Polen brennt!

Feuer beim Nachbar! Eine Abwechslung zum EM2012- Fieber: Polen verbrennt Giftmüll an allen Ecken - umweltschädlich und schön!
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Viele Besucher der EM 2012 hatten am Abend vor der Sankt-Johannes-Nacht zum 24. Juni die Gelegenheit das EM-Land Polen auf langen Strecken brennen zu sehen. Ein unvergesslicher Anblick, wie dicke, schwarze Rauchschwaden den schönen Sonnenuntergang verdecken und der Geruch Tausender kokelnder Autoreifen selbst die entlegensten Dörfer in gefährliche Giftsmog-Zonen verwandelt. In Polen nennt man das Tradition.

(Siehe Bild unter dem folgenden Bild: http://libellalen.de/WordPress3/wp-content/uploads/2012/06/Polen-brennt-zur-EM-2012.jpg )

Der Iwan-Kupala-Tag ist das in Russland, Polen, Weißrussland und der Ukraine traditionell gefeierte Fest der Sommersonnenwende. In Russland wird üblicherweise dieser Tag nach dem Gregorianischen Kalender am 7. Juli (Verbindung mit dem Geburtstag von Johannes dem Täufer) gefeiert. In Polen wird das Fest als Noc Świętojańska (Sankt-Johannes-Nacht) am Fest des Heiligen Johannes der Täufers, 24. Juni gefeiert. Der Name des Festes „Kupala“ leitet sich von dem russischen Namen für Johannes ab. Traditionell wurden in Polen zu diesem Fest Blumenkränzchen angefertigt und auf Flüssen und Seen ausgesetzt, es wurden Feuer gemacht, (jedoch nicht aus Autoreifen) und eine Kapelle spielte Musik zu der man tanzte. So begrüßte man die die Sommersonnenwende. Man hatte viel Spaß.

Auch heute steht der Spaß im Vordergrund. Doch Blumenkränzchen bauen und tanzen ist anstrengend und deshalb out. Doch das Feuer bleibt ewig bestehen und macht geil. Was ein richtiges Sankt-Johannes-Nacht-Feuer ausmacht ist seine Größe und der Geruch. Je mehr Autoreifen, Matratzen und andere alte Gegenstände aus dem Kellervorrat schmoren desto schöner und duftiger wird das Ganze. Selbst hartgesottene Fußballfans zieht es da vom Fernseher aufs Land in die Dörfer und Kleinstädte, um sich das Spektakel auf den Feldern anzuschauen. Der Alkohol fließt dabei in kontrollierten Mengen – schließlich sind die meisten heutzutage mit dem Auto unterwegs.

Die Organisation des Brennmaterials läuft hervorragend; in den meisten Dörfern kullert ein Kleintransporter oder LKW durch die Gassen und sammelt an den einzelnen Häusern und Höfen alles ein was der Keller hergibt – umweltschädliche bis hin zu hochgiftigen Stoffen – scheißegal, Hauptsache es brennt! So wird in Polen ganz legal all der Gift aus dem Keller ausgemistet und zur Tradition erklärt. Sehenswert? Auf jeden Fall; der Anblick dieser schwarzen Rauchsäulen allerorts ähnelt amerikanischen Tornados, die das Land verwüsten. In Polen wird nix verwüstet nur der übliche Haushalts-Sondermüll entsorgt. Am meterhohen und breiten Feuer kann man sich wärmen und der Wodka schmeckt da auch gleich besser.

10:31 27.06.2012
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Geschrieben von

Lindnerowski

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Lindnerowski

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