DER OSTBLOGG ZUM FALL DER MAUER

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Wir werden es wohl kaum vermeiden können: In diesem Jahr 2009 kriegen wir soviel über 1989 zu lesen, zu hören und zu sehen wie schon lange nicht. Neben vielem - teils tatsächlich Todernstem - könnte 20 Jahre danach vielleicht auch etwas mehr (Selbst-) Ironie im Schweijkschen Sinne in die Betrachtungen einfließen. Bevor uns nun alle möglichen Experten erklären, was ihrer Meinung nach zum Fall der Mauer führte, hier die definitiven

20 Gründe von 20 000, warum sich 1989 der Ostblock auflöste:

1. Weil seine Bewohner bei Sonnenuntergang immer nach Westen schauten

2. Weil Gorbatschow auf die Propaganda der Solidarnosc, ein runder Tisch sei besser als ein quadratischer, reingefallen war

3. Weil die Ungarn wieder mehr Leben in die fröhlichste Baracke des sozialistischen Lagers bringen wollten

4. Weil die Mauer nur auf einer Seite bemalt werden durfte

5. Weil Edgar Most schon immer wusste, dass der Sozialismus eigentlich ein verkappter Kapitalismus ist

6. Weil Edgars Genossen glaubten, sie könnten ihre Haut retten wenn sie ihren "Kommunismus" reformieren. Hat ja auch fast geklappt

7. Weil die Ossis zuwenig Haschisch und Ähnliches zu rauchen bekamen

8. Weil Ali Agca den Papst absichtlich nicht richtig erschossen hat

9. Weil Internet und Handy bereits erfunden und die Computer im Osten so groß wie Kleiderschränke waren

10. Weil die Budapester Nächte im August 1989 ziemlich kalt und die vor dem
deutschen Konsulat herumlungernden DDR-Bürger zu dünn angezogen waren

11. Weil die Polen keine Lust mehr hatten, Kronkorkenverschlüsse als Bratpfannen zu benutzen

12. Weil die Stasi mal wieder auf der falschen Fährte war und die Kirchenfürsten umgarnte

13. Hätte sie die Kirchtürme observiert, wären die Filmaufnahmen von der Leipziger Montagsdemo zusammen mit Schefke und Radomski im Knast gelandet und nicht in den "Tagesthemen"

14. Weil die Taliban in Afghanistan vom CIA unterstützt wurden

15. Weil einer der wichtigsten Grundsätze der sozialistischen Arbeiter- und Angestelltenschaft - „Privat geht vor Katastrophe“ - auch beim Einsturz des Systems galt: Jeder versuchte noch schnell sein Schäfchen ins Trockene zu bringen

16. Weil Schabowski auf die Frage „Und was wird mit der Berliner Mauer?“ ausnahmsweise mal nicht Honecker zitierte, der gesagt hatte, dass sie noch in 100 Jahren stehen wird

17. Weil F. R. von der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press endlich nach Hause wollte und deshalb um 19 Uhr noch schnell als Erster die Meldung absetzte, dass die DDR die Mauer öffnet, obwohl sie das gar nicht wollte

18. Weil die DDR-Bürger nicht auf Helmut Kohl, nicht auf Oskar Lafontaine, das Neue Forum, die SDP und auch nicht auf Margret Thatcher hörten, die alle irgendwie zu irgendeiner Zeit nicht wollten, dass sich beide Teile Deutschlands vereinigen

19. Weil der Sputnik nicht mehr verboten werden konnte. Er war sogar im Weltall das Symbol der Überlegenheit des Ostblocks

20. Weil keiner wusste, dass es nur ein Trick war, die Demokratisierung der DDR zu fordern. Wer konnte schon auf Dauer dagegen sein

23:49 13.03.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Leopold Loewe

Ironiker
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