Führerkult

Obama, Führerkult Die deutsche Obama-Begeisterung zeugt von einem im Grunde ungebrochenen Führerkult in diesem Land.
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Die Deutschen sind von Obama begeistert. 90% der Deutschen würden ihn dem Spiegel zufolge wählen. Wieso eigentlich? Eigentlich müsste Obama der Gottseibeiuns des deutschen Bildungskleinbürgertums sein: Seine Außenpolitik ist kaum weniger „imperialistisch“ als die seines Vorgängers; Eigeninteressen werden wie gehabt überall auf der Welt knallhart durchgesetzt, auch mit militärischen Mitteln; „Drohnenkrieg“; Drohungen gegen das von vielen Deutschen heißgeliebte Regime im Iran; das Lager in Guantanamo existiert nach wie vor; er scheint eine ganz ähnliche Klimapolitik wie sein Vorgänger zu betreiben; Industriepolitik dito; Europa interessiert ihn im Grunde nicht; usw. An den politischen Inhalten kann es also nicht liegen, dass Obama das neue deutsche Idol ist. Was ist es also?

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Ein Höhepunkt der deutschen Obama-Begeisterung war die Rede im Tiergarten im Jahr 2008. 200.000 Bilderbuchdeutsche pilgerten damals zur Siegessäule, um vor ihrem säkularen Messias nach der Art von Dieterich Häßling im Dreck zu kriechen. Ein zutiefst widerwärtiges Spektakel (dass Merkel das damals offenbar ähnlich sah, ist ihr hoch anzurechnen).

Obamas Berater dürften genau gewusst haben, warum sie dieses perfide kleine Experiment ausgerechnet in Deutschland stattfinden ließen (er selbst wird wahrscheinlich gar nicht so genau gewusst haben, wo er sich gerade befindet; vielleicht hätte er den Kontinent korrekt benennen können). Hätten sie dasselbe, sagen wir, in Dänemark, Frankreich oder Italien versucht, wären nicht 200.000 sondern 100 gekommen, und sie hätten nicht andächtig gelauscht sondern ihm den blanken Hintern gezeigt.

Die Ursache für die deutsche Obama-Begeisterung ist nicht bei dem Mann selbst zu suchen, sondern – bei den Deutschen. Die Deutschen, die sich heute für Obama begeistern, sind, von der Persönlichkeitsstruktur her, dieselben Leute, die vor 100 Jahren ihrem Kaiser und vor 70 Jahren ihrem geliebten Führer in den Hintern gekrochen sind. Inhalte sind hier im Grunde irrelevant; schwache, leicht manipulierbare Persönlichkeiten sind wie leere Gefäße, die man praktisch nach Belieben mit allem möglichen Dreck anfüllen kann. Eine Prise Hysterie dazu, und fertig ist das ekelhafte Gebräu. Diese Persönlichkeitsstruktur, das ist meine kleine Theorie, ist in Deutschland signifikant häufiger anzutreffen als in anderen Ländern (dass es so etwas wie einen Nationalcharakter gibt, davon bin ich überzeugt).

Immerhin kann Obama froh sein, den typischen Deutschen gegenwärtig zu Füßen zu haben; der andere Körperteil wäre der Hals (Churchill).

20:03 12.11.2012
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Geschrieben von

Lieschen

Lieschens Blog
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