Im Schutze der Nacht

Filmfest Hamburg Das Spielfilmdebüt des israelischen Regisseurs Michael Mayer ist nach etwas mehr als 90 Minuten Spielzeit bereits zuende und dauert trotzdem eine kleine Ewigkeit.
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Abermals geht es in einem Beitrag um Homosexualität im Nahen Osten - ein Thema, das auffälig oft beim 20. Filmfest Hamburg eine Rolle spielt. "Out in the Dark" dreht sich um die Liebesbeziehung zwischen dem israelischen Rechtsanwalt Roy und dem palästinensischen Studenten Nimr. Auf einem seiner illegalen nächtlichen Ausflüge nach Tel Aviv lernt dieser den gutaussehenden Anwalt kennen und verliebt sich auf der Stelle in ihn. Als Nimr für sein Studium in Israel eine ständige Aufenthaltsbewilligung bekommt, scheint sein Glück perfekt. Doch das Unheil lässt nicht lange auf sich warten. Als der israelische Staatsschutz Wind vom Waffenschmuggel seines Bruders bekommt, wird Nimr sein Visum entzogen. Die einzige Möglichkeit wieder nach Israel einzureisen und weiter studieren zu dürfen, liegt in der Bespitzelung seines eigenen Bruders. Für Nimr kommt das nicht in Frage, womit der Traum seiner Ausbildung und einer Beziehung mit Roy gestorben ist. Als seine Familie auch noch von seiner Homosexualität erfährt, verstösst sie ihn unter Morddrohungen. Damit kann er sich weder zu Hause noch in Israel blicken lassen. Im Schutz der Nacht macht er sich wieder auf über die Grenze nach Tel Aviv und hofft mit Hilfe seines Freundes Roy ins Ausland flüchten zu können.

Michael Mayer verbindet in seinem neusten Film die Liebesgeschichte des schwulen Pärchens mit Elementen eines Krimis. In dieser Mischung will beides nicht so recht funktionieren und richtig spannend wird Out in the Dark erst, als die Polizei die Verfolgungsjagd mi Nimr startet; also wenn der Film vollends zum Krimi wird. Davor bremst der Auftritt der Polizei mit ihrem bösen Kommandanten die Beschreibung der Lebensumstände der beiden schwulen Protagonisten. Es werden durchaus einige spannende Ansätze zum Leben von Homosexuellen im Angesicht des Nahostkonflikts gezeigt, doch kann sich der Film nie zu einer echten Sozialstudie entfalten. Umgekehrt verhindert die Romanze, dass Out in the Dark zu einem richtigen Krimi wird.

Die Charaktere sind indes ziemlich überzeichnet. Roy und Nimr zeigen sich hoffnungslos verliebt, seine Familie übertrieben renitent und der Polizeikommandant fast schon hollywoodmässig böse. Das Schauspiel wirkt dabei etwas hölzern. Wenn Nimr wütend ist und gegen eine Wand boxt, dann wirkt er wie ein kleiner Junge, dem man seine Wut nicht abkauft. Genauso ist Roys innere Zerrissenheit unglaubwürdig, als er davon erfährt, dass sein Lover von der Polizei gesucht wird.

Alles in allem ist "Out in the Dark" ein Film, der im Versuch, eine packende Geschichte zu erzählen, stecken bleibt. Es wäre wohl spannender gewesen, näher bei den einzelnen Figuren zu bleiben und ein detailliertes Bild der Lebensumstände von Schwulen in Israel und Palästina zu zeichnen.

Trailer zum Film:

Autor: Marc Herter
13:56 07.10.2012
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Geschrieben von

Lena Frommeyer (SZENE HAMBURG)

20 Jahre Filmfest Hamburg - das ist mir einen Blog wert! Über das cineastische Leben vom 27.9.–6.10. berichte ich hier bald regelmäßig.
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