Albrecht Hager

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RE: Putsch der Eliten | 25.07.2010 | 00:29

Christian Füller bezeichnet den demokratischen Volksentscheid über das Hamburger Schulsystem als "Putsch der Eliten". Meines Erachtens bringt diese Formulierung eine unglaubliche Verachtung gegenüber dem Volkswillen zum Ausdruck. Wenn im kleinen Hamburg 276.000 Menschen (bei lediglich 1,3 Millionen Wahlberechtigten!) gegen die Verlängerung der Grundschule stimmen, kann man doch nicht von einem "Putsch der Eliten" sprechen. Ebenso absurd ist die Behauptung, den Bürgern fehle der Wille zu einer "demokratischen Schule". Ist nur die Einheitsschule demokratisch, auch wenn die große Mehrheit diese gerade nicht will? Herr Füller findet es weiterhin lächerlich, dass kritisch beleuchtet wird, ob die Einheitsschule oder das Gymnasium zu besseren Ergebnissen führt. Das ist jedoch genau die entscheidende Frage. Man kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass sich Menschen für eine Reform begeistern, wenn nicht sicher ist, dass die Alternative zumindest keine Verschlechterung bringt. Besonders merkwürdig ist die Kritik, dass der Volksentscheid gegen den einstimmigen Beschluss des Hamburger Parlaments Erfolg hatte. Entscheidend in der Demokratie ist doch nicht, was sogenannte Volksvertreter für richtig halten, sondern was der Souverän, das Volk, für richtig hält. Wenn man demokratische Mehrheitsentscheidungen nicht respektieren möchte, dann gibt es nur folgende Konsequenz: "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?" (Bertolt Brecht)

Albrecht Hager