Lesum

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Lesum
RE: Der Planet schlägt zurück | 12.09.2017 | 15:27

Nach der Lektüre brauchte ich einen Spaziergang.

Natürlich (?) weiß oder ahne ich das meiste, habe es schon vielmals und vielerorts gelesen, aber in der Massivität läßt es die Zeit still stehen. Dabei hat der Autor noch gar nicht das weitere Drama des Artensterbens erwähnt, das nur z.T. mit der Klimakatastrophe zusammenhängt.

Es gab und gibt durchaus zahlreiche Versuche, das Thema literarisch zu beschreiben. Ich habe mich eine Weile mit dem Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer befaßt, der Versuche in dieser Richtung unternommen hat, aber letztlich das Schreiben ganz aufgab, weil er zu der Ansicht kam, spätere Generationen hätten grundlegendere Probleme als sich mit Literatur zu befassen. Das war 1984. Mit seinen Versuchen, das, was wir uns scheuen die Apokalypse zu nennen, zu beschreiben, ist er gescheitert. Sein Hörspiel „Biosphärenklänge“ ist nicht nur mit einem unglücklichen Titel gesegnet, sondern funktioniert ganz einfach nicht. So schrieb er Essays und Aufrufe und unterstützte frühzeitig Greenpeace, alles mit dem Eindruck: Es ist zu spät, wir sind längst gescheitert.

1991 erhielt er den Weinheimer Literaturpreis, der von SchülerInnen vergeben wird. Dabei sagte er in einem postscriptum an die Eltern u.a.:

• Wie stellt ihr euch die Zukunft eurer Kinder vor?

• So wie die eure einmal war?

• Glaubt ihr, daß ihr Leben an dem euren meßbar sein wird?

• Wißt ihr Bescheid über den unaufhaltsamen Schwund und die gleichzeitig — nachweislich — sich potenzierende Belastung der Elemente, die sie zum Leben brauchen?

• Was wird aus dem Wasser, der Luft, der Erde in fünfzig Jahren geworden sein?

• Und aus dem Feuer? Den lodernden Wäldern und Ölquellen?

• Und was wird aus dem fünften Element, nämlich dem Atommüll? Denn im Gegensatz zum Menschen ist er nicht aus der Welt zu schaffen.

• Glaubt ihr, daß eure Kinder dereinst, etwa um das Jahr zweitausendsechzig, nach einem erfüllten Leben, in dem sie etwas geschaffen oder aufgebaut haben, umringt von ihren Kindern und Kindeskindern, friedlich im Bett sterben werden?

• Oder — gebt es wenigstens zu! — macht ihr euch keinerlei Gedanken darüber?

• Oder überlaßt ihr es zuversichtlich dem Schicksal oder Gott?

• <Es renkt sich alles wieder ein>, <irgendwie>?

• Glaubt ihr das?

• Ja oder nein?

Der ganze Text wäre hier nachzulesen.




RE: Rechtsextreme, die sich links verorten | 10.12.2012 | 11:14

Verwirrende Begriffe.

Der Vorschlag von Norberto Bobbio, mit "links" die Vorstellung von Gleichheit, mit "rechts" die von Ungleichheit zu verbinden, scheint mir immer noch der geignetste zu sein, um hier zu differenzieren. Aber auch das bleibt naturgemäß unscharf, wie es auch nichts darüber aussagt, wie man Gleichheit oder Ungleichheit durchsetzen will. Zur Durchsetzung von Ungleichheit genügt es, dem Kapitalismus seinen Lauf zu lassen, aber man kann natürlich auch mit dem Faschismus nachhelfen. Zur Gleichheit brauche ich eine große Menge Aufklärung in einer demokratischen Gesellschaft. Setze ich sie mit Gewalt durch, dann benötige ich eine Hierarchie (alle sind gleich, nur einer/ein paar sind gleicher). Nimmt man den o.g. Begriff von Bobbio ernst, dann läßt sich Gleichheit, die mit Gewalt durchgesetzt wird, letztlich nicht mit links bezeichnen. Vielleicht sind diese Begriffe links/rechts aber auch zu abgenutzt, um sich noch retten zu lassen.

Ebenso problematisch ist die Verwendung des Begriffes Antisemitismus. Von Seiten der israelischen Regierung, aber auch von Publizisten wie z.B. Henryk M. Broder (und interessanterweise auch von Neonazis) wird immer gern versucht, Israel mit jüdisch gleichzusetzen, was für die beiden erstgenannten Protagonisten ein bekanntlich gern genommener Anlaß ist, jede Form der Kritik am Staat Israel als antisemitisch zurückzuweisen. So bekommt man natürlich viele Antisemiten zusammen. Es wäre also gut zu wissen, wie der Begriff Antisemitismus in der Studie definiert ist.