufrichtigkeit will. Das ist der Zweck von Journalismus. Müller ist der Pispers unter den Blogs: Er trifft die Menschen da wo es wehtut. Der Freitag könnte das auch.

RE: Offener Brief an Albrecht Müller | 28.06.2012 | 17:07

„Wahrscheinlich, weil Sie es für selbstverständlich halten, immer alles besser zu wissen als die gewählten Politiker.“

Ich bin treuer NDS-Leser, muss Augstein aber in diesem Punkt Recht geben. Mit welcher verbalen Härte sich Müller und seine Crew in den letzten Monaten manchen Themen oder Personen gewidmet haben ist schon beachtlich. Es erscheint häufig so, als hätte man – gerade in ökonomischen Fragen – die Wahrheit für sich allein gepachtet. Arrogant und abschätzig wird jede auch noch so leicht abweichende Meinung denunziert. Es erscheint fast so als hätten Bofingers Vorwort und Wagenknechts Erwähnung bei Beckmann einen Höhenflug ausgelöst.

Wie Precht es einmal so schön formuliert hat: „Die Vorsilben Alt- und Ex- stimmen offenbar moralisch.“ Beim Schreiben sollte man sich immer in die Lage derer versetzen, die man kritisiert und abwägen, wie realistisch es ist, dass man selbst in einer ähnlichen Situation vollkommen diametral handeln würde. Das verleiht Demut.

RE: Raus aus den Hinterzimmern | 12.01.2012 | 11:18

Sie vergessen bei ihrer Argumentation eines: So wie bisher funktioniert es ganz offensichtlich nicht. Die Linke will doch handeln, sie will verändern. Um das zu erreichen, muss sie sich einen Plan machen, wie sie mehr Wählerstimmen ergattern kann. Denn nur diese befähigen die Partei auch, reelle Macht auszuüben.

Es geht nicht darum inhaltliche Qualität über Bord zu werfen und dafür die PR-Trommel zu rühren. Ganz im Gegenteil. Es geht darum inhaltliche Qualität richtig zu verkaufen. Denn nicht jeder gute Verkäufer hat automatisch ein schlechtes Produkt, welches er irgendwie verschleiern will. Es gibt auch gute Produkte von guten Verkäufern. Außerdem sollte die Linke bedenken, dass sie nicht die intellektuelle Elite sondern die breite Masse für sich gewinnen muss. Es ist purer Idealismus zu glauben, dass diese Masse sich intensiver als zwei Stunden im Monat mit politischen Inhalten beschäftigt und dass sie sich plötzlich davon überzeugen ließe, nicht mehr blind zu konsumieren. Dieser Zustand wird sich erst dann ändern, wenn es den Menschen - frei nach Marx - so schlecht geht, dass sie gar keine andere Wahl haben als einen Umbruch zu gestalten. Die Linke kann entweder warten bis es so weit ist oder sich stattdessen ein professionelles und erfolgversprechendes Konzept zum Wählerfang geben. Die politische alternative Linkspartei funktioniert nur, wenn sie sich genau darauf konzentriert. Sowohl auf dem Weg zur Regierungsverantwortung als auch in der Regierung selbst müssen schmerzliche Kompromisse eingegangen werden. Doch ein guter Kompromiss ist immer noch besser als weitere sechzig Jahre SPD und CDU.

„Was müsste die Linke tun, damit zum Beispiel Friede Springer und die Familie Mohn ihr Personal anweisen, derartige Schlagzeilen zu produzieren?“

Eben genau das tun. Sich vom Begriff des Sozialismus trennen. An dieser Schlagzeile käme auch Springer nicht vorbei.

„Was genau bedeutet „soziale Marktwirtschaft“? In welcher konkreten Situation waren Besitzer der Produktionsmittel bereit, Arbeitskraftverkäufern die Zugeständnisse zu machen, die unter dem Schlagwort „soziale Marktwirtschaft“ bekannt sind? Kann eine Bundesregierung diese Situation wiederherstellen?“

Ordoliberalismus. Die Bundesregierung könnte diese Situation wiederherstellen, ja. Sie muss selbst die konkreten Situationen schaffen, in denen die Besitzer der Produktionsmittel für Zugeständnisse bereit sind. Es gibt dazu zwei Alternativen: 1. Die Anwendung des Nudge-Konzepts zur Anregung der Arbeitgeber eigene Vorteile aus Gerechtigkeit zu ziehen. 2. Gesetze und deren Kontrolle

„Wie können Leute, die seit ca. 2 Jahrzehnten auf „Ausbau des Niedriglohnsektors“ und möglichst vollständige Privatisierung des öffentlichen Infrastruktur setzen, von einer Rückkehr in die ökonomische Situation der 60er Jahre überzeugt werden?“

Garnicht.

„ Wie könnte eine "soziale Marktwirtschaft" im ökonomischen Machtzentrum BRD wiederhergestellt werden ohne den Hinterhof des Wohlstandes im Prekariat festzubinden?“

Mit Hilfe des Faktors „Ehrbarkeit“ in die ökonomische Grundgleichung. Gewinnmaximierende Unternehmen tun etwas kurzfristig Rationales: Ihren Gewinn maximieren. Langfristig gesehen bedeutet das den ökologischen Untergang des Planeten, der eng mit der Ungerechtigkeit auf der Welt verknüpft ist. Davon haben auch die Unternehmer nichts. Es muss also eine Möglichkeit geschaffen werden, Unternehmen bindende Fairnesskriterien aufzubürden. Außerrdem muss über den Wachstumsbegriff neu nachgedacht werde. Qualitatives Wachstum in den Industrienationen und zunächst einmal quantitatives Wachstum in den Entwicklungsländern.

„Würden nicht gerade die kritikfähigen Wähler verloren gehen, wenn „soziale Marktwirtschaft“ als werbewirksames Nostalgieschlagwort ohne plausibles Konzept auf den Wählermarkt geschmissen würde?“

Konzeptlosigkeit war nie das Thema. In Sachen Wirtschaftspolitik muss die Linke aber noch einiges tun. Vor allem im Bezug auf die Alternativen. Was soll man sich unter demokratischem Sozialismus konkret vorstellen? Staatliche Banken von korrupten staatlichen Funktionären anstatt korrupten privaten Managern geführt? Das hilft uns nicht weiter. Die Linke muss soziale Marktwirtschaft detailliert definieren. Dabei darf auch der Markt nicht zu kurz kommen. Denn ein funktionierender Markt ist auch ein funktionierendes System.

RE: Raus aus den Hinterzimmern | 11.01.2012 | 23:11

Als Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht ihren Status kürzlich auf „in einer Beziehung“ geändert hatten, wurde der Linken so viel mediale Aufmerksamkeit zu Teil, wie nur selten zuvor. Dieser Umstand ist zwar bedauernswert, er ist aber Teil unserer Realität. Die Linke muss akzeptieren, dass ein ausgeklügeltes Parteiprogramm, sinnvolle Anträge im Bundestag und hochgradig intellektuelle Diskussionen niemanden interessieren außer ihr selbst. Sowohl die Presse als auch die Bürger dieses Landes wollen charismatische, charmante und überzeugende Führungspersönlichkeiten sehen. Sind diese Personen gefunden und in der Parteispitze etabliert, so besteht tatsächlich eine reelle Chance die SPD als „Volkspartei“ abzulösen. Den Fokus sollte man dabei darauf legen, sich vom stereotypischen Bild des Politikers zu lösen. Die Linke hat dazu als einzige Partei eine Chance, da sie nicht mit den Interessen der Wirtschaft verbandelt ist und offen die Wahrheit sagen kann. Diesen Vorteil sollte sie viel effektiver nutzen. Des Weiteren muss sich die Linke von dem Wort „Sozialismus“ vollständig verabschieden. Damit meine ich ausdrücklich nicht die Idee sondern den Begriff. Die Deutschen wollen keinen Sozialismus – auch keinen demokratischen. Die Schlagzeile „Linke verabschiedet sich vom Sozialismus und setzt zukünftig auf soziale Marktwirtschaft“ würde den Damm in die richtige Richtung brechen. Auch wenn herkömmliche PR vielleicht nicht den moralischen Ansprüchen der Partei genügen, so muss sie sich zumindest in diesem Punkt fügen, um tatsächlich einmal mit Handlungen und nicht nur „abgelehnten Anträgen“ überzeugen zu können.

RE: "Wie tickt Jakob Augstein?" | 11.10.2011 | 02:21

Man nehme Augsteins Voraussetzungen, denke anschließend rational über die Verführungen des Lebens nach und überlege sich dann noch einmal ganz genau, ob man selbst auch den Mut gehabt hätte, sich überhaupt in der Nähe des linken Spektrums zu positionieren. Tausende Erben mit Gelpanzern auf dem Kopf und Versace-Emblem vor dem Schniedel, treiben die Egomanie ihrer Vorgängerausbeuter bis zum Exzess. Da sollte auch der hochgeschätzte Jens Berger, sich einmal in seiner subjektiven Fundamentalkritik etwas zügeln.

RE: CSU: Schießbefehl und Stacheldraht – Linken-Bashing am Feiertag | 03.10.2011 | 21:49

@Jacob Jung

Der Begriff des „demokratischen Sozialismus“ ist ja schon weitaus älter als die Linkspartei. Doch der Sozialismus war von jeher demokratisch gedacht, auch wenn der Realsozialismus dann alles andere als demokratisch aussah. Allein aus diesem Grund hat man vor den Begriff „Sozialismus“ noch das kleine aber feine Wörtchen „demokratisch“ gesetzt. Selbstverständlich soll dadurch eine Abgrenzung stattfinden. Doch sicher nicht für die, die wissen was echter Sozialismus ist sondern für die, die damit einen antidemokratischen Kontrollstaat oder die „Diktatur des Proletariats“ verbinden. Eine Dopplung ist hier auf jeden Fall gegeben (so wie alkoholischer Schnaps). Deshalb sehe ich hier keine „inhaltliche Klarheit“ sondern schon eine Art "Verdrehung". Wobei ich hier jetzt zugegebener Maßen etwas ins Kleinkarierte abdrifte.

Herr Dobrindt benutzt den Begriff „Natürlicher Patriotismus“ auch nur um sich abzugrenzen. Anstatt vom Realsozialismus möchte er sich eben nicht „in die Nähe von Nationalismus und Chauvinismus“ begeben. So wie die Linkspartei versucht linksoffene Wählerschichten für sich zu gewinnen, so versucht es Dobrindt mit den rechtsoffenen. Dafür, dass sich nur die Linkspartei inhaltlich abgrenzen will, Dobrindt dagegen namenstechnischen Populismus betreibt, sehe ich kein Indiz. Außer vielleicht das man ihm so etwas geistig eigentlich gar nicht zutrauen würde. Das ist aber wieder ein anderes Thema.

Inhaltlich (sprich Verbot der Linkspartei usw.) ist sein Verhalten natürlich im Gegensatz zum dem der Linkspartei inakzeptabel.

RE: CSU: Schießbefehl und Stacheldraht – Linken-Bashing am Feiertag | 03.10.2011 | 21:08

Ich kann nur davor warnen Politikern wie Dobrindt und Co. auf einer inhaltlichen Ebene zu begegnen. Argumentativ kann man da nichts erreichen. Die Aufgabe dieser Männer ist es den rechts-konservativen Bürger in Bayern anzusprechen, um die Stammtische auch zukünftig auf der Seite der CSU wähnen zu dürfen. So wie Martin Lindner in der FDP ganz bewusst das Partei-Arschloch darstellen soll, um bei unangenehmen Themen vor die Kameras geworfen werden zu können, so hat Dobrindt die Aufgabe in Zeiten von Energiewende und Abschaffung der Wehrpflicht das rechte Gesicht der CSU zu wahren. Das ist so und wird auch immer so bleiben.

Empören kann man sich in erster Linie darüber, dass die Medien solchen Äußerungen auch bundesweit Gehör verschaffen. Wenn in Bayern ein CSU’ler brüllt, dann hört man das auch in Hamburg oder im Saarland. Darin liegt das eigentliche Kernproblem. Hier finden keine angemessene Differenzierung und keine ausgeglichene Berichterstattung statt. Die CSU hat bundesweit ein viel zu hohes Gewicht. Das ist ein traditionelles Problem, dass endlich behoben gehört.

„Dobrindts alternativer Vorschlag für den 3. Oktober: „Natürlicher Patriotismus und gemeinsame Freude“. Die Begriffsergänzung „natürlich“ wählt Dobrindt mit Bedacht. Die Forderung nach bloßem Patriotismus würde ihn ansonsten zu sehr in die Nähe von Nationalismus und Chauvinismus befördern."

Ähnlich verhält es sich mit dem „demokratischen Sozialismus“ der Linkspartei. In den Augen der Linken ist Sozialismus ohnehin demokratisch. Das heißt eine Dopplung wäre im Prinzip unnötig. Da man in Deutschland mit dem bloßen Begriff „Sozialismus“ allerdings keine Wahlen gewinnen kann, hat man sich auch dort auf einen PR-verträglicheren Begriff geeinigt. Diese Verdrehung kann man also beiden Lagern zum Vorwurf machen oder man erkannt einfach an, dass solche Strategien zum politischen Alltag gehören. Zumal die Linkspartei ihren Wählen und Mitgliedern immer noch eine detaillierte und umfassende Erklärung über ein alternatives Wirtschaftssystem schuldig ist, aus der man ganz konkret herauslesen kann, wie sich die Linke eine sozialistische Marktwirtschaft vorstellt.

@ Fro
„Diesen Irrsinn können sie sich nur erlauben, weil demokratisches Bewusstsein hier kaum verbreitet ist.“

Bist du wirklich der Meinung, dass man in Deutschland kaum demokratisches Bewusstsein findet?

RE: Primitive Parlamentskultur: Peinlich pöbelnder Pofalla | 03.10.2011 | 11:08

Die verbalen Attacken von Pofalla gegen Bosbach zeichnen leider alles andere als ein „deutliches Bild der politischen Kultur in Berlin“ ab. Sie offenbaren einen wohltuenden Hauch Menschlichkeit in der Fratze eines dahinsiechenden, diskursfreien und schleimenden Politikapparats, dessen Hauptwirkung die permanente Produktion von grassierender Politikverdrossenheit ist. Die Politiker sollen sich ruhig parteiextern sowie -intern streiten, beleidigen, fetzen, ausargumentieren, anschreien, stützen, belächeln und lieb haben. Das wäre Ausdruck echter Demokratie. Die hochgehaltenen guten Sitten, die sind so gut und festgefahren, dass man sie mittlerweile schon fast als schlechtes Benehmen bezeichnen kann. Was nutzen uns gute Sitte, die schlechte Inhalte verschleiern. Dann doch lieber gute Inhalte unter schlechten Sitten bewirken.

RE: Bloggen ist gesellschaftspolitisch irrelevant | 01.10.2011 | 13:56

@tlacuache's 1. und 2.

Kann ich so unterschreiben.

RE: Bloggen ist gesellschaftspolitisch irrelevant | 01.10.2011 | 13:54

@miauxx

„Ein Networking, ja spätestens mit Web 2.0 eine Erfüllung des Begriffes Internet an sich, birgt ja immerhin die Möglichkeit, dass es erstmal 10.000 Stimmen werden, die in eine Richtung arbeiten. Und das ist doch was, oder!?“

Es sind 10.000 Leute, die sich darin bestärken, dass das was die denken, fühle und tun richtig ist. Und ja, das ist super und soll auch so bleiben. Das habe ich nie bestritten und nie kritisiert. Doch aktuell ist der verursachte Wind eben nichts gegen den Orkan. Das ist lediglich eine bedauernswerte Feststellung. Würden dieselben 10.000 Leute ihre Zeit, die sie zum Schreiben und zum Lesen von Blogs investieren auf der Straße mit permanentem Protest verbringen, so wäre ihr Einfluss deutlich größer. Ein Transparent bewegt mehr als 1000 Worte, oder nicht?

„Aber wenn man nun gleich wieder den Vergleich 10.000 Schmetterlinge vs. Orkan bemüht und somit Sinnlosigkeit beschwört, so ist man auch erst Recht keiner, der auf der Straße die Barrikade bauen würde.“

Ich beschwöre keine Sinnlosigkeit, es ist sinnlos. Nicht sinnlos im Bezug auf die Blogger an sich, die davon profitieren und auch nicht sinnlos für die Deutschlehrer in dreihundert Jahren, die denn da über die großen Blogeinträge längst vergangener Tage, ihre Schüler zum Kauf einer Interpretationshilfe bemühen. Im Bezug auf die realen Auswirkungen auf Politik und Medien ist bloggen derzeit sinnlos, so meine These. Und ich gehe sogar noch weiter und glaube, dass es leider so bleiben wird. Der Durchschnittsdeutsche im 21. Jahrhundert, wird sich nur von der direkten Konfrontation mit dem Leid vor seiner Haustür dazu bewegen lassen, etwas zu verändern. Hätten alle S21-Gegner anstatt zu protestieren gebloggt, dass Thema wäre noch nicht einmal auf der Tagesordnung der Grünen gelandet. Deshalb, ja ich bin einer der Barrikaden baut, weil ich glaube dass das tatsächlich einen Effekt hat (wenn auch nur einen sehr geringen, der aber ausbaufähig ist) und ja ich blogge, allerdings mehr für mich selbst.