Gemeinsam frei sein

Filmfest Hamburg Huck Finn und sein Freund Jim erlebten am Samstagvormittag im Rahmen der Kinder- und Jugendsektion "Michel" faszinierende Abenteuer am Missisippi.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Eines meiner persönlichen Weihnachtshits als Kind war die deutsch/kanadische Fernsehserie „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“. Ich tauchte ein in die Welt der beiden Freunde am Missisippi, bestimmt von einer durch Kinderaugen betrachteten Wild-West-Romantik voller Abenteuer.

Ein guter Grund also, am Samstagnachmittag die Kinderfilmfest-Vorführung von „Die Abenteuer des Huck Finn“ im Abaton zu besuchen ­ und der Faszination von Mark Twains Geschichte noch mehr zu erliegen. Unter der Regie der Hamburger Regisseurin Hermine Huntgeburth (bekannt u.a. durch die „Weisse Massai“) gab es darin weniger Nebenhandlungen als in der fünfteiligen Serie. Statt auf die vielen verschiedene Figuren des Buches zu schauen, wurde der Schwerpunkt eindeutig auf zwei gelegt: Den wilden Jungen Huck Finn (Leon Seidel) und den Sklaven Jim (Jacky Ido). Zwei Hauptthemen des Buches wurden somit sehr klar und konzentriert wiedergegeben: Die Suche nach Freiheit und wahre Freundschaft.

Die düsteren, problematischen Aspekte der Geschichte wurden im Film nicht ausgespart und dem Publikum, das zum Großteil zwischen 5 und 10 Jahre alt war, zugemutet. Huck Finn hat einen Vater (Milan Peschel), der ihn misshandelt. Jim ist ein Sklave mit einem Rücken, der von Peitschenhieben vernarbt ist. Das Wunderbare an der Geschichte ist aber: Sie brechen aus. Sie wagen es, trotz Androhung von Todesstrafe, ­ ein freieres, besseres Leben für sich selbst anzustreben. Diese Freiheit, die sie sich so mutig nehmen, wird in dem Film als das kostbarste Gut überhaupt dargestellt, das immer wieder tapfer verteidigt wird. Das geht zu Herzen und beeindruckt.

Klar wird dabei aber auch: Allein ist es nicht zu schaffen und die Freiheit schmeckt umso süßer, wenn man einen Freund hat, mit dem man sie teilen kann. Die Sternstunden der Freundschaft zwischen Jim und Huck sind die schönsten Momente des Films. Huck, wie er Jim das Schwimmen beibringt; Jim, wie er Huck aus einer Falle befreit; Huck wie er den angeschossenen Jim auf das rettende Schiff nach Ohio schleppt.

Ein wunderbarer, aufrechter Film, der auf unsentimentale Weise sehr zu Herzen geht. Ich freue mich schon darauf, nachzuholen seinen Vorgänger „Tom Sawyer“ anzusehen.

Text: Katharina Manzke
14:05 07.10.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Lena Frommeyer (SZENE HAMBURG)

20 Jahre Filmfest Hamburg - das ist mir einen Blog wert! Über das cineastische Leben vom 27.9.–6.10. berichte ich hier bald regelmäßig.
Schreiber 0 Leser 0
Lena Frommeyer (SZENE HAMBURG)

Kommentare 1