Lethe

innen Distanz und außen Mimikry ...
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RE: Bitte bedeckt halten | 21.08.2019 | 11:44

immer wieder interessant zu sehen, in welchen Verkleidungen Prüderie daherkommt^^

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 21.08.2019 | 11:38

||| Besonders perfide im vorliegenden Fall ist der Umstand, dass sich der Täter zwei Umstände zunutze gemacht hat: a) die Hilfsbedürftigkeit seiner Klientinnen, b) den Umstand, dass die Übergrifflichkeiten in einem zeugenlosen Raum stattfanden. |||

Neben Ihren sonstigen Aussagen stimme ich auch dieser zitierten durchaus zu, mit einer kleinen Anmerkung: Der Umstand, dass die behaupteten Übergriffigkeiten in einem zeugenlosen Raum stattfanden, erlaubt es nicht, einfach so von einem Täter zu sprechen, weil wir sonst in den Teufels Küche gerieten, Behauptungen für Beweise zu nehmen. Das ist ein massives Problem, für dessen Lösung es einige Möglichkeiten gäbe, nicht zuletzt Wahrheitsdrogen. Aber wenn die Strafverfolgungsbehörden in solchen Fällen es nicht schaffen, Beweise zu finden oder die Verdächtigen (Sie schreiben auf Grundlage einer Bahauptung bereits von Tätern) zu einem Geständnis zu bewegen, bleibt es bei Aussage gegen Aussage. Das ist zugegeben unbefriedigend; die Alternative, die ohne allzuoft explizit gefordert zu werden, von derartigen Formulierungen erzeugt wird, läuft eben darauf hinaus, Urteile rein auf Grundlage der Anklagebehauptungen zu erlassen. Das hieße aber Unrechtsstaat.

Unter diesen Umständen verwundert mich, dass Möglichkeiten wie Wahrheitsdrogen so dermaßen alternativlos verteufelt werden. Unter geregelten Einsatzbedingungen könnten die dazu führen, dass so manche mangels Beweisen heute noch unentscheidbar bleibende Situation eindeutig entschieden werden könnte. Andern falls bleibt es eben bei in dubito pro reo, und ein gut beratener und anwaltlich vertretener reus würde bei einem Text wie dem im Blog verfassten auf öffentliche Ehrabschneidung klagen.

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 21.08.2019 | 09:48

Nach allem, was ich über ihn gelesen habe, ist er mir nicht im Geringsten sympathisch. Nur sehe ich darin eine Gefahr: Ich bin mir der Zweifelhaftigkeit der Faktenlage bewusst und reagiere doch bereits mit Antipathie. Als Richter bin ich damit nicht tragbar^^ Selbstverständlich ist öffentliche Meinungsbekundung legitim; wünschenswerterweise gäbe sie sich dann allerdings als Meinung deutlich zu erkennen, statt als anscheinende Faktizität daherkommen, wo tatsächlich Perspektiven aufeinander prallen, zumindest solange die Faktizität nicht wirklich ermittelt wurde.

Ob der Beschuldigte rehabilitiert werden kann oder muss oder nicht werden darf, dazu habe ich keine Meinung^^ meine Darlegungen beziehen sich ausschließlich auf den Aspekt öffentlicher Hinrichtungen in sozialen Medien und Presse unter Vorwegnahme von (und letztlich Gleichgültigkeit gegenüber ) Gerichtsurteilen.

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 23:24

Ich brauche auch kein diesbezügliches Argument zu bringen, weil ich weder das eine noch das andere behauptet habe und weder über das eine noch das andere etwas weiß. Das war, glaube ich, ein Teil meiner Kernaussage, dass solche Befunde der Beurteilung durch ein Gericht bedürfen.

Tatsächlich erscheint mir eine Art ... Weisheit? ... dafür einzutreten, in so einer Situation tatsächlich neutral zu bleiben. Denn, worauf basierte ein derartiges Urteil Unbeteiligter auf anderem als Sympathie oder Antipathie? Auf Wissen um die Fakten gewiss nicht.

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 22:30

Nur steht in diesem Fall nicht der weiße Ring vor Gericht, sondern der ehemaliger Leiter einer Ortsgruppe, und als solcher ein alter, weißer, heteronormativer Mann, mithin ein Angehöriger einer Personengruppe, der hier in der FC überwiegend mit Skepsis oder gleich voller Antipathie begegnet wird. Ein kleiner Weinstein eben, eine Assoziation, die in dem Blogtext mit allen Mitteln der Kunst herbeigeschrieben werden soll. Da spielen Sympathie und Antipathie durchaus ihre Rolle. Ganz zu schweigen von dem Umstand (der freilich weit über diesen Blogtext hinaus geht), dass die informellen Anklagen derartiger Texte um so moralgewaltiger daherkommen, je weniger belastbar die Faktengrundlage ist.

Egal. Ich sagte ja, es wird und möge sich jedesmensch dazu positionieren, wie es mag. Wünschenswert, zugunsten der eigenen kognitiven Integrität, bliebe trotzdem, klar und rasiermessercharf zu unterscheiden, was mensch weiß und was es nur gläubig vermutet.

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 17:49

Ich habe Rackete ins Spiel gebracht, um zu illustrieren, dass bei der Bewertung derartiger Situationen die Frage der persönlichen Sympathie für oder gegen Angeklagte ein entscheidender Faktor ist, wobei üblicherweise die Bewertung den Personen gegenüber schärfer ausfällt, die einem unsympathisch sind und milder bei Personen, die einem sympathisch sind, völlig ungeachtet der Frage, wie die Sachlage ist. Wenn Sie Rackete als Illustration hierzu für ungeeignet halten, nehmen Sie die israelische Armee und die Hamas, oder irgendeine der vielen Konstellationen, die es fast unmöglich machen, sachlich zwischen den Positionen zu entscheiden.

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 17:28

||| Sollen das alles rachedurstige Frauen sein? |||

Höchste Zeit, dass Sie und ich mal wieder in einer Sache uneins sind, sonst entsteht in der Community noch der Verdacht, wir würden altersmilde^^

Rachedurst kann ein Motiv sein, aber plausibler ist etwas anderes. Sie kennen sicher den Werther-Effekt? Nach der Lektüre besagten Machwerks^^ rollte eine Lawine von Selbstmorden unter jungen Erwachsenen durch Deutschland. Will sagen, so eine Lektüre kann ganz schön suggestiv sein, und wenn, wie in den letzten Jahren, eine einschlägige Berichterstattung den Eindruck entstehen lässt, es gibt überhaupt nur noch missbrauchte, gedemütigte und verwaltigte Frauen, dann ist das womöglich sogar extrem suggestiv, so dass Frau versucht sein könnte, sich zu fragen, ob nicht von ihr selbst bislang als harmlos eingestufte Vorfälle eher der kriminellen Sparte angehören. Und entsprechend umdeutet.

Das ist keine Behauptung, und wenn doch, dann höchstens von gleicher Suggestivität wie die Frage, ob die alle rachedurstig waren. Fakt ist: Weder Sie, Magda, noch ich, noch sonst jemand, der/die nicht dabei war, WISSEN es. Wir können glauben, wem wir glauben wollen und werden unsere Plausibilitätskriterien haben. Näher werden wir ohne hieb- und stichfesten Beweise nicht an die Wirklichkeit herankommen.

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 17:20

aber verstanden haben Sie, was ich meine^^ es geht nicht um Rackete^^

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 15:47

Sie illustrieren, wohl unbeabsichtig, sehr genau, worauf ich hinweise^^

RE: 30 Anzeigen, ein Schweigen | 20.08.2019 | 15:11

Die Kritik an unkritischer Berichterstattung ist ja auch nicht auf diesen Blogtext begrenzt. Sie erfolgt zudem unabhängig vom tatsächlich dadurch angerichteten Schaden und betrifft mehr das Prinzip der Parteilichkeit als solches. Trotzdem wird Schaden erzeugt, dessen Natur deutlicher wird, wenn der Sachverhalt anhand eines Beispiels durchgespielt wird, bei dem die Sympathien in anderer Richtung verteilt vorliegen, vielleicht bei Frau Rackete?