Ausgespäht und trotzdem doof

Datenklau & Co. Auf jeden Fall, Big brother ist schauing us und meine Paranoia is good looking...
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Da fühlt man sich in der dumpfen Masse mal wieder sicher. Denn die meisten von uns werden wohl nicht von der NSA ausspioniert. Oder glaubst du, dass Big Brother Twitter-Beiträgen wie „Ich steh mal wieder in der Schlange bei Aldi. Bussi!“ oder ähnlich stupidem Gedaddel folgt? Die Nachrichtendienste würden sich auch nicht für deine neuen Zalando-Schuhe interessieren, auf die Du explizit im Facebook-Chat eingehst, und die man auf dem gepostetem Foto an deinen Käsequanten bewundern kann. Nee, das ist für die Datensammler der Geheimdienste nicht von Belang. Dafür registriert Facebook deine Begeisterung für die neuen Latschen und schon bald wird dein Rechner durch Zalando-Cookies zugemüllt. Also was soll eigentlich die ganze Aufregung um das Herumschnüffeln der Amis & Co.?

Es ist doch klar, wer sich im Netz nackig macht, jeden geistigen Dünnschiss postet und dann online als Debiler entlarvt wird, ist selber schuld. Doch in unserer Gesellschaft der medialen Verdummung haben immer mehr Fuzzis das Bedürfnis sich einer breiten Öffentlichkeit zu offenbaren und ihre noch so banale Hirntätigkeit frei nach Schnauze in die virtuelle Welt hinauszuposaunen.

Obwohl die Ausspähaffäre sich eigentlich auf die oberen Zehntausend bezieht, meinen viele aus dem grauen Mob, sie werden ebenfalls belauscht und bespitzelt; die Behauptung gibt ihnen das Gefühl wichtig und gleichzeitig ein Opfer zu sein, was dem alltagsgeplagten Trottel wieder Stoff zum Rumnörgeln gibt. Dazu passend die mediale Hetze, die in jedem vermeintlichen Opfer die Paranoia nochmal so richtig zum Kochen bringt und oft mit Größenwahn daher torkelt: „Nie sollst du wissen, wann wir dich beobachten, damit du dich nie unbeobachtet fühlen kannst“, zitiert „die Zeit“, (Nr. 40, Oktober 2013, „Wer blickt da durch?“). Zitieren tut auch der Spiegel gern: „Viele Nutzer wissen nicht, dass ihre E-Mails im Internet von beliebig vielen Leuten gelesen und gespeichert werden können, Postkarten sind im Vergleich geradezu diskret“, (28/2013, „Spitze ohne Bespitzeln“).

Und schon sprießen aus den Sicherheitslücken auch die Marktlücken, die man mit angeblich absolut sicheren Programmen, Browsern und Apps schließen könnte. Denn die weit verbreiteten Frage lautet: Wie kann ich mich gegen die NSA-Teufel & Co. schützen? Werden die Typen nun meine außerehelichen Sexbekanntschaften aus dem Netz an meine Frau posten, obwohl auf der Internetseite ganz fett drauf stand: DEINE ALTE KRIEGT ES NIEMALS RAUS!? Ist Fuckbook etwa genauso gefährlich wie Facebook?

Wer sich bezüglich Internetsicherheit informieren möchte, findet im Netz Hunderte von Seiten mit guten Ratschlägen und Downloads; aber zum Durchlesen des Ganzen bräuchte man mindestens zwei Jahre. Dann fingert man doch lieber auf dem Smartphone oder dem PC weiter drauf los und folgt der Maxime: „Ich habe nichts zu verbergen, und genau das ist mein Geheimnis“. Schließlich kann auch ein so süßes Mädel wie die Merkel, mal sauer sein, wenn Obama nun weiß, wo ihr Haus wohnt, oder? Mit viel Geduld und noch mehr Fantasie werden wir schon den ganzen Ausspähpennern das Hand legen, denn letztendlich ist der Weg das Ziel und nachts ist’s kälter als draußen…

12:05 07.11.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Lindnerowski

Nach dem Kacken Bürste packen!
Schreiber 0 Leser 1
Lindnerowski

Kommentare 2

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community