Das ambulante „Hospiz des hl. Vinzenz von Paul“ in Słubice

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Ihre ehrenamtliche Tätigkeit nahmen die Mitarbeiter des Hospiz fast vor einem Jahr auf. Damals folgte eine Gruppe von ungefähr 15 Leuten den Aufruf eines Priesters, der über die Hospizarbeit berichtete. Mittlerweile sind im „Hospicjum Św. Wincentego a'Paulo“, wie die Organisation im Polnischen heißt, fast 30 Ehrenamtliche tätig. Manchmal müssen sie bis zu einem Sterbenden zig Kilometer fahren, oft improvisieren sie, da ihnen viele Pflegemittel, Toilettenstühle, Pflegebetten fehlen. Doch jeder Einzelne von ihnen hat in der Hospizarbeit einen tiefen Sinn gefunden.

Die Tätigkeit

Herr Przemysław – einer der Ersten im Hospiz und der inoffizielle Koordinator – bringt eines seiner Kinder um 8.30 Uhr in den Kindergarten. Bis er um 10 Uhr in einem Laden als Teppichverkäufer steht, hat er noch Zeit, so dass er zu einem Sterbenden fahren, die Grundpflege durchführt und für ihn noch etwas auf der Gitarre spielen kann. Nach der Arbeit kommt er wieder oder fährt zu einem anderen Patienten. Im Notfall kommt er auch während der Arbeit, da muss eben eine Verkäuferin auch auf seinen Stand achten. So war es beispielsweise bei Herrn Mietek, der den Ehrenamtlichen, den er auch manchmal „mein Prinz“ nannte, bei seinem Tod unbedingt dabei haben wollte. Er rief an und Przemysław kam sofort und hielt ihm bis zum Schluss die Hand. Herrn Mieteks Frau hat den Tod schwer aufgenommen, doch auch für psychologische Unterstützung der Verwandten wird im Hospiz des hl. Vinzenz von Paul gesorgt.

Die Mitarbeiter

Eine Psychologin kommt als Ehrenamtliche in Notsituationen aus dem fast 80km entfernten Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe). Außerdem führt sie gelegentlich Fortbildungen für die Mitarbeiter des Hospiz, lehrt den Umgang mit den Sterbenden, wie man verschiedene Therapien anwendet und die Hinterbliebenen betreut. Außerdem gibt es noch zwei Anästhesisten, die ehrenamtlich eigentlich die Arbeit von Krankenschwestern verrichten, das heißt einen Katheter einführen, eine Spritze geben. Dabei arbeiten sie eng mit den jeweiligen Hausarzt des Sterbenden zusammen.

-Viele der Angehörigen wissen nicht, wie sie mit den Sterbenden umgehen sollen, oft fürchten sie das Sterben mehr, als der eigentlich Betroffene – meint Piotr, einer der Anästhesisten.

Da gilt es Ruhe zu bewahren, den Menschen den Sterbeprozess erklären, so dass er sich so wenig wie möglich von der ihm nahe stehenden Person distanziert. Die Verwandten oder Nachbarn sollen lernen, selbst den Sterbenden zu versorgen.

Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospiz hat einen Lehrgang in palliativer Medizin hinter sich, doch die Meisten führen bei den Patienten die Grundpflege ohne jegliche Ausbildung durch, lediglich nach kurzer Einführung durch einen Arzt oder Mitarbeiter, der schon länger dabei ist. Und es klappt gut. Man reicht Essen, wäscht die Patienten, geht auf ihre Bedürfnisse ein. Manche Patienten wohnen 20 oder 30 km von Słubice entfernt. Meistens fährt derjenige hin, der es näher hat. Benzinkosten können nur teilweise vom Hospiz erstattet werden. Doch für die meisten Helfer ist das keine Frage.

Ein Ehrenamtlicher des Hospiz in Słubice sucht sich seinen Patienten nicht aus, sondern wird da wo Bedarf ist eingesetzt. Es kam vor, dass ein Sterbender in seiner Endphasesich oft übergeben musste, was den Betreuer dazu veranlasste jedes Mal auch zu erbrechen. Schließlich hatte jeder eine Schüssel vor sich stehen, sie erbrachen zusammen, um hinterher gemeinsam zu lachen.

Manchmal wenn es sein muss wird notfalls auch ohne Schutz gepflegt, denn Schutzmittel sind rar. Gründliches Händewasche muss dann genügen.

Mangel und Improvisation

Die Anfrage nach der Strebebegleitung in Słubice und Umgebung wächst. Leider müssen die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit improvisieren. Herr Przemysław erzählt, dass sie manchmal nach Deutschland fahren und die nahen Flohmärkte nach Hilfsmittel, wie Pflegebetten, Toilettenstühlen, Rollatoren und anderen Sachen durchstöbern. Manchmal können sie dann aus zwei defekten Rollstühlen, die sie billig bekommen können, einen funktionierenden bauen. Das größte Problem sind natürlich Pflegebetten. Die meisten Patienten müssen zu Hause im eigenen Bett ihren Tod erwarten, was allzu oft, trotz Lagerung, zu Dekubitusfällen führt.

-Das Wichtigste ist – meint der Anästhesist Piotr, - dass die Leute einigermaßen schmerzfrei und würdevoll aus dieser Welt scheiden. Das versuchen wir ihnen zu gewährleisten.

-Natürlich hilft es enorm, wenn derjenige oder diejenige glauben – fügt Herr Przemysław hinzu. – Der Tod ergibt dann einen Sinn und die Angst ist geringer.

-Ohne die Aussicht auf ein Leben nach dem Tod, sehen die Sterbenden oft wie in einendunklen Abgrund – bestätigt Piotr.

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10:25 08.11.2011
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Geschrieben von

Lindnerowski

Nach dem Kacken Bürste packen!
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Lindnerowski

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