"Krieg gegen den Terror"

... Obwohl der Antiterrorkamp recht erfolgreich zu sein scheint, lehnen viele ihn ab. Warum ist das so?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Antiterrormaßnahmen im Ausland und in der Heimat scheinen von immer mehr Leuten abgelehnt zu werden. Warum ist das so? Die Maßnahmen scheinen doch recht erfolgsreich zu sein – immerhin liegt der letzte Terroranschlag in Europa oder Amerika schon recht lange zurück.

  1. Die Öffentlichkeit erfährt normalerweise nichts über erfolgsreiche Antiterror-Maßnahmen. Öffentlich werden nur die Misserfolge.
  2. Viele Leute haben Schwierigkeiten damit, Ereignisse, die räumlich und/oder zeitlich weit auseinanderliegen, miteinander in Verbindung zu bringen, auch wenn Kausalitäten bestehen. Das gilt z.B. auch für solche Sachen wie CO2 und Klimawandel
  3. Leben wir sicherer, wenn in Pakistan ein Ausbildungslager für Terroristen zerstört wird? Vermutlich schon, aber mit Gewissheit lässt sich das nicht sagen, zumindest wenn man nur über die paar wenigen Informationsbrocken verfügt, die der Öffentlichkeit hingeworfen werden.

Das Dilemma ist, dass jede erfolgreiche Antiterrormaßnahme – wobei Erfolg als die Abwesenheit von Terroranschlägen in der Heimat definiert wird – neue Argumente gegen solche Maßnahmen liefert. Denn warum sollte man Terroristen bekämpfen, wenn es gar keine Terroranschläge gibt?

Je weiter der letzte Anschlag zurückliegt, desto schwerer wiegen schließlich die Argumente gegen Antiterrormaßnahmen (getötete Zivilisten, zweifelhafte Legalität, Drohnenangriffe sind „feige“/nicht „ritterlich“ usw.). (Daraus könnte man fast die perfide Logik ableiten, dass ab und zu ein Anschlag zugelassen werden muss, um die Öffentlichkeit von Antiterrormaßnahmen zu überzeugen. Manche Verschwörungstheoretiker sind ja tatsächlich der Meinung, dass genau das geschieht.)

Ein weiterer Einwand gegen Antiterrormaßnahmen in Ländern des nahen/mittleren Osten lautet, dass der Westen diese Länder nur in Ruhe lassen müsse, dann werde der Terror ganz von selbst aufhören. Aber stimmt das wirklich? Ganz abgesehen davon, dass es wohl Jahrzehnte dauern würde, bis sich eine solche Wirkung eventuell einstellen würde, spricht die Empirie eher dagegen. Die Israelis haben bisher jedes Zugeständnis an die Palästinenser teuer bezahlt. So hatte der Terror nach dem Abzug aus dem Gazastreifen stark zugenommen. Nur die Grenzanlagen und Militäroperationen haben sich als wirksam erwiesen. Die Erfahrung ist eher, dass jedes Zugeständnis als Schwäche und als Aufforderung zum Zuschlagen ausgelegt wird.

Eine nüchterne Analyse scheint mir zu ergeben, dass die Antiterrormaßnahmen des Westens (genaugenommen vor allem der USA, die wie gehabt die Kartoffeln für andere aus dem Feuer holen) recht erfolgreich sind und in der jetzigen Form fortgeführt werden sollten.

Hier noch das Video , das mich zu diesem Text "inspiriert" hat, und in dem gegenteilige Auffassungen vertreten werden.

http://www.youtube.com/watch?v=lzIkZQEEY5g

07:51 21.12.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Lieschen

Lieschens Blog
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare 6

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community