I want to be a hippie, I want to be äh happy!

„The New World“ wird beim Filmfest als Umweltfilm angekündigt. Sehr viel passender ist vielleicht eine gesellschaftliche Fragestellung: „Wie wollen wir eigentlich leben?“
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„Wenn du dreißig wirst, kaufst du dir ein Auto und bist genauso wie wir.“, das hat mal irgendwer zu Erko gesagt. Der lacht nur. Ja klar, da legt sich ein Schalter um und du bist wie alle anderen auch. Die spinnen ja! Erko ist nicht so, er gründet eine Kommune und pinselt Zebrastreifen auf Straßen.

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Er parkt sein Rad auf Autoparkplätzen und organisiert Straßenzüge gegen die lästigen Blechkarossen in der Stadt. Lass uns mal lieber Radfahren!

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Im Vordergrund steht aber eigentlich etwas ganz anderes: eine alternative Art der Nachbarschaft. Ein Miteinander aller, das auch ohne Geld und verpflichtende Arbeit funktioniert. In der keine Park-, sonder Gemeinschaftsplätze gebaut werden. Weil das eben viel wichtiger ist. Gemeinschaft statt Geld. Leider muss sich die Kommune schon früh gerade um diese Gelder bemühen, damit sie bestehen bleibt. Sie muss mit Obrigkeiten sprechen, damit sie ihre kleinen Feste organisieren kann. Und Bier trinken.

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Das nimmt etwas überhand. Geht es nur noch darum, Spaß zu haben? Gleichzeitig vertieft sich der Kontakt mit den „wichtigen“ Leuten, den Geldgebern. Erkos (Ex-)Freundin Kaku weisst darauf hin und kritisiert: Sie will kein arschkrieschender Hippie sein, sondern wirklich etwas bewirken. Und dann verliert sie fast den Mut, verliert ihr Lächeln, will einfach nur alleine sein. Das Anderssein macht keinen Spaß mehr. Das klingt viel zu ernst für den sonst so erfrischenden und fröhlichen Film. „Das Leben geht weiter“ steht auf Kakus Becher. Irgendwie ja.

In der Kommune läuft es zwischenmenschliche nicht mehr rund. Erko: „Ich bin ein schlechter Mensch. Denn nebenbei: Ich liebe nur mich…. und noch nicht mal das ist ganz sicher.“, dann verschwindet er einfach aus der Kommune. Die deutsche Bürokratie ist ihm zuwider. Sie macht ihm schlechte Laune.. Er flüchtet vor seinen Geldsorgen, die über seiner Lebensidee zusammenstürzen?

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Ohne Erko ist alles anders. Faszinierend, wie eine Person die gesamte Gruppe trägt. Als er zurückkommt, ist die Kommune wieder voller Leben. Eine ältere Dame weint fast, als sie hört, dass er wieder da ist. Dennoch: Das Haus der Gemeinschaft ist nicht mehr zu retten und wird dicht gemacht: Sie konnten es nicht bezahlen.

Ein Leben, eine Idee geht den Bach runter. Schuld ist das liebe Geld. Obwohl genau dieses Geld ihre Art zu leben nie bestimmen sollte. Schon Brecht fragte einst: Wann kann ich aufhören, Kompromisse zu machen?

Text/Bilder: Svenja Hirsch
12:49 05.10.2012
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Geschrieben von

Lena Frommeyer (SZENE HAMBURG)

20 Jahre Filmfest Hamburg - das ist mir einen Blog wert! Über das cineastische Leben vom 27.9.–6.10. berichte ich hier bald regelmäßig.
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