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innen Distanz und außen Mimikry ...
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RE: Auf der Galeere | 08.01.2020 | 15:44

Neben einfacher Wahrnehmung war ja auch noch komplexe Argumentation im Angebot^^

||| Wahrnehmungen zu kommunizieren, überhaupt kommunizieren zu können, zu vergleichen, sie zu verifizieren oder falsifizieren |||

Wahrnehmungen zu kommunizieren ist machbar, im Kontext komplexer Wahrnehmungen aber schwierig, jedenfalls wenn es darum geht, diese Wahrnehmungen in ihrer Komplexität zu vermitteln. Im Alltag dürfte es eher darum gehen, Interpretationen dieser Wahrnehmungen zu vermitteln. Zwischen "der junge Mann hat sich selbst getötet" und "der junge Mann wurde vom Kapitalismus in den Tod getrieben" klafft eine die Wahrnehmung bei weitem überschreitende Lücke, die sich unter anderem darin zeigt, dass der erste Satz verifiziert oder falsifiziert werden kann, während der zweite Satz ungeklärt bleibt, oder bestenfalls auf Grundlage ideologischer Überzeugung beschieden werden kann.

Daraus ergibt sich relativ zwanglos, dass es nicht die Komplexität ist, und auch nicht notwendigerweise zuviel lancierte Dummheit. In aller Regel denken Gesprächspartner zu Beginn nicht an den Abgleich ihrer Interpretationsgrundlagen; wenn doch, zeigt sich häufig der Kern des Problems: Diese Grundlagen entwickelten sich nicht aus rein sachlichen Aspekten, sondern tragen in vielen Fällen massive emotionale Ladungen. Damit stehen sie für die jeweiligen Personen nicht zur Disposition. Überall, wo das der Fall ist, sind sinnvolle Gespräche nur noch zwischen Gleichgesonnenen möglich.

Meine eigene Unfähigkeit tritt ziemlich offensichtlich zutage, nicht? Schließlich bin ich nicht imstande, Ihnen zu vermitteln, dass zentrale Elemente Ihrer Darlegungen mit der Wahrnehmung von Realität zumindest in der vermittelten Form nichts Unmittelbares zu tun haben. Sie verwechseln wie viele hier Ihre Interpretationen mit Wahrnehmungen.

RE: Bildung ist so viel mehr als eine Ware | 08.01.2020 | 09:19

Mit Grundlagen-Drill meine ich solche Sachen wie das klassische Einmaleins noch selbst im Kopf zu rechnen, oder das Schreiben einzelner Buchstaben so lange zu wiederholen, bis die Formen und die Hand/Auge/Hirn-Koordination sitzen. Im erweiterten Sinne auch einfaches Wissen, als Welthintergrund, sowie Grammatik, Rechtschreibung, Grundrechenarten.

Ich habe in den 80ern für einige Jahre im universitären Mittelbau Studenten betreut. Die sind immer schlechter geworden, sowohl was Rechtschreibung betrifft als auch hinsichtlich der Fähigkeiten zu logischem Kombinieren und "Transfer"-Wissen. Anfang der 90er gab es dann Leute, die es schafften, in ihren Hausarbeiten auf einer Seite 50 und mehr Rechtschreibefehler unterzubringen, bei adäquater "Schlichtheit" der gedanklichen Brillianz.

Nun, ich muss mich mit dem Blödsinn nicht mehr auseinandersetzen, und automatische Fehlerkorrekturen haben wenigsten einigen formalen Aspekten auf die Sprünge geholfen. Die Schlichtheit der Gedanken ist geblieben.

Komplexität entwickelt sich an Formvermögen, welches dann inhaltliche Komplexität ermöglicht. Entfällt das erstere, entfällt auch das letztere.

RE: Das böse Molekül | 08.01.2020 | 09:00

"Das böse Molekül" hieße zutreffender "Der dumme Mensch".

RE: Auf der Galeere | 07.01.2020 | 11:06

||| anstatt sich der Wahrenehmungsmöglichkeiten einer doch recht entwickelten Natur- und Geistewissenschaft zuzuwenden, welche soweit ich sehen kann nur sehr wenige Fragen offen lässt |||

Hinsichtlich Naturwissenschaften: Schön wäre es, dann würde z.B. die gesamte derzeitige Klimawandelhysterie in sich zusammenbrechen. Ihr "recht entwickelter Konsens" unter den Wissenschaftlern ist in Wirklichkeit ein Konsens unter denen, die ein einschlägiges Interesse daran haben, Wissenschaftler um jeden Preis dazu zu bewegen, die Dinge in einer bestimmten Weise darzustellen, Shitstürme lassen grüßen. Die Freiheit der Wissenschaften in diesen Bereichen erinnert mittlerweile an die Situation im Ostblock zu besten Warschauer Pakt Zeiten.

Hinsichtlich Geisteswissenschaften: Deren Themen sind nicht mit Evidenz zu fassen, das ist ein komplett anderes Sujet, vielleicht nicht ganz so schlimm wie Sozialwissenschaften, aber nicht annähernd so exakt wie Naturwissenschaften. Geisteswissenschaftliche Hermeneutik, angewandt auf gesellschaftspolitische Fragen, die naturwissenschaftlich greifbare Phänomene zum Thema haben, ist eher ein Problem als eine Hilfestellung für eine Lösung.

Und Sozialwissenschaften: Sind mittlerweile großer Teil aller Probleme, und nur selten lösungsrelevant.

An diesen kurzen Bemerkungen erkennen wir beide mühelos, dass sich unser Dissenz allein nur hinsichtlich Ihres ersten Absatzes nicht mit einfacher Wahrnehmung beheben lassen wird^^ Vielleicht mit komplexer Argumentation^^ allerdings sind wir da schon lange in Wiederholungsschleifen, von daher darf acuh das bezweifelt werden.

Ja, Interpretationen, oder allgemeiner Narrative, sind immer dann verfügter Unsinn, wenn sie nicht das Ergebnis einer individuellen Anstrengung sind. In Zeiten von Google oder anderen einfachen Werkzeugen, mit denen sich jeder seine eigene Selbstbestätigungsschleife basteln kann, die berühmte Filterblase, ist das sogar der Standardfall geworden. Millionen, teilweise Milliarden angeblich individuelle Meinungen, und allergrößtenteils gegenstands- und belanglos, weil sie auf ein und dieselbe dumme Quelle zurückführbar sind.

Nein, man muss lebenswichtige gesellschaftspolitische Fragen nicht wie Quantenphysik behandeln. Manche dieser Fragen haben ohnehin mit Naturwissenschaften nichts zu tun. Trotzdem fände ich es wünschenswert, wenn zumindest geklärt werden könnte, welche dieser Fragen lebenswichtig sind und welche nicht, gerade in Zeiten, in denen es immer um alles geht, weil immer als mindestes der Fortbestand der Menschheit auf dem Spiel geht, selbst wenn einfach nur ein junger Mensch depressiv ist.

Und dann gibt es eben noch die Frage potentieller Lösungen. Die hängen nicht allein von den Sachverhalten ab, sondern auch vom Wollen unterschiedlicher Interessen- und Einflussgruppen, somit letztlich von Macht, und der Frage, wie man an selbige kommt, und mit wem man sie teilt, und wie man verhindert, bei ihrer Aneignung selbst korrupt zu werden.

RE: Bildung ist so viel mehr als eine Ware | 07.01.2020 | 10:34

Das ging schon in den 70er Jahren los, als der gute alte Grundlagen-Drill erstmals angetastet wurde.

RE: Auf der Galeere | 06.01.2020 | 20:47

Manche Sachverhalte sind einfach; einfache Fragen, einfach zu ermittelnde Antworten, die durch unmittelbare Evidenz überzeugen. Regnet es draußen gerade? Ein Blick durchs Fenster. Schreit das Kind? Kocht das Wasser? Einfache Wahrnehmung entscheidet.

Dann wird es zunehmend komplexer; die Sachverhalte und die Fragen sind zusammengesetzt, immer weniger auf einfache Wahrnehmungen zurückführbar. Ein Mensch leidet - das ist ein koplexer Sachverhalt, denn die Wahrnehmungen belegen, dass er leidet, sie belegen aber auch, dass es Zeiten gibt, in denen er nicht leidet. Eine Klasse leidet - das ist keine Wahrnehmung mehr, sondern eine Interpretation einer Unzahl von Sachverhalten, von denen viele in einer Weise zusammenhängen, die nicht mehr durch unmittelbare Evidenz abgesichert ist.

Die meisten Themen und Fragen, die hier und in vielen Blogs verhandelt werden, sind von letzter Art - nicht durch einfache, unmittelbar evidente Wahrnehmungen abgedeckt, sondern eine Vielzahl solcher Wahrnehmungen wird unter einer Interpretation gebündelt.

Eine Interpretation ist keine Wahrnehmung mehr. Und es gibt in aller Regel konkurrierende Interpretationen. Und kein Metakriterium, um zwischen ihnen anders als durch ideologische Verfügung zu entscheiden.

RE: Auf der Galeere | 05.01.2020 | 15:47

nein, ich war nur abgelenkt und hatte nicht mehr dran gedacht^^

Notwendigkeit ist für mich Teil einer "falls ... dann"-Schleife: Falls ich möchte, dass dieses und jenes passiert, gilt es, diese und jene Voraussetzungen zu erfüllen. Das nenne ich "Notwendigkeit". Also in Anlehnung an den mathematischen Sprachgebrauch, mitsamt der Unterscheidung zwischen "hinreichend" und "notwendig". Die Verbindung von Notwendigkeit und Not ist zwar möglich, aber weder notwendig noch hinreichend, um den Begriff selbst zu erklären.

Gerade weil Notwendigkeiten ignoriert werden können, bleiben sie Vorstellung. Selbstverständlich hat Ignoranz ihre eigenen Konsequenzen; wenn aber die Faktizität bereits umstritten ist - im ernsthaften Sinne, nicht in dem Gebrauch, mit dem man heute alles und jedes desavouieren kann, indem man es als "umstritten" diffamiert - stehen die Konsequenzen den Handelns oder der Ignoranz in gleichem Maße nicht fest; darüber kann nur auf Grundlage von Überzeugung beschieden werden, und Überzeugungen können zwar zufällige Schnittmengen zu Wissen aufweisen, sind aber kein Wissen.

Es gibt nur ganz wenige Feststellungen - selbst auf "harte" Realität bezogene Feststellungen - die nicht umstritten sind. Konsens ist eine nette Idee, bleibt aber gruppenintern, wirkt oft auch gruppendefinierend. Ich kann im Grunde fast allen Ihren Aussagen zustimmen, sobald ich die Perspektive ihrer peer group einnehme. Nehme ich die Perspektive einer Ihnen fremden peer group ein, lehne ich fast alles ab, was Sie sagen. Bleibe ich bei meiner eigenen Perspektive, stimme ich immer noch vielen Ihrer Aussagen zu, abzüglich solcher Aussagen, die die Machbarkeit tiefgreifender Veränderungen betreffen. Wenn es die gibt, dann nur als Folge von Katastrophen, wozu auch Krieg gezählt werden kann.

RE: John Wayne kann jetzt gehen | 04.01.2020 | 19:46

Möglicherweise hat es ja auch überhaupt nichts mit Männlichkeit und Weiblichkeit zu tun. Die meisten dieser dümmlichen Unterstellungen sind nichts anderes als Unterstellungen.

RE: Freiheit für die Wiese! | 04.01.2020 | 17:29

Viel Erfolg für die Funks. Hier bei uns werden einige Naherholungsgebiete mittlerweile von Wanderern und Tieren gemieden, weil die Geräusche der Windräder nicht zu ertragen sind. Aber Windkraft ist gut, Hauptsache, alle glauben daran.

RE: Gezielter Enthauptungsschlag | 04.01.2020 | 15:08

Die Republikaner haben schon längst gezeigt, dass sie kuschen, und schlechte Vorbereitung hat die Amerikaner noch nie abgehalten.