Schwul sein in Israel

The Invisible Men Yariv Mozer hat eine bisher wenig beleuchtete Seite innerhalb des israelisch-palestinensischen Konflikts auf die Leinwand gebracht: homosexuelle Palästinenser
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Zehn Minuten vor Beginn gibt es nur noch acht Karten. Dann sechs. Ich sitze. Ein Mann läuft in den Saal, „Ausverkauft, ich geh wieder“, ruft er einem Freund zu.

Dann startet „The Invisible Men“. Loui, schwul, steht am Straßenrand und muss abgeholt werden. Er wurde von seiner Familie fast umgebracht. Eigentlich lebt er in Tel Aviv, wenn ihn die Polizei nicht, wie jetzt, über die israelische Grenze verschleppt hat. Er liebt die Stadt, in jedem seiner Atemzüge. Deutsche, Amerikaner, alle dürfen sie hier sein, gehen, wiederkommen... Er, der von hier stammt, nicht.

Die letzten zehn Jahre, in denen er schwarz arbeitet und in Seitenstraßen flüchtet, um ja nicht entdeckt zu werden, machen betreten. „Ich hätte nie gedacht, dass ich nach zehn Jahren noch mal jemanden kennenlerne, der so ist wie ich.“, sagt er zu Abdu, dem zweiten im Bunde. Louis Traurigkeit in den samtenen braunen Augen, ist eigentlich so schon nachvollziehbar. Dann erzählt er von seinem Cousin, wie er mit acht Jahren von ihm missbraucht wurde. Furchtbar. Surreal. Dadurch habe er gemerkt, dass er schwul sei. Wie absurd das klingt! Dann ist da Abdu, dieser schöne Typ, der Homo-Paraden in Israel besucht und sich „kaputt“ lacht bei dem Gedanken, morgen könnte ein Bild von ihm in der Tageszeitung veröffentlicht werden. Mit dem Verweis, dass er Araber ist. Seine Lebensfreude ist ansteckend. Abdu weiß ganz genau, dass er immer Araber bleiben wird und trotzdem will er weg. Er hat Asyl beantragt und geht schließlich. Das möchte Loui auch. Die beiden sehen sich tatsächlich wieder. Vielleicht kitschig, aber auch gut, dass am Ende etwas wie Hoffnung stehen bleibt. Dieses Lichtlein, das immer irgendwoher kommt, gibt es also doch.

Abspann

Schon bei dem letzten Satz (die Musik zum Abspann läuft schon) stehen Leute auf, verlassen das Kino. Keine Zeit. Alltagshektik. Ich sitze noch bis zum Schluss dort und verlasse schließlich benommen den Saal, in einer eigenartigen Ruhe. Was in der letzten Zeit in meinem Leben schlimmes passiert ist, das sind eigentlich Kinkerlitzchen. Ich lebe in Hamburg und darf hier bleiben. Mit Freunden, Familie und auf den Straßen, die ich längs laufen will. Ich dachte immer, das sei selbstverständlich...

Der Trailer zum Film:

13:01 01.10.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Svenja Hirsch | Lena Frommeyer (SZENE HAMBURG)

20 Jahre Filmfest Hamburg - das ist mir einen Blog wert! Über das cineastische Leben vom 27.9.–6.10. berichte ich hier bald regelmäßig.
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Lena Frommeyer (SZENE HAMBURG)

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