Reißt das Maul auf!

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„Selig sind die Armen im Geiste“ sagte Jesus und meinte damit die Typen, die frei sind von irgendeinem Wollen und Begehren des Herzens und des Verstandes – also geistige Ruhe inne haben. Doch wenn man das etwas abändert und die heutigen rastlosen Hirnis aus der Wirtschafts- und Politikbranche betrachtet, ihr Planen, ihre Egos, die geistige Armut im Sinne von Arroganz, Gier und Eitelkeit, so muss man zugeben, dass wenigstens auf der Erde die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln ernten. Dabei werden Milliarden von Systemsklaven (wir) nach Strich und Faden verarscht. Und dies ist kein Aprilscherz.

Ich bin feige und rede nicht selten um den heißen Brei herum. Gestern war es Gaddafi, heute Assad, morgen Ahmedinejad. Klar – alles Schlächter und Arschlöcher. Aber die Medien bauschen die ganzen Diktatoren dermaßen auf, dass wir wirksam von unseren Alltagsproblemen abgelenkt werden und von der eigenen Diktatur unter der wir leben, nämlich derWirtschaftsdiktatur. Und während wir uns über die Unmenschlichkeit Assads empören, werden die Märkte bei uns beruhigt; die Politiker buhlen um die Gunst derer, die uns die Wirtschaftskrise erst eingebrockt haben. Wie sieht es denn bei uns aus? Wir sind geistig pleite und finanziell sieht es bei der grauen Masse auch beschissen aus: Tatsache ist, dass sich laut Sparkassenverband über die Hälfte aller Arbeitnehmer-Konten in den roten Zahlen befindet. 7,3 Millionen Menschen in der Bundesrepublik sind überschuldet oder bankrott. Was boomt ist nicht die Wirtschaft sondern die Privatinsolvenz. 2 Millionen Selbständige leben an oder unter der Armutsgrenze, 8,4 Millionen arbeiten als Minijobber und die glorreichen 7 Millionen Bundesbürger beziehen Hartz IV.

Eine Schande, doch wir schweigen. Nee, Moment, nicht ganz richtig, wir sagen schon was, nur nicht entschieden genug und oft in die falsche Richtung und übersehen dabei die Scheiße vor der eigenen Haustür. In seinem Artikel „Kapitalismus braucht keine Demokratie“ schreibt Ingo Schulze in der „Süddeutschen“: Wir empören uns zu Recht über Wladimir Putins Begriff der „gelenkten Demokratie“. Warum musste Angela Merkel nicht zurücktreten, als sie von „marktkonformer Demokratie“ sprach? Selbstverständlich wird der nächste Krieg kommen und natürlich wird er nicht in Europa oder den USA stattfinden. Business ist Business und jeder Krieg kurbelt die Wirtschaft an. Man muss ihn halt dem Volk diplomatisch verkaufen und die Systemsklaven ein wenig ängstigen. Die fressen und saufen ehedem schon die Bio- und Chemiewaffen aus den Supermärkten, da werden sie auch das noch schlucken könne. Ob es nun Iran wird oder Syrien, direkt oder indirekt – ein großer Absatzmarkt wird sich wieder einmal öffnen. Werden wir dann unsere Blogs vollkritzeln, wie Scheiße wir das alles finden, ungerecht und das war‘s? Die Medien werden auch was zu berichten haben und wir können beruhigt die Pizza in den Ofen schieben.

Wir haben Angst den Mund aufzumachen und sind heilfroh, dass wir nicht in Syrien leben müssen. Sicherheit vor der Freiheit. Das ist die traurige Wahrheit. Wir sind so abhängig von unserem kleinen materiellen Eigentum, unserem Besitz und wollen diesen auf keinen Fall verlieren. Deshalb lieber Klappe halten! Bücken und sich von der Elite wieder in den Arsch ficken lassen. Fast alles Übel auf der Welt kommt davon, dass wir uns fürchten, Angst haben Dinge zu verlieren. Leben ist für den der wagt, die feige Sau stirbt!Doch wir haben Gewissensbisse, Skrupel und vor allem Angst aufzumucken: Gewissen und Feigheit sind in Wirklichkeit ein und dasselbe. Gewissen ist lediglich der Name der Firma,schrieb mal Oscar Wilde.

Wenn ich wieder einmal die hungernden Kinder im Fernsehen betrachten werde, die globale Armut, die Kriege, das Händeschütteln der Politiker, oder den kranken Penner zwischen den dreckigen Kartons im Park, dann werde ich hoffentlich an den Text Anthony de Mellos denken: Auf der Straße traf ich ein kleines Mädchen, zitternd in einem dünnen Kleid, ohne Hoffnung, etwas Warmes zu essen zu bekommen. Ich wurde zornig und sagte zu Gott: „Wie kannst du das zulassen?“ Eine Zeitlang sagte Gott nichts. Aber in der Nacht antwortete er ganz plötzlich: „Ich habe wohl etwas dagegen getan. Ich habe dich geschaffen.“

In unserer Galerie „Geistige Armut“ kann jeder Betrachter selbst herausfinden ob mit dem Titel die Jesusversion der Worte gemeint ist und ob die materielle Armut mit der geistigen irgendwie zusammenhängt? Nebenbei, es ist schließlich nicht nur die Weltelite, die geistig verarmt ist, oder?Ich bin es auch.

Wünsche allen viel Spaß in der Galerie! Und Leute, reißt endlich das Maul auf! Helft wo Ihr könnt die Armut und die Dummheit zu bekämpfen!

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17:14 01.04.2012
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Geschrieben von

Lindnerowski

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Lindnerowski

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