Fakebook hat uns!

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Facebook das größte Kontaktnetzwerk, transparent gestaltet, beliebt. Facebook ist auch Fakebook, wo Menschen oft zu fiktiven, verschönerten Avataren mutieren und – ähnlich wie bei Twitter – viel Scheiße von sich geben. Ja, sie füttern damit andere und mehren sie, wie damals Jesus Brote und Fische bei der Speisung der 5000.

Mit „Timeline“ hat Fakebook dem User-Mob eine weitere Option ins Gehirn geschissen: poste dein gesamtes (auch noch so ödes) Leben auf einer chronologisch geordneten Schiene. Damit sollen die Nutzer zwischen der virtuellen und der reellen Welt so oft es geht hin- und hergerissen werden. Wem dient der Zeitstrahl wirklich?

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Schmackhafter Kotberg

Man kennt es schon aus Twitter; der Kaffee wird gemacht und vor der Glotze genossen, prompt wird das Erlebnis über Twitter gepostet. Oder unterwegs – die Mobil-Variante – ein eben gekauftes pampiges Brötchen wird hinuntergewürgt; man macht sich seinem Ärger darüber Luft indem man seine Freunde über die weichgekaute Tragödie informiert. Diese Echtzeitübertragung des Alltags bietet jetzt auch Facebook seinen Nutzern. Hast du vor drei Tagen eine plattgefahrene Katze gesehen, die dich geil gemacht und inspiriert hat? Teile es mit deinen Freunden und mach eine Eintragung auf deiner Lebenslaufschiene.Heute wieder einen saftigen, ordentlich stinkenden Snickers abgeseilt – mach ein Foto davon und setzte es auf deinem Zeitstrahl ab. Wenn du regelmäßig deine Beiträge auf der Timeline postest, wird dein Bekanntenkreis von Usern möglicherweise nachvollziehen können, wieso du dich zum Leichenschänder entwickelst. Oder sie werden dir sogar bei deinen Kackproblemen behilflich zur Seite stehen, indem sie dir zu bestimmten Abführmittel raten. Timeline macht dein Lebensarchiv überschaubar und lässt andere fast unmittelbar an deinen grandiosen Abenteuern teilhaben. Wichtig ist Präsenz zu zeigen, wenn möglich regelmäßig. Quantität statt Qualität. Egal ob die Fakebook-Server dann allmählich mit einem Berg voll Scheiße gefüllt sind.

Klar kann ein graues Leben zu einem James-Bond-Thriller hochstilisiert werden, doch ist dies meist leicht durchschaubar und kann schnell zur Folge haben, dass man seine Facebook-Freunde verliert. Deshalb ist es ratsam zwischen Wirklichkeit und Fake geschickt zu lavirieren und den eigenen Mist auf seiner Timeline nur etwas schmackhaft gestalten. Freunde können sich dann die interessanten Stücke herauspicken und genießen.

Timeline als Mittel zum Zweck

Stell dir vor, du bist im Puff und zwischen all den teuren Nutten gibt es eine, die umsonst zu haben ist. Vielleicht ist sie nicht so hübsch wie die anderen, aber der Gratisfaktor zerstreut alles andere. Du hast noch die Zusatzinfo, dass die Pussy auch wenn sie nichts kostet, dennoch genauso gut die Beine breit macht und schluckt wie die anderen Schlampen. Klar würdest du die Geldbörse in der Tasche lassen und die Braut so durchficken, dass sie nachher nicht weiß wo vorne und hinten ist.

Genauso wird es möglicherweise bei Fakebook ablaufen: Firmen und Konzerne, die die wirklichen Kunden von Facebook sind und gegen Entgelt dort ihre Anzeigen schalten, möchten dafür etwas bekommen. Für ihre Knete kaufen sie uns – ihre Ware sind wir, die User. Schon bald wird massenweise die Werbung über unsere Desktops flimmern, wenn wir uns in das beliebte soziale Netzwerk einloggen.Schöner für die Firmen wäre es natürlich, wenn die Reklame gezielt auf jeden einzelnen User passend zugeschnitten wäre. Die Möglichkeit dazu wird gegeben, wenn die oft angeprangerten Datenschutzrichtlinien von Fakebook tatsächlich Lücken aufweisen würden oder die Daten schlicht verkauft werden. Durch einen Zugang der Unternehmen zu den einzelnen Nutzer-Profilen und insbesondere zu Timeline, könnten Unternehmensberater, Marketing-Psychologen und anderes fachspezifisches Gesocks, die für jeden User spezielle Werbung berechnen und in das jeweiligen Profil hinein bauen. Beispielsweise könnten sie erfahren, dass du seit deiner Jugend auf eine bestimmte Sahnemarke stehst und sofort wird auf deiner Seite genau die Wichse angeboten, die du so liebst.

Und während du deine Scheiße postest und dich in ihr wälzt, wird unbewusst dein Hirn mit Werbung gefickt. Immer wieder wirst du von deinen geliebten Produkten schmerzfrei vergewaltigt, bis du in den nächsten Laden läufst, dein Portmonnaie zückst und es dir besorgst. Nutznießer bist du dabei nicht, mein lieber Nutzer (User), das sind die vielen Unternehmen von Fakebook. Du bist die gratis gefickte Schlampe.

16:05 04.11.2011
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Geschrieben von

Lindnerowski

Nach dem Kacken Bürste packen!
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Lindnerowski

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