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innen Distanz und außen Mimikry ...
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RE: Frauen als minderwertige Geschöpfe | 17.11.2018 | 19:26

Drei wesentliche Aspekte sehe ich fürs erste:

1) Viele Menschen verbinden mit ideologischen Aussagen nicht die Bedeutungsschärfe, die ihnen in Eingeweihtenzirkeln gegeben wird. Soll heißen, was die Kirchenlehre sagt, was diese Kirchenlehre den Funktionären bedeutet, bedeutet sie noch lange nicht den einfachen Gläubigen. Die wählen aus. Ich habe mit Christen geredet, die zucken bei Jesu Opfertod die Schultern, ja, hat man schon mal gehört, und gehört irgendwie dazu, das war es aber schon. Dafür bekommen sie ein Leuchten in die Augen, wenn der Ausdruck "Maria Himmelskönigin" fällt. Andere haben ihr Leben lang noch nicht zu Gott gebetet, aber täglich mehrfach zu ihrem Heiligen. Beispiele dafür sind Legion.

2) Eng damit zu tun hat die menschliche Grundfähigkeit, einander in inhaltlich-logischer Hinsicht wechselseitig absolut ausschließende Aussagen oder Sachverhalte in sich psychisch zu koppeln und gleichzeitig am Leben zu halten. Der dringende Wunsch abzunehmen und die gleichzeitige absolute Notwendigkeit, soviel Schokolade zu essen, wie nur geht, sind psychisch absolut vereinbar.

3) Synkretismus ist an sich nichts Schlimmes, führt aber im Kontext zu dem, was ich "Privatreligion" nenne. Die Menschen nehmen aus ihrer Religion ein paar Aussagen, die sie gut finden, und aus der Aufklärung ein paar andere Aussagen, die sie gut finden, und aus dem Judentum ein paar Aussagen, die sie gut finden und ... und ... und vermischen. Heraus kommt alles mögliche, in modernen Zeiten auch ein System, in dem das Christentum "schon immer" für die Rechte der Frauen eingestanden ist, oder in dem alle Religionen den gleichen Kern haben (was nur geht, wenn man keine Religion mehr vollständig ernst nimmt).

Fragt man diese Menschen, erhält man die ernstgemeinte Antwort, dass sie selbstverständlich Christen seien, und wenn man sie auf die Widersprüche zwischen ihren eigenen Auffassungen und den als Kirchenlehre festgelegten Aussagen des Christentum hinweist, zucken sie wieder nur mit den Schultern. Oder versichern, dass man diese Dinge nicht so eng sehen muss. Was Gespräche über das Christentum sehr schwierig macht, weil eben jederzeit verfügt werden kann, dass zum Christentum dazu gehört, was tatsächlich nie offiziell dazu gehörte, bzw. dass nicht dazu gehört, was schon immer offiziell dazu gehörte.

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Es verhält sich also vermutlich so, dass viele Frauen die entsprechenden Aussagen des Christentums, die ihnen Zweitrangigkeit zuweisen, entweder nicht ernst nehmen oder sie damaliger Zeitgeistigkeit zurechnen oder irgendeine der vielen möglichen Maßnahmen ergriffen haben, die den Zugriff dieser Haltungen auf ihr Selbstbild und Selbstwertgefühl unterbindet und ihnen gleichzeitig erlaubt, sich weiterhin als Gläubige des Christentums zu fühlen.

Gleichzeitig stört das die ofizielle Religion nicht, solange es Privatreligion bleibt. Win-win, könnte man sagen. Aber das wäre natürlich zynisch.

RE: Held ohne Hemd | 17.11.2018 | 11:17

Ich fand die Umsetzung des - wenig inspirierten - Plots tatsächlich extrem spannend, in ihrer Aneinanderreihung lebensrettender Unwahrscheinlichkeiten allerdings wiederum genretypisch realitätssprengend. Die suspension of disbelief wird durch so was desto mehr erschwert, je länger diese Aneinanderreihung wird. Am schwierigsten zu goutieren war aber die erotische Beziehung zwischen Ministerin und Bodyguard, das sprengt seine Glaubwürdigkeit als Profi. Und insgesamt hat Madden das Belastungstrauma für meinen Geschmack etwas zu weinerlich gespielt.

RE: Wer jagt hier wen? | 17.11.2018 | 11:02

Na ja, wenigstens klappt das mit der weiblichen Selbstermächtigung dann schon mal in zweitklassigen Fantasyfilmen. Red Sonja stand schon vor 30 jahren an derselben Stelle. Okay, das war ein drittklassiges Fantasy-Filmchen. Verbesserung^^ Und wie üblich wird die Diskrepanz zwischen dem Blogtext und den Bildern nicht erkannt oder ignoriert - oder sagen wir es anders: Die Reaktion der meisten Männer auf derartige Illustrationen wird mutmaßlich nicht den im Text beschriebenen Deutungen folgen.

RE: Noch weit entfernt von Gleichstellung | 16.11.2018 | 23:15

Wenn Sie das so lesen, lesen Sie das eben so.

Auch Ihnen ein schönes Wochenende.

RE: Noch weit entfernt von Gleichstellung | 16.11.2018 | 21:53

||| Helfen gute Absichten und Aufforderungen nicht, muss es eben Quoten und Auflagen, sowie nach einer Anstandsfrist, Strafen geben. |||

Nein, muss es nicht. Kann es vielleicht, darüber kann man sich unterhalten. Konsens herrscht darüber nicht, noch nicht mal unter Frauen und schon gar nicht "auf allen Kontinenten". Noch nicht mal im Biotop.

||| Mir wäre das peinlich |||

Mir ist auch so manches peinlich hier, aber um des Gesprächsklimas willen behalte ich es meist für mich, wenn ich mich fremdschäme.

RE: Noch weit entfernt von Gleichstellung | 16.11.2018 | 18:24

Er meint damit vermutlich, wenn Menschen, die nach Vermögen, Besitz usw. ungleich sind, in anderer Hinsicht gleich behandelt werden, ist das formal Gleichbehandlung, vulgo Gerechtigkeit. Beispiel: eine Zeit lang wurde Bafög vom Einkommen der Eltern unabhängig in gleicher Höhe gezahlt (k.A. ob das immer noch so ist). Formal gerecht, nur dass bei Eltern mit den 10000+ DM Monatseinkommen die 500 DM gar nicht gebraucht worden wären, während es bei Eltern mit 1500 DM Monatseinkommen vielleicht hätten 1000 DM sein dürfen. Da kann das Empfinden schon mal sagen: ungerecht, trotz formaler Gleichbehandlung.

RE: Noch weit entfernt von Gleichstellung | 16.11.2018 | 18:16

Es ist sogar noch schlimmer :) heutzutage können Argumente vollinhaltlich widerlegt sein, es interessiert diejenigen nicht, die ihre Positionen auf Grundlage dieser Argumente aufbauen^^ den Rest erledigt gute PR^^

und natürlich hat das etwas damit zu tun, dass es keinen Konsens mehr darüber gibt, was Wirklichkeit ist. Wobei man zugestehen muss, der Narrativ-Gedanke kommt eher aus der linken Ecke, aber in der rechten Ecke versteht man deutlich mehr damit anzufangen^^

RE: Noch weit entfernt von Gleichstellung | 16.11.2018 | 14:06

||| Soll jeder, unabhängig von seinen Voraussetzungen, die gleichen Chancen haben (Gleichberechtigung)? Oder soll jeder, unabhängig von seinen Leistungen, das gleiche erhalten (Gleichstellung)? |||

Wenn Gleichstellung, dann Gleichstellung auf mittlerem Niveau, etwas anderes ist in unserem System nicht finanzierbar. Und Absenkung der Privilegienträger auf mittleres Niveau ist in unserem System auch nicht machbar, das endet in einer Neuauflage von Weimar bzw. zeigt das Beispiel DDR, dass diejenigen, die üblicherweise als Elite oder Leistungsträger angesprochen werden, sich das auch gesondert bezahlen lassen (wollen) und gehen, wenn sie das zusätzliche Geld nicht erhalten.

Ein erster Ansatz wäre also zu prüfen, ob man diese Leute nicht benötigt, und ob mehrere individuell weniger befähigte Personen, eventuell kleinere Kollektive, in der Lage sind, vergleichbare Leistung zu entfalten, auch in Konkurrenz zu Haien und Heuschrecken - ohne sich diese gesondert zahlen lassen zu wollen. Dann wäre zu prüfen, ob das verallgemeinerbar ist. Und damit sind wir schon im Land der Träume^^

RE: Noch weit entfernt von Gleichstellung | 16.11.2018 | 13:55

Die Menschheit ist vermutlich Milliarden Bücher, Gott weiß wieviele Texte udn niemand weiß wieviele Gedanken vom ersten Denkakt eines als Menschen ansprechbaren Wesens entfernt. Wenn wir Heutigen etwas "Neues" vorgesetzt bekommen, einen neuen Text, ein neues Buch, dann finden wir Substrate, Konzentrate, Rearrangements ... und wenn wir Glück haben, gaaaaaanz viel Glück, dann ist gelegentlich ein neuer Gedanke dabei, verborgen unter einem Wust von Bekanntem. Natürlich ist das Bekannte nicht allen bekannt; ach könnte man das doch nur voraussetzen :)

Und wir Biotopinsassen hier? Allesamt Wiederkäuer^^ ich habe hier noch keinen originären Gedanken gelesen. Also, wo sollen frische Argumente herkommen? Das eigentliche Problem sind die Wichtungen, aber danach fragt hier ja niemand^^

RE: Noch weit entfernt von Gleichstellung | 16.11.2018 | 13:48

irre :) eine Darlegung deiner Sichtweise, an der ich nichts zu mäkeln finde^^