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innen Distanz und außen Mimikry ...
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RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 22:30

Nur steht in diesem Fall nicht der weiße Ring vor Gericht, sondern der ehemaliger Leiter einer Ortsgruppe, und als solcher ein alter, weißer, heteronormativer Mann, mithin ein Angehöriger einer Personengruppe, der hier in der FC überwiegend mit Skepsis oder gleich voller Antipathie begegnet wird. Ein kleiner Weinstein eben, eine Assoziation, die in dem Blogtext mit allen Mitteln der Kunst herbeigeschrieben werden soll. Da spielen Sympathie und Antipathie durchaus ihre Rolle. Ganz zu schweigen von dem Umstand (der freilich weit über diesen Blogtext hinaus geht), dass die informellen Anklagen derartiger Texte um so moralgewaltiger daherkommen, je weniger belastbar die Faktengrundlage ist.

Egal. Ich sagte ja, es wird und möge sich jedesmensch dazu positionieren, wie es mag. Wünschenswert, zugunsten der eigenen kognitiven Integrität, bliebe trotzdem, klar und rasiermessercharf zu unterscheiden, was mensch weiß und was es nur gläubig vermutet.

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 17:49

Ich habe Rackete ins Spiel gebracht, um zu illustrieren, dass bei der Bewertung derartiger Situationen die Frage der persönlichen Sympathie für oder gegen Angeklagte ein entscheidender Faktor ist, wobei üblicherweise die Bewertung den Personen gegenüber schärfer ausfällt, die einem unsympathisch sind und milder bei Personen, die einem sympathisch sind, völlig ungeachtet der Frage, wie die Sachlage ist. Wenn Sie Rackete als Illustration hierzu für ungeeignet halten, nehmen Sie die israelische Armee und die Hamas, oder irgendeine der vielen Konstellationen, die es fast unmöglich machen, sachlich zwischen den Positionen zu entscheiden.

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 17:28

||| Sollen das alles rachedurstige Frauen sein? |||

Höchste Zeit, dass Sie und ich mal wieder in einer Sache uneins sind, sonst entsteht in der Community noch der Verdacht, wir würden altersmilde^^

Rachedurst kann ein Motiv sein, aber plausibler ist etwas anderes. Sie kennen sicher den Werther-Effekt? Nach der Lektüre besagten Machwerks^^ rollte eine Lawine von Selbstmorden unter jungen Erwachsenen durch Deutschland. Will sagen, so eine Lektüre kann ganz schön suggestiv sein, und wenn, wie in den letzten Jahren, eine einschlägige Berichterstattung den Eindruck entstehen lässt, es gibt überhaupt nur noch missbrauchte, gedemütigte und verwaltigte Frauen, dann ist das womöglich sogar extrem suggestiv, so dass Frau versucht sein könnte, sich zu fragen, ob nicht von ihr selbst bislang als harmlos eingestufte Vorfälle eher der kriminellen Sparte angehören. Und entsprechend umdeutet.

Das ist keine Behauptung, und wenn doch, dann höchstens von gleicher Suggestivität wie die Frage, ob die alle rachedurstig waren. Fakt ist: Weder Sie, Magda, noch ich, noch sonst jemand, der/die nicht dabei war, WISSEN es. Wir können glauben, wem wir glauben wollen und werden unsere Plausibilitätskriterien haben. Näher werden wir ohne hieb- und stichfesten Beweise nicht an die Wirklichkeit herankommen.

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 17:20

aber verstanden haben Sie, was ich meine^^ es geht nicht um Rackete^^

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 15:47

Sie illustrieren, wohl unbeabsichtig, sehr genau, worauf ich hinweise^^

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 15:11

Die Kritik an unkritischer Berichterstattung ist ja auch nicht auf diesen Blogtext begrenzt. Sie erfolgt zudem unabhängig vom tatsächlich dadurch angerichteten Schaden und betrifft mehr das Prinzip der Parteilichkeit als solches. Trotzdem wird Schaden erzeugt, dessen Natur deutlicher wird, wenn der Sachverhalt anhand eines Beispiels durchgespielt wird, bei dem die Sympathien in anderer Richtung verteilt vorliegen, vielleicht bei Frau Rackete?

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 11:37

Gegen eine kritische öffentliche Meinung ist auch nicht das geringste einzuwenden. Im hier vorliegenden Text sieht die kritische Sicht aber so aus, als gäbe es außer der Höhe des Strafmaßes im Prinzip nichts zu klären, weil die Sachlage völlig eindeutig ist. Oder anders gesagt, eine kritische Sicht ist keine parteiische Sicht, vor allem dann nicht, wenn Journalist oder Journalistin primär darauf angewiesen ist, etwas zu glauben oder nicht zu glauben.

Darüber hinaus ist es ein rechtsstaatliches Prinzip, nicht für Sachverhalte verurteilt werden zu können, gegen die es zum Zeitpunkt des Geschehens kein Gesetz gab. Es mag, wie bei den Nürnberger Prozessen, gelegentlich gute und valide Gründe geben, von diesem Prinzip abzuweichen, aber nicht in generalisierter Form.

RE: Mozarts "Idomeneo" | 20.08.2019 | 10:54

fantastische Analyse^^ Man könnte meinen, Sie seien Musikwissenschaftler mit Schwerpunkt Musiksoziologie^^

RE: Lies mich, Baby! | 20.08.2019 | 10:28

Der Zirkel kreist um seine Befindlichkeitsstörungen.

RE: Sehnsucht nach früher | 20.08.2019 | 10:17

Es dauert, ehe PolitikerInnen begreifen, dass es an IHRER Politik liegt, wenn sie Wählerstimmen verlieren, und gar nicht an der Politik, die seitens der Konkurrenz angedroht wird. Vermutlich hat das neben der üblichen Hybris der Macht zusätzlich mit einer pädagogischen Komponente zu tun - das Wahlvolk soll das Richtige aus den richtigen Gründen wählen. Und das Richtige ist bekanntlich das, was die jeweilige Partei, die das bewertet, politisch durchsetzen will.

Tja. weiter so, die Zustimmungswerte zur AfD sind sicher noch optimierbar. Dass diese Zustimmungswerte von Anfang an nicht von den politischen Visionen der AfD abhingen, sondern vom politischen Versagen etablierter Parteien, muss ja nicht zur Kenntnis genommen werden. Die Krokodilstränen hinterher sind viel telegener als gute Politik vorher.

Die PdL würde diesbezüglich übrigens nichts besser machen, im Gegenteil. Der pädagogische Habitus dieser Partei ist so schwer erträglich wie jeder pädagogische Habitus, der sich an Erwachsenen austoben will.