Schlimmstenfalls tödlich

Gesundheitswesen Medikamente sind manchmal Gift auf Rezept, zeigt ein Spielfilm von Daniel Harrich. "Der Freitag" greift das Thema in seiner aktuellen Ausgabe auf
Im besten Fall unwirksam
Im besten Fall unwirksam

Foto: Onnie A Kosiki/Getty Images

Die Krankenschwester Coline Hubly, tätig in einer Spezialklinik in Toledo, Ohio, hatte im Jahr 2007 zwei Schicksalsschläge zu verkraften: Binnen kurzer Zeit verstarben ihr Ehemann und ihre Schwiegermutter. Beide waren im Dialysezentrum des Krankenhauses behandelt worden. Und beide hatten das Blutgerinnungsmittel Heparin verabreicht bekommen. Als Hubly mehrere ähnliche Todesfälle bemerkte, hegte sie einen Verdacht. Und tatsächlich: Das Heparin, das von dem amerikanischen Konzern Baxter kam, war die Ursache der Todesfälle. Das Unternehmen hatte einen verunreinigten Rohstoff aus China importiert.

Es sind solche und ähnliche Fälle, die der Enthüllungsjournalist Daniel Harrich zusammengetragen hat. Der Filmemacher und Autor ist unter anderem bekannt für die Offenlegung illegaler Waffenlieferungen nach Mexiko. Der schwäbische Waffenhersteller Heckler & Koch hatte scheinbar unerlaubt Sturmgewehre exportiert. Als Harrich dies publik machte, blieben die Konsequenzen nicht aus: eine aktuelle Stunde im Bundestag, Ermittlungsverfahren und Anklage gegen Verantwortliche bei Heckler & Koch.

Und nun also Medikamente. Harrich und sein Team sind seit 2002 an dem Thema dran. Damals hatten sie für die ARD eine Dokumentation über den Contergan-Skandal gedreht. Contergan, der Ahn aller Arzneimittelskandale, hatte die Bundesrepublik erschüttert. Ob Harrichs neue Enthüllungen ähnlich brisant sind, ist noch nicht ausgemacht. Die Ergebnisse seiner Recherche hat er in dem Spielfilm Gift und einer Dokumentation für Das Erste aufbereitet, die heute abend zu sehen ist. Gleichzeitig startet ein Hörfunk- und Online-Angebot. Wozu eine so groß angelegte Kampagne? „Es geht nicht um Panikmache, sondern um ein echtes Problem“, erklärt der Journalist dem Freitag. Es geht um gefälschte Medikamente.

Man könnte meinen, die großen Pharmaunternehmen hätten ein Interesse daran, dass gegen die Fälscher rigoros vorgegangen wird. Immerhin entstehen allein in Europa durch gefälschte Medikamente Schäden in Höhe von 10,2 Milliarden Euro im Jahr, das entspricht 4,4 Prozent des Jahresumsatzes der Branche. Doch längst nicht alle falschen Medikamente sind das Werk krimineller Machenschaften. Es ist, was Daniel Harrich die „Büchse der Pandora“ nennt.

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Geschrieben von

Leander F. Badura

Redakteur Kultur (Freier Mitarbeiter)

Leander F. Badura kam 2017 als Praktikant zum Freitag und hat seither in wechselnder Intensität für die Ressorts Politik und Kultur gearbeitet. Er studierte Politikwissenschaft in Freiburg und Aix-en-Provence sowie Lateinamerikastudien und Europäische Literaturen in Berlin. Seit 2022 ist er im Kultur-Ressort für alle Themen rund ums Theater verantwortlich. Des Weiteren beschäftigt er sich mit Literatur, Theorie, Antisemitismus und Erinnerungskultur sowie Lateinamerika. Er schreibt außerdem regelmäßig für die Jungle World.

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